Dübendorf

Flugplatzgemeinden machen Druck: «Wir wollen keine vierte Piste von Kloten»

Flugplatz Dübendorf: Das weitläufige Areal mitten im Siedlungsgebiet weckt schwer vereinbare Begehrlichkeiten. Bild: Matthias Scharrer

Flugplatz Dübendorf: Das weitläufige Areal mitten im Siedlungsgebiet weckt schwer vereinbare Begehrlichkeiten. Bild: Matthias Scharrer

Zwar hat der Bund längst entschieden, was aus dem Flugplatz Dübendorf werden soll, doch die Anrainergemeinden geben nicht auf.

Neue Runde im Streit um die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf: am Montag weibelten Präsidenten der Anrainergemeinden und ein Investor an einer Informationsveranstaltung vor Kantonsräten im Zürcher Rathaus. Zwar hat der Bundesrat als Besitzer schon 2014 entschieden, dass der alte Militärflugplatz künftig vermehrt für die Zivilluftfahrt genutzt werden soll. Doch die Gemeindevertreter sowie die Nomad Technics AG hoffen nun auf neue Mehrheiten in den Parlamenten auf Bundes- und Kantonsebene.

«Wir wollen keine vierte Piste von Kloten», sagte André Ingold (SVP), Stadtpräsident von Dübendorf. Er wehrte sich gegen die Pläne des Bundes, auf dem Flugplatz Dübendorf vermehrt auch Privat- und Sportfliegerei zuzulassen und dadurch den Flughafen Zürich in Kloten zu entlasten.

Stattdessen solle der heutige Nutzungsmix auf dem Flugplatz Dübendorf aufrechterhalten und weiterentwickelt werden, so Ingold. Das Konzept der Anrainergemeinden sieht Rettungsflüge, historische Flugzeuge, Militärflüge, Werkflüge und Flüge in Zusammenhang mit dem geplanten Innovationspark vor. Die Gemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen würden dafür jährlich 1,3 Millionen als Betriebsbeitrag beisteuern. Die Stimmberechtigten der Gemeinden stimmten diesem Konzept 2017 zu.

Als Investor steht die Nomad Technics AG bereit. Die jetzt in Basel tätige Firma baut und renoviert Flugzeuge und würde 30 Millionen Franken in den Standort Dübendorf investieren, wie ihr Vorstandsvorsitzender Heinz Köhli vor Kantonsräten im Rathaus sagte. Ein Hangar in Dübendorf solle künftig von Nomad Technics AG genutzt werden. In einem ersten Schritt würden 70 Arbeitsplätze entstehen; längerfristig wären bis zu 300 Arbeitsplätze möglich. «Unser Konzept bringt wenig Lärm und viel Beschäftigung», sagte Köhli. Er ist Verwaltungsratspräsident der 2018 gegründeten Werkflugplatz Dübendorf AG. Daran beteiligt sind als Aktionäre die Stadt Dübendorf, die Nomad Technics AG, der Verein Freunde der Schweizerischen Luftwaffe und die Junkers Flugzeugwerke AG.

Innovationspark-Kredit als Ansatzpunkt

Aktuell steht im Kantonsrat die Beratung eines Kredits von 217 Millionen Franken für die Entwicklung eines Innovationsparks auf dem Dübendorfer Flugplatzareal bevor. Die Anrainergemeinden hoffen, dabei Einfluss auf die künftige Entwicklung des Flugplatzes nehmen zu können: «Der Kantonsrat kann im Zusammenhang mit dem Innovationspark klare Aufträge erteilen», sagte Ingold.

SVP-Kantonsräte reagierten skeptisch: «Ohne Business-Aviation werdet ihr nie einen rentablen Flugplatzbetrieb hinkriegen», meinte Christian Lucek. Zudem sei es nicht Aufgabe der Gemeinden, für eine private Firma wie Nomad Technics AG eine Defizitgarantie zu geben. «Der Bund wird nie seine Einwilligung zum Projekt der Anrainergemeinden geben», doppelte Orlando Wyss nach, der auch im Dübendorfer Gemeinderat sitzt.

«Warten wir’s mal ab», entgegnete Jean-Philippe Pinto, CVP-Kantonsrat und Volketswiler Gemeindepräsident. Der am Rande des Flugplatzes geplante Innovationspark lasse sich mit einer intensiven Zivilluftfahrt nebenan nicht betreiben. Schliesslich sei im Innovationspark auch Drohnenforschung geplant.

SP-Kantonsrat Ruedi Lais nannte es ein «wahrscheinliches Szenario», dass der Flughafen Zürich den Flugplatz Dübendorf übernehme. Eine Schlüsselrolle könne dabei der Zürcher Regierungsrat einnehmen, der im Verwaltungsrat der Flughafen Zürich AG eine Sperrminorität hat. Der Regierungsrat hielt zuletzt in einer Stellungnahme zum Sachplan Infrastruktur Luftfahrt des Bundes fest, dass die Entwicklung des Innovationsparks durch die Fliegerei nicht beeinträchtigt werden dürfe. Kloten habe als Standort für die Zivilluftfahrt weiterhin Priorität.

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