Birmensdorf
Forscher vom WSL und aus Litauen kämpfen gegen das Eschensterben

Mitglieder des Projektteam «ControlDieback» suchen nach einem Virus gegen die Krankheit. Die sogenannte «Eschenwelke» breitet sich seit 2008 unaufhaltsam auf der Alpennordseite aus.

Lukas Brügger
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Eine kranke Esche im Mittelpunkt des Interesses. Forscher begutachten die befallene Stelle am Stamm.

Eine kranke Esche im Mittelpunkt des Interesses. Forscher begutachten die befallene Stelle am Stamm.

Limmattaler Zeitung

Es ist windig und kühl. Laub wird von den Bäumen getragen und bildet auf dem Waldboden in Birmensdorf ein Teppich aus tausenden von Herbstblättern. Der Himmel ist düster, genauso wie die Minen der besorgten Blicke, welche sich alle auf den Stamm einer jungen Esche richten. «Dieser Baum ist auch befallen», sagt Daniel Rigling, Forstpathologe, und zeigt auf die hellbräunliche Wunde am unteren Stammende.
Dieses Exemplar ist keine Ausnahme, befallene Eschen sind heute die Regel. Die sogenannte «Eschenwelke» breitet sich seit 2008 unaufhaltsam in der Alpennordseite aus. In den hiesigen Wäldern stösst ein achtsames Auge sofort auf kranke Eschen, die von der Pilzkrankheit befallen sind. Der Esche war bisher nicht zu helfen, da keine wirksamen Massnahmen zur Bekämpfung existieren. Das Projekt «ControlDieback» möchte dies nun ändern.
Sinnvolle Zusammenarbeit
«Die Lage ist wirklich ernst!» ,betont Rigling, während er mit einem Messer die Rinde entfernt, so dass die Wunde am Stamm noch deutlicher sichtbar wird. Rigling leitet zusammen mit seinem litauischen Kollegen Vaidotas Lygis das Projektteam «ControlDieback». Es handelt sich um eine Zusammenarbeit zwischen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf und dem Nature Research Centre in Litauen. Ziel ist es, ein Mittel zur Bekämpfung der Eschenwelke zu finden.
In den frühen 1990er Jahren wurde in Litauen und Polen die Krankheit erstmals festgestellt. «In Litauen sind im Vergleich zu der Zeit vor Ausbruch der Krankheit rund 40% der Eschen verschwunden» sagt Vaidotas Lygis, der an diesem Tage auch in Birmensdorf weilt. Deshalb macht die Zusammenarbeit auch Sinn, «da in Litauen die Krankheit bereits seit längere Zeit wütet». Darin liegt die Chance, ein Mittel gegen die Eschenwelke zu finden. Das Projektteam erhofft sich, in der Population aus Litauen Pilzviren zu entdecken. Also Viren, welche den Pilz schwächen und so der Esche die Möglichkeit geben, den Pilz abzuwehren.

Solche Viren findet man bevorzugt in Regionen, wo die Krankheit seit längerer Zeit wütet, wie eben in Litauen. Diese Viren könnten dann gezüchtet und ausgesetzt werden. Die gleiche Methode wird bereits beim Kastanienrindenkrebs angewandt und dies mit Erfolg. Ob Selbiges auch bei der Eschenwelke erreicht werden kann, ist noch unsicher. «Wir stehen noch in der Anfangsphase, haben aber bereits solche Viren entdeckt», so Rigling und betont, dass nun genau abgeklärt werden müsse, ob diese auch für die Bekämpfung geeignet seien.
Wichtiger Wissenstransfer
Das Projekt wird mittels der Kohäsionsmilliarde der Schweiz zu Gunsten Litauens finanziert und fördert auch den Wissenstransfer zwischen den beiden Ländern. So arbeitet zurzeit Daiva Burokiené, Mikrobiologin aus Litauen, in der Forschungsanstalt WSL am P.rojekt mit. Der Aufenthalt dauert mehrere Wochen und bringt Einblicke in die Forschungsarbeit in der Schweiz. Das hier übermittelte Wissen kann Burokiené später in ihre Heimat mitnehmen und dort anwenden. «Wir arbeiten sehr viel, aber es ist spannend, es gefällt mir hier», sagt die aufgestellte Mikrobiologin und fügt an «Es wartet noch viel Arbeit auf uns.»
Hoffnung auf geeigneten Pilzvirus
Bis in den Frühling 2016 haben die Forscher noch Zeit. Dann ist das Projektende geplant und man hofft bis dahin einen geeigneten Pilzvirus gefunden zu haben. Die Baumgattung mit dem hohen ökologischen und ökonomischen Wert wird die Forscher die nächsten Jahre weiterhin beschäftigten. Erste konkrete Resultate der Forschungsarbeiten werden in ein bis zwei Jahren erwartet.
Die Gruppe aus Forschern wirft noch einen letzten Blick auf den jungen Baum mit der Wunde am unteren Stammende und macht sich danach auf den Rückweg zur Forschungsanstalt WSL. Dort geht die Arbeit weiter, welche die Rettung für den jungen Baum bedeuten könnte. Bis dahin werden noch viele weitere Bäume der heimtückischen Krankheit zum Opfer fallen. Doch es besteht Hoffnung für die Esche.