Dietikon
Fondli soll neue Reithalle erhalten – doch auch der Gemeinderat hat Mitspracherecht

Voraussichtlich im Herbst entscheidet das Parlament, ob es dem Reitzentrum Fondli den Ausbau ermöglicht.

David Egger
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Vom «Fondli»-Ausbau sollen auch die Pferde profitieren: Die Eigentümer wollen die Pferdeboxen vergrössern, sodass sie die Regeln der neuen Tierschutzverordnung entsprechen.
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Reitsportzentrum Fondli Dietikon
Weil der alte Sandplatz weg muss, entsteht dann ein neuer Sandplatz – etwa dort, wo sich auf dem Bild die Reiterin befindet.
Um die Reithalle bauen zu können, muss die Buchenhecke weg, die an den Sandplatz anschliesst. Ebenso müssen einige Bäume gefällt werden.
Hinter der Hecke liegt die Spreitenbacherstrasse. In Zukunft fährt man hier direkt an der Reithalle vorbei.
Als Ersatzmassnahme werden die Eigentümer weiter oben eine neue Hecke pflanzen (im Vordergrund des Bildes).
Immer mehr Menschen reiten im Fondli, dazu werden die Ansprüche grösser – deshalb wird der Ausbau nötig, sagt der Eigentümer, der Dietiker Landwirt Erich Keller.
Das Dietiker «Fondli» liegt direkt unter dem Bruno-Weber-Park (siehe oben im Hintergrund).
Zudem ist das «Fondli» eingebettet in Familiengärten, die nordwestlich und südöstlich an das «Fondli» anschliessen.
Ob der Ausbau möglich ist, ist noch nicht sicher. Verschiedene Entscheide stehen aus. So wird der Gemeinderat voraussichtlich im Herbst über den Gestaltungsplan abstimmen.
Etwas mehr als 60 Pferde leben im Dietiker «Fondli».
Übrigens: In der neuen Reithalle werden einzig und allein Pferdesportanlässe erlaubt sein. Konzerte, Märkte und anderes untersagt der Gestaltungsplan.

Vom «Fondli»-Ausbau sollen auch die Pferde profitieren: Die Eigentümer wollen die Pferdeboxen vergrössern, sodass sie die Regeln der neuen Tierschutzverordnung entsprechen.

DEG

Mit einer neuen Reithalle wollen die Eigentümer das Dietiker Reitsportzentrum Fondli auf den Stand der Zeit bringen. Konkret soll die neue Halle gut 31 auf 60 Meter gross werden und maximal elf Meter hoch sein. Zu liegen kommt sie dort, wo sich jetzt der 20 mal 60 Meter grosse Sand-Reitplatz befindet. Direkt an die Reithalle anschliessend wird dann ein neuer Sandplatz in der gleichen Grösse gebaut. «Die Zahl der Reiter und deren Ansprüche sind grösser. Darum müssen wir mehr Platz bieten können», sagt der Landwirt Erich Keller, dem das Grundstück gehört. Doch es gibt ein Problem: Das Bauvorhaben steht nicht im Einklang mit der Bauordnung der Stadt Dietikon.

Denn das betreffende Grundstück liegt planungstechnisch in der Erholungszone Sport, höchstens 12 Prozent des Bodens dürfen überbaut werden. Gegen diese Regel würde der neue Bau verstossen. Darum reicht ein normales Baugesuch für die neue Reithalle nicht aus – stattdessen ist ein Gestaltungsplan nötig, über den auch das Parlament abstimmen muss, was voraussichtlich im Herbst der Fall sein wird. Der Plan sieht vor, dass neu 17 Prozent des betroffenen Grundstücks überbaut werden dürfen. Seit Herbst 2014 hat ein Planungsbüro im Auftrag der Eigentümer den Gestaltungsplan erarbeitet, und wurde dabei begleitet durch das Dietiker Stadtplanungsamt.

Drei Einwände gegen den Plan

Gleich drei Einwendungen gingen dann ein, nachdem der fertige Gestaltungsplan im Sommer 2015 aufgelegen ist. Eine Anstösserin, deren Haus sich ebenfalls im künftigen Gebiet des Gestaltungsplans befindet, machte Einbussen in ihrer Wohnqualität geltend.

