Oberengstringen
Fledermäuse erobern im Werdhölzli ihren Auenwald mit Hilfe zurück

Nachdem kranke Bäume gefällt werden mussten, installierte der Kanton Kästen für Fledermäuse – ein voller Erfolg, denn obwohl es bis zu zehn Jahre gehen kann, bis Fledermäuse ein Domizil beziehen, dauerte es hier nur wenige Wochen.

Alex Rudolf
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Im Auenwald gesichtet: Eine Fledermaus, die dabei ist, ihren Kasten zu verlassen.

Im Auenwald gesichtet: Eine Fledermaus, die dabei ist, ihren Kasten zu verlassen.

Tobias Liechti

Der Apéro zur Einweihung des renaturierten Limmat-Auenparks Werdhölzli im September 2013 war in vollem Gang, als Hans-Peter Stutz’ Telefon klingelte. Die Freude des Geschäftsführers der Stiftung Fledermausschutz über die gefeierten Renaturierungsmassnahmen wurde getrübt. Am anderen Ende der Leitung verkündete ihm der Oberengstringer Förster, dass er beim Fällen leider einen Baum mit Fledermaushöhle erwischt habe. «Glücklicherweise war Regierungsrat Markus Kägi, ebenfalls ein Fledermaus-Fan, auch an der Feier», so Stutz. Den SVP-Magistraten habe er gleich dafür begeistern können, für Ersatz zu sorgen.

Fledermäuse blickten einer düsteren Zukunft entgegen, als die Gemeinde Oberengstringen und Grün Stadt Zürich eine Vielzahl von Bäumen der Allee bei der Hardwiese und beim Reitplatz fällen mussten. Obwohl die Bäume alt und krank waren, boten sie auch ein Zuhause für viele Abendsegler, die am weitesten verbreitete Art beim Werdhölzli.

Im darauffolgenden Sommer 2014 wurden die insgesamt zehn Fledermauskästen installiert. Sechs im Auenwald und deren vier in der Nähe der Hardwiese boten den Abendseglern in der Region von nun an ein neues Zuhause. Mehr als 20 Tiere finden in einer Box Platz.

Lage ideal für Insektenjagd

Das Spezielle daran sei, dass die Fledermäuse die Boxen bereits nach wenigen Wochen rege genutzt hätten, so Stutz. Dies führt er darauf zurück, dass der Erlebnissteg, entlang dessen die Kästen angebracht sind, eine neue, ideale Flugroute für die Insektenjagd bietet. «Andererseits ist im Herbst diejenige Zeit, in der die Männchen um die Weibchen balzen. Dafür suchen sie sich einen Unterschlupf, der möglichst viele Weibchen anlockt», erklärt er. In einem optimalen Jagdrevier seien die Männchen daher gut bedient.

Lea Morf, Fledermausschutz-Beauftragte im Auftrag der kantonalen Fachstelle Naturschutz, ist hocherfreut, dass die Abendsegler die Kästen so schnell als ihr neues Zuhause akzeptiert haben. «In anderen Fällen, beispielsweise bei den Fledermauskästen im Hönggerwald, vergingen bis zu zehn Jahre, bis sich die Tiere darin ansiedelten», sagt sie. Die Gründe dafür seien vielfältig. Einerseits könne es lange dauern, bis Fledermäuse die Hängemöglichkeit entdecken. Andererseits müsse auch das Mikroklima im Kasten perfekt stimmen.

Hier habe man mit den Abendseglern einen Vorteil, da diese nicht hier in der Schweiz, sondern in den nördlichen Teilen Europas ihre Jungen aufziehen. «In den Kästen halten sich daher während des Sommers nur Männchen auf, und deren Ansprüche ans Mikroklima eines Fledermauskastens sind tiefer als diejenigen der Weibchen mit ihren Jungen», so Morf. Auch sie bezeichnet die Fledermauskästen im Auenwald als veritable Hot-Spots.

Mit Batdetector wird kontrolliert

Nun begibt sich eine ehrenamtliche Kontrolleurin in sporadischen Abständen auf Fledermaus-Tour. In der Abenddämmerung zählt sie im Auenwald die Anzahl Fledermäuse, die ihre Schlafstelle für die nächtliche Jagd verlassen. «Anhand eines sogenannten Batdetectors, mit dem sie ausgerüstet ist, können zudem die Ultraschallrufe der Tiere aufgezeichnet werden», so Morf. In Zusammenhang mit dem Aussehen der Fledermäuse und deren Jagdverhalten könnten damit unter anderem Rückschlüsse auf die Art des Tiers gezogen werden.

Erst diese Woche machte die Betreuerin der Fledermaus-Kästen jedoch eine unangenehme Entdeckung. «Kohlmeisen liessen sich in den Kästen nieder und brüten dort», so Morf. Es bleibe zu hoffen, dass das Brutgeschäft der Kohlmeisen bald wieder vorbei ist und sie die Kästen wieder für die Fledermäuse freigeben.

Fledermaus-Rufe per App hören

In der Schweiz sind Fledermäuse bundesrechtlich geschützt. Dies, weil die rund 30 hier ansässigen Fledermausarten bedroht sind. Pestizide und die immer selteneren Möglichkeiten für Unterschlüpfe machen ihnen zu schaffen. Die Stiftung Fledermausschutz setzt sich im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt für die Flattertiere ein. Beispielsweise mit dem Nottelefon, wo sich Menschen melden können, die ein verletztes Tier gefunden haben und nicht weiterwissen. Mit einer App informiert der Fledermausschutz über die Säugetiere. Darin finden sich Bilder und Videos der Tiere sowie Audioaufnahmen von den Jagdrufen der Tiere, die üblicherweise für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind.
Wer Fledermäuse selber erleben will, dem empfiehlt die Stiftung Fledermausschutz zwei Hotspots im Limmattal. Einerseits das Schulhaus Allmend in Oberengstringen, wo sich Abendsegler in den Storenkästen verkriechen, und andererseits der Auenpark Werdhölzli direkt an der Limmat. (aru)

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