Deutlicher hätte die Absage an ein Ruftaxi nicht ausfallen können. Im vergangenen Februar gab der Stadtrat die Ergebnisse einer Prüfung von drei möglichen Varianten für einen solchen Dienst bekannt. Keine davon sei sinnvoll, lautete sein Fazit. Wie nun bekannt wird, sieht dies eine knappe Parlamentsmehrheit anders. 19 der 36 Gemeinderäte setzten ihre Unterschrift unter eine Motion, in welcher sie einen auf ein bis zwei Jahre ausgelegten Probebetrieb eines Ruftaxis verlangen. Eine praxistaugliche und konkrete Vorlage solle zuhanden des Parlaments ausgearbeitet werden.

Reaktion auf Ortsbus-Nein

So würden heute noch immer rund 15 Prozent der städtischen Bevölkerung in Gebieten wohnen, die ungenügend mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen seien. Dies betreffe rund 400 Einwohner im Quartier Schlierenberg, zirka 760 Einwohner im Gebiet um die Kampstrasse, entlang der Lättenstrasse seien weitere 680 Schlieremer betroffen und an der Langackerstrasse deren 800.

«Im Hinblick auf die demografische Entwicklung ist eine gute Anbindung der Aussenquartiere ans Zentrum elementar, damit ältere Personen möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen können», heisst es im Motionstext. Im letzten Jahr erlitt die Ortsbus-Initiative, in der eine Busverbindung zwischen Aussenquartieren und Zentrum verlangt wurde, Schiffbruch an der Urne: 55 Prozent sprachen sich dagegen aus. Mittels Postulat verlangte Gemeinderätin Gaby Niederer (Quartier Verein) anschliessend die Prüfung eines Ruftaxis.

Verbesserung komme ohnehin

Für den Stadtrat war dies aber kein gangbarer Weg, wie aus seinem Bericht hervorging. Einerseits seien die Kosten zu hoch, andererseits stehe eine Angebotsverbesserung bereits kurz bevor. So werde die Buslinie 307 – aktuell verkehrt diese zwischen Bahnhof und Bauhaus – Ende 2017 bis zur Sporthalle Unterrohr und die westliche Lättenstrasse verlängert. Bewohnern der Langackerstrasse und des Spitalquartieres stehe ab 2022 die Limmattalbahn zur Verfügung, was ebenfalls einem besseren Anschluss gleichkomme. Zudem könne auf der Linie der geplanten Uitiker Ortsbusverlängerung allenfalls eine Haltestelle auf Höhe Kampstrasse erstellt werden. Ab Ende 2017 wird die Linie 201 von Uitikon aus ohnehin zum Lilienzentrum und zum Schlieremer Bahnhof verlängert. Eine Haltestelle Kampstrasse läge quasi auf dem Weg.

Nutzer sollen 5 Franken zahlen

Die Motionäre wollen dieses Argument nicht gelten lassen. «Obwohl die künftige Realisierung gewisser stadträtlicher Vorhaben zu einer besseren Erschliessung beitragen würde, gäbe es in Schlieren weiterhin Gebiete, die ungenügend an den öffentlichen Verkehr angebunden sind.» Konkret fordern sie, dass der Stadtrat die zweite der insgesamt drei geprüften Varianten zur Vorlagenreife weiterentwickelt. Darin ist vorgesehen, dass nur Bewohner eines festgelegten Gebiets den Ruftaxi-Dienst in Anspruch nehmen dürfen.

Damit allenfalls mehrere Personen gleichzeitig transportiert werden können, müssten die Nutzer den Dienst rund 30 Minuten im Voraus reservieren. Unter der Annahme, dass der Dienst den Bewohnern des Schlieremer Bergs, der Kampstrasse und der Lättenstrasse zugutekommt, würde dies die Stadt jährlich rund 45 000 Franken kosten. Bei diesen Kosten bleibt es jedoch nur, wenn lediglich zehn Prozent aller möglichen Fahrten auch tatsächlich durchgeführt werden. Steigt dieser Anteil, würden linear dazu auch die Kosten für die Stadt steigen.

Für die 19 Parlamentarier sind diese Kosten keineswegs überrissen, sondern halten sich in einem «überschaubaren Rahmen», schreiben sie in der Motion. Der Kostenanteil für den Benutzerinnen und Benutzer der Dienstleistung sollte fünf Franken pro Fahrt nicht übersteigen. Positiv bewerten sie auch, dass für einen Ruftaxi-Dienst keine baulichen Massnahmen im Strassenraum notwendig sind.