Als Grund dafür gab sie Lärm und Gerüche an, die vom vergrösserten Reitsportzentrum – respektive den Pferden – zu erwarten sind. Die Grundeigentümer haben ihr nun zugesichert, dass keines der Gebäude, das an das Grundstück der Anstösserin anschliesst, in ihre Richtung ausgebaut wird. «Ursprünglich war geplant, dass die Baufelder etwas näher an das Grundstück der Anstösserin grenzen als jetzt», bestätigt Erich Keller.

Der Verkehr machte zudem weitere Verhandlungen nötig: Die Dietiker Baukommission verlangte im Vorfeld, dass der Gestaltungsplan Angaben über das Verkehrsaufkommen und das Parkieren der Fahrzeuge machen müsse. Denn die Reitsportanlässe könnten in Zukunft etwas grösser werden und entsprechend noch mehr Verkehr mit sich bringen. Darauf wiesen die Sicherheitsabteilung der Stadt sowie die Gemeinde Spreitenbach hin, deren Gemeindegebiet direkt an die Reitanlage grenzt.

Bei der Überarbeitung der Pläne wurde nun entschieden, die Angaben zur Parkierung ganz aus dem Gestaltungsplan zu streichen. Stattdessen seien die Einzelheiten der Parkierung während gut besuchten Reitsportanlässen «im Einzelfall im Rahmen des polizeilichen Bewilligungsverfahrens zusammen mit der Stadt zu klären». Für Grundstückseigentümer Erich Keller geht das in Ordnung: «Wir arbeiten schon jetzt mit der Stadt zusammen und mieten bei Schlechtwetter die Parkplätze bei der Stadthalle, sofern dort keine Veranstaltung ansteht.» Bei gutem Wetter parkieren die Autofahrer jeweils auf einer von Landwirt Keller genutzten Wiese.

Nur Reitsportanlässe erlaubt

Eine weitere Auflage des Gestaltungsplans lautet, dass in der neuen Reithalle ausser Reitsportanlässen keine weiteren Anlässe erlaubt sind. Erich Keller hätte es zwar bevorzugt, wenn das möglich wäre: «Aber so wichtig ist das nicht. Die Reitanlage ist so oft belegt, dass andere Anlässe wie zum Beispiel Konzerte und Märkte sowieso nur schwer möglich wären.» Dafür erhofft sich Keller, dass die Reitanlässe wieder mehr Leute anziehen. Denn die Springkonkurrenz Dietikon habe zuletzt mit einem Anmeldeschwund gekämpft: «Viele Reiter sind nicht mehr bereit, an einer Springkonkurrenz zu starten, deren Austragungsort die neusten Bedingungen nicht mehr erfüllt.»

Noch viele Schritte bis zum Bau

Auch der Naturschutz ist Teil des Gestaltungsplans: Um die Reithalle zu bauen, werden die Buchenhecke zwischen Sandplatz und Spreitenbacherstrasse sowie einzelne Bäume entfernt. Als Ersatzmassnahme pflanzen die Eigentümer eine neue Hecke oberhalb der Reitanlage. Weiter ist geplant, den Pferden mehr Platz zu bieten (siehe Box unten). Nach der Genehmigung des Gestaltungsplans durch den Gemeinderat müssen die Fristen für Einsprachen und ein allfälliges Referendum abgewartet werden und die Zürcher Baudirektion muss ihr Okay geben. Dann kann Keller das Baugesuch einreichen. Seine Frau Charlotte, die für die SVP im Dietiker Gemeinderat politisiert, versichert auf Anfrage, dass sie bei der entsprechenden Abstimmung in den Ausstand treten wird.

Nicht alle Pferdeboxen erfüllen die neuen Regeln

Auch grössere Pferdeboxen wollen die «Fondli»-Eigentümer, da die Schweizer Tierschutzverordnung dies seit 2008 verlangt. Die obligatorische Mindestfläche ist abhängig von der Grösse des Tieres und beträgt zwischen 5,5 Quadratmetern für die kleinsten Ponys und 12 Quadratmeter für die grössten Pferde. Trotz der neuen Regeln sind auch kleinere Pferdeboxen erlaubt, wenn sie vor 2008 erstellt wurden. Ein Teil der 68 Boxen im «Fondli» erfüllt bloss die alten Masse, die noch geduldet werden. Nach dem Ausbau sollen sie hingegen die vom Gesetzgeber verlangten Masse übertreffen. «Das Wohl der Tiere macht einen grossen Teil des Ausbaus aus», sagt Eigentümer Erich Keller.