Dietikon

Förderung privater Tagesschulen: Die Stadt sieht sich nicht in der Pflicht

«Auch unter dem Gesichtspunkt der Förderung der Standortattraktivität wäre es interessant, den Markt für private Tagesschulen zu öffnen», sagt Michael Segrada, Dietiker FDP-Gemeinderat. (Symbolbild)

«Auch unter dem Gesichtspunkt der Förderung der Standortattraktivität wäre es interessant, den Markt für private Tagesschulen zu öffnen», sagt Michael Segrada, Dietiker FDP-Gemeinderat. (Symbolbild)

Dem Vorstoss eines FDP-Parlamentariers, private Tagesschulen in Dietikon zu fördern, hat der Stadtrat eine Absage erteilt.

Auf wenig Gegenliebe bei der Stadt stiess das Ansinnen des FDP-Parlamentariers Michael Segrada, die Einrichtung privater Tagesschulen in Dietikon zu fördern. Der Stadtrat erkennt nicht nur keinen Bedarf dafür, er erachtet das auch nicht als seine Aufgabe. «Es ist in erster Linie das Ziel, die öffentlichen Schulen zu stärken und Rahmenbedingungen für den Unterricht zu schaffen, damit Kinder gezielt und optimal gefördert werden und möglichst leistungsfähig in die Arbeitswelt sowie weitergehende Schulen eintreten können», heisst es in der Beantwortung der Segrada-Interpellation.

Dieser wollte einen neuen Weg in Sachen Schulraumplanung finden. Die Schule Dietikon platze aus allen Nähten, Schulraum sei kaum vorhanden. «Unter diesen Umständen und auch unter dem Gesichtspunkt der Förderung der Standortattraktivität wäre es interessant, den Markt für private Tagesschulen zu öffnen», so Segrada. Für alle berufstätigen Personen seien Tagesschulen eine Entlastung. Dort wüssten sie ihre Kinder betreut und beaufsichtigt. Ausserdem sei an privaten Tagesschulen auch das Potenzial für Lernfortschritte gross, da auf individuelle Lern- und Betreuungsbedürfnisse der Kinder gezielt eingegangen werden könne.

Englische Schule eingestellt

Der Stadtrat verweist hingegen auf Erfahrungen mit einer englischsprachigen Schule in Schlieren, die auch als Tagesschule geführt wurde. Sie 2010 ins Limmattal zu holen sei mithilfe der Standortförderung Limmattal gelungen. Nach einigen Jahren sei der Betrieb aber eingestellt und mit der Schule in Wallisellen zusammengeführt worden. «Eine private Tagesschule wird sich in einer Gemeinde niederlassen, wenn die entsprechende Nachfrage vorhanden ist», so die Stadt. Es sei nicht ihre Aufgabe, die Nachfrage für private Tagesschulen zu prüfen.

Ganz abgeneigt zeigte sich die Stadt dem Thema gegenüber aber nicht. «Betreuungsangebote, die der Vereinbarkeit von Beruf und Familie dienen, steigern die Attraktivität des Standortes Dietikon», pflichtet sie bei. In den letzten zehn Jahren seien zusätzliche Plätze vor allem in privaten Krippen geschaffen worden. Zudem biete die Schule familienergänzende Betreuung über den Mittag und zu Randzeiten morgens und abends an, ausserdem sei die Anzahl der Hortplätze schrittweise der Nachfrage angepasst worden.

Auch die Schulpflege befasst sich mit der Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zur Feststellung des Bedarfes an Tagesschulen beschloss sie im April, kurz nachdem Segradas Interpellation bei der Stadt einging, dass sie mithilfe einer externen Fachstelle prüft, ob und wie Tagesschulen in Dietikon in das pädagogische Angebot aufgenommen werden können. Der Stadtrat ist auf Anfrage ausserdem bereit, Private, die eine Tagesschule in Dietikon eröffnen wollen, zu unterstützen, insbesondere bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten.

Aber: «Letztlich entscheiden die Eltern, ob ihre Kinder in eine private oder öffentliche Schule gehen», so die Stadt. Familien, die finanziell in sehr guten Verhältnissen lebten, seien eher bereit, für solch eine Einrichtung zu bezahlen. Zwar peile die Stadt an, attraktiver für Familien mit einem finanziell stärkeren Hintergrund zu werden. Dieser Prozess benötige aber Zeit.

70 Millionen mehr für Tagesschulen?

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An 25 statt 6 Schulen sollen Kinder ab 2025 auch den Mittag verbringen können. 2018 stimmt die Schweiz über eine entsprechende Vorlage ab.

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