Sie sind vor Krieg und Gewalt in Syrien, Afghanistan und Eritrea geflüchtet, zwischen 20 und Anfang 30 – und hätten sich noch vor einigen Monaten wohl nicht träumen lassen, dass sie in der Schweiz eine Lehre machen können. Doch seit dem 22. August tun sie genau das: Neun junge Flüchtlinge haben bei der Dietiker Transportfirma Planzer eine einjährige Integrationsvorlehre als Logistiker angefangen.

Es ist eine Lehre, die es zuvor noch gar nicht gab. Das Familienunternehmen Planzer beschloss im letzten Herbst, etwas zur Integration von Flüchtlingen beizutragen und damit auch soziale Verantwortung wahrzunehmen. Als die Firma ankündigte, Flüchtlinge ausbilden zu wollen, erregte sie damit weit mehr Aufsehen, als die Verantwortlichen sich vorgestellt hatten. Es gab viel Lob, aber auch harsche Kritik. Manch einer hatte Angst, die Flüchtlinge würden ihm die Arbeit wegnehmen – auch wenn Planzer von Anfang an betont hatte, kein Flüchtling werde einer anderen Person den Job streitig machen: Man werde die Lehrstellen zusätzlich schaffen. Planzer bildet aktuell bereits 240 Lernende aus.

Nun ist das Projekt also mit dem ersten Jahrgang der auszubildenden Flüchtlinge angelaufen – und die Verantwortlichen sind zufrieden. «Sehr, sehr positiv» seien die ersten Reaktionen ausgefallen – und zwar auf beiden Seiten, sagt Severin Baer, Teilhaber und Geschäftsleitungsmitglied bei Planzer, bei einem Gespräch am Dietiker Hauptsitz der Firma. Die Flüchtlinge seien «happy, sehr bemüht, höflich und engagiert, sagt er. Und die Ausbildner seien des Lobes voll: «Alle sind hell begeistert. Ich habe noch nichts Schlechtes gehört.»

Danach eine reguläre Lehre

Das Ziel ist, dass die neun Männer, die nun in Dietikon, Embrach, Zürich und Villmergen stationiert sind, in einem Jahr bereit sind, eine reguläre Logistikerlehre zu beginnen. Und zwar nicht zwingend bei Planzer, sondern irgendwo. «Das ist uns ganz wichtig», sagt Baer, der betont, es sei nie darum gegangen, bloss für die eigene Firma Arbeitskräfte auszubilden. «Wir wollen, dass die Flüchtlinge danach nicht einfach ein Planzer-Papier in der Hand haben, sondern ein anerkanntes Diplom.» Dieses wird ihnen von der Schweizerischen Vereinigung für Berufsbildung in der Logistik ausgestellt werden, mit der Planzer zusammenarbeitet.

Involviert in die Schaffung der neuen Ausbildung war auch das Zürcher Mittelschul- und Berufsbildungsamt. Es hat gemeinsam mit Planzer die Rahmenbedingungen und Anforderungen der Lehre definiert, die sich an anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen richtet, deren Deutschkenntnisse mindestens auf Level A2 sind. Zwei Tage pro Woche gehen die neuen Planzer-Lehrlinge nun in Zürich in die Schule und werden dort in die Bereiche Beruf, Bildung und Gesellschaft eingeführt. Wichtig war Planzer auch, dass die Flüchtlinge die Begrifflichkeiten lernen, die sie in ihrem Berufsumfeld brauchen. Zwar sei ihr Deutsch erstaunlich gut, sagt Baer. «Aber es ist zentral, dass sie auch sprachlich mit der Welt der Logistik vertraut werden.»

Auch für andere Unternehmen

Planzer begrüsst es explizit, dass das erarbeitete Ausbildungsprogramm danach auch anderen interessierten Unternehmen zur Verfügung gestellt werden soll. Denn zuvor gab es im Kanton Zürich noch keine Integrationslehre im Bereich Transport und Logistik. Etwas Vergleichbares existiert erst in der Automobil- und Gebäudetechnik und in der Gastronomie.