Schlieren
Forderung: Kein eigenes Trassee für Limmattalbahn auf der Spitalstrasse

Eine neue Forderung für die Limmattalbahn an der Spitalstrasse bringt wieder ein altes Thema aufs Tapet.

Bettina Hamilton-Irvine
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Visualisierung Limmattalbahn: Im Schlieremer Spitalquartier regt sich erneut Widerstand gegen die Limmattalbahn.

Visualisierung Limmattalbahn: Im Schlieremer Spitalquartier regt sich erneut Widerstand gegen die Limmattalbahn.

schlieren.ch

Das Schlieremer Spitalquartier ist sozusagen das Epizentrum des Widerstands gegen die Limmattalbahn. Viele der Bewohner bekämpfen die Bahn, der das Zürcher Stimmvolk vor einem Jahr seinen Segen gab, schon seit Jahren. Auch der Verein «Limmattalbahn – so nicht» entstand im Quartier. Präsident ist der SVP-Gemeinderat Thomas Grädel, der zwar selber nicht im Quartier wohnt, aber ein vehementer Gegner der Bahn ist.

Nun richtet Grädel eine neue politische Forderung an den Schlieremer Stadtrat, die das Spitalquartier betrifft. In einem gestern veröffentlichten Postulat bittet Grädel den Stadtrat, zu prüfen, ob es nicht sinnvoller und günstiger wäre, wenn die Limmattalbahn auf der Spitalstrasse im Mischverkehr statt auf eigenem Trassee fahren würde.

Die nun geplante Variante, bei der die Bahn – wie es generell bei 90 Prozent der Strecke der Fall ist – auf einer eigenen Spur fahren würde, führe «zu einer wesentlich grösseren Schneise durch das Wohnquartier», schreibt Grädel: «Dies bedingt grössere Landenteignungen, ist teurer und schürt die Unbill gegen die Limmattalbahn.» Auch müsste man mit der Mischverkehrs-Lösung die Zufahrten zu den Tiefgaragen nicht ändern und weniger Bäume fällen, so Grädel.

Er sei zudem überzeugt, dass die Variante Eigentrassee nicht sicherer sei, sagt er auf Anfrage. Sein Vorstoss ist breit abgestützt: 16 weitere Gemeinderätinnen und Gemeinderäte haben ihn mitunterzeichnet. «Das Postulat wird sicher überwiesen», so Grädel.
Interessant ist der für das Postulat gewählte Zeitpunkt. Denn über die Linienführung im Spitalquartier wurde besonders intensiv vor einigen Jahren gestritten.

Viele der Bewohner hätten sich ein Tunnel bis zum Urdorfer Industriegebiet Luberzen gewünscht. Geplant ist aber, dass die Bahn bei der Haltestelle Reitmen in den 260 Meter langen Färberhüslitunnel einbiegt und danach oberirdisch auf der Spitalstrasse weiterfährt. Die Forderung nach dem längeren Tunnel war aber chancenlos. Einerseits, weil dieser Mehrkosten von 30 Millionen Franken mit sich bringen würde. Andererseits lehnten Planer und Stadtrat eine unterirdische Haltestelle aufgrund des Sicherheitsgefühls der Passagiere ab.

Kurz vor der Plangenehmigung

2014 rief der Stadtrat einen parlamentarischen runden Tisch ins Leben, um eine neue Lösung zu finden. Dieser untersuchte im Spitalquartier verschiedene Optionen und beschloss diverse Anpassungen – unter anderem eine optimierte Tempo-30-Zone. Die Mehrheit des runden Tischs entschied, nicht auf der Tunnelverlängerung zu beharren. Die Projektänderungen wurden danach noch einmal aufgelegt.

Dass nun, zwei Jahre später, die Forderung nach Mischverkehr wieder aufs Tapet kommt, erstaunt Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn. Denn diese Option sei am runden Tisch ebenfalls besprochen, aber wieder verworfen worden. Nun stehe man kurz davor, vom Bund die Plangenehmigungsverfügung – quasi die Baubewilligung für das Projekt – zu erhalten. Danach werde die Bahn gemäss dieser gebaut.

Mischverkehr wäre für die Spitalstrasse nicht undenkbar gewesen, sagt Issler. Aber: «Genau, um alle Optionen zu besprechen, wurde 2014 der runde Tisch einberufen. Und ich bin überzeugt, dass die vorliegende Lösung gut ist.»

«Offen für das Anliegen»

Grädel hingegen betont, der Zeitpunkt für das Postulat sei nicht problematisch. Schliesslich müsse das Bundesamt für Verkehr auch noch über die letzten Einsprachen befinden, von denen einige die Tunnelverlängerung forderten. Sollten diese nicht erfolgreich sein, brauche man eine Alternative. Sympathien für das Anliegen signalisiert auch Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP). «Am runden Tisch haben wir uns darauf geeinigt, dass die Tunnelverlängerung vom Tisch ist», sagt er. Doch müssten Projektanpassungen noch möglich sein: «Der Stadtrat ist offen für das Anliegen.»