Sie wurde unter anderen mit dem Anne-Frank-Preis ausgezeichnet, dem Trudi-Schlatter-Preis, hat das Ehrenbürgerrecht der Berner Gemeinde Schangnau erhalten. Gestern Abend konnte die Emmentaler Entwicklungshelferin Elizabeth Neuenschwander in Bergdietikon eine weitere Auszeichnung entgegennehmen. In der Kunstgalerie Bachlechner erhielt sie von Herta Margarete und Sandor Habsburg-Lothringen die «Flamme des Friedens» überreicht. Der gleichnamige Verein, der von der österreichischen Adelsfamilie gegründet wurde, ehrt damit Personen und Organisationen, die sich für eine bessere Welt engagieren.

«Es ist natürlich schön, für die geleistete Arbeit eine solche Auszeichnung zu erhalten», sagt Elizabeth Neuenschwander im Gespräch vor dem Anlass. «Die Arbeit», das ist in Elizabeth Neuenschwanders Fall ein Lebenswerk. Den Grossteil ihres 86 Jahre langen Lebens hat sie sich für die Ärmsten dieser Welt eingesetzt.

Nähen für ein besseres Leben

Als Mitarbeiterin der UNO, der schweizerischen Entwicklungshilfe (Deza) und des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) war sie in zahlreichen Ländern wie Israel, Nepal, Indien oder Nigeria tätig. Nach ihrer Pensionierung hat Neuenschwander in Afghanistan und Pakistan eigene Entwicklungsprojekte aufgebaut: Neben Grundschulen baute sie in Kabul auch ein Bildungscenter auf. Junge Afghaninnen lernen dort zu nähen, werden aber auch in Lebenskunde, Gesundheitspflege und Familienfragen unterwiesen. Nach Abschluss des Trainings erhalten die Frauen eine eigene Nähmaschine und damit die Basis für ein selbstständiges Einkommen.

«Mit Nähmaschinen gegen Armut», lautet auch das Motto des Projekts. Die 1929 in Schangnau geborene Dame mit dem grossen Herz hatte als junge Frau selber das Handwerk der Damenschneiderin gelernt. In wenigen Tagen fliegt sie nach Kabul, um bei ihren Projekten nach dem Rechten zu sehen. «Früher bin ich dreimal im Jahr gegangen», erzählt sie. Wegen eines Schenkelhalsbruches beschränkt sie sich dieses Jahr auf «lediglich» eine Visite. «Ich habe zurzeit nicht genug Kraft, um weite Distanzen zu gehen», sagt Neuenschwander, um gleich anzufügen: «Aber mit Stöcken geht es.» So einfach lässt sich diese Frau, die seit Jahrzehnten in unwirtlichen Gegenden dieser Welt der Armut hartnäckig die Stirn bietet, nicht von körperlichen Schwächen einschränken.

Neben Neuenschwander wurde in Bergdietikon auch dem jungen Oltner David Scherrer und seiner Mutter Emmely eine «Flamme des Friedens» überreicht. Sie betreiben im indischen Bangalore eine Schule für Slumkinder.