Vorhänge aus Kambodscha
Firma aus Oberengstringen schafft faire Bedingungen für Näherinnen

Die Firma von Ruth Meyer betont die guten Arbeitsbedingungen, die sie streng überwacht. Die Nachhaltigkeit der Stoffe sei aber ein anderes Thema.

Julia Wartmann
Merken
Drucken
Teilen
Faire Vorhänge aus Kambodscha
4 Bilder
Menschenwürdige Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein gesundes Arbeitsumfeld sind unerlässlich, damit ein gutes Produkt auch komplett zu überzeugen weiss.
Schöne Vorhänge, gutes Gewissen inbegriffen.
Ruth Meyer will für die Arbeiterinnen gute Bedingungen schaffen.

Faire Vorhänge aus Kambodscha

zvg

Faire Löhne und ein von Wertschätzung geprägter Umgang mit ihren kambodschanischen Partnerinnen stehen für Ruth Meyer, Initiantin von J-Glory Curtains, an erster Stelle. Die in Oberengstringen domizilierte Firma verkauft Vorhänge, die sie in Asien herstellen lässt. Meyers Vision ist es, Menschen in Kambodscha eine Existenzgrundlage zu geben, indem sie eine gut bezahlte Arbeit unter guten Bedingungen erhalten.

Dazu gehören menschenwürdige Arbeitszeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten und ein gesundes Arbeitsumfeld, sagt Meyer. Auf der Website der Firma können Kunden Vorhänge bestellen, die kambodschanische Näherinnen dann herstellen.

Die Aufträge werden von der Schneiderei «Glory Uniform Tailor» in Phnom Penh ausgeführt, die im Rahmen eines Projekts der lokalen Nichtregierungsorganisation «Vocational Training Centre Cambodia» jungen Kambodschanern Ausbildungsplätze anbietet. Von den insgesamt 15 Angestellten der Schneiderei nähen 2 junge Frauen die Vorhänge für J-Glory.

Die beiden Schneiderinnen arbeiten von zu Hause aus, was es ihnen erlaubt, gleichzeitig auf ihre kleinen Kinder aufzupassen. Sie werden pro produzierten Vorhang bezahlt. Die genaue Höhe des Lohns wollte Meyer nicht preisgeben. Er sei aber eineinhalb bis zwei Mal so hoch wie der von der Bevölkerung geforderte Mindestlohn von 160 US-Dollar im Monat, sagt sie. Dies natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die Näherinnen in einem Pensum von hundert Prozent arbeiteten.

In vielen asiatischen Ländern sind die Arbeitsbedingungen immer noch unzumutbar – vor allem in der Textilindustrie. Achtzigstundenwochen, Kinderarbeit und ungenügende Sicherheitsvorschriften sind vielerorts Realität. Deshalb habe sich ihr Unternehmen bis jetzt hauptsächlich auf die Menschen konzentriert, sagt Meyer.

In Bezug auf die Nachhaltigkeit der Stoffproduktion sieht sie jedoch noch Verbesserungspotenzial. Sie suche immer wieder nach Firmen, die fair produzierte Stoffe verkaufen. Oft seien diese Stoffe jedoch von der Farbe und Beschaffung her nicht ansprechend. «Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns, bis wir in allen Aspekten für Nachhaltigkeit gesorgt haben», sagt sie.

Auch beim Transport der Stoffe innerhalb Asiens und in die Schweiz achte sie darauf, Transporteure zu beschäftigen, die versprechen, faire Löhne zu bezahlen. Es sei jedoch nicht einfach, zu kontrollieren, ob sich diese Unternehmen tatsächlich an die Richtlinien halten. Sie betont: «Wo wir Einfluss nehmen können, schaffen wir faire Bedingungen.»

Auf der Website von J-Glory stehen den Kunden verschiedene Vorhangtypen zur Auswahl, die sie je nach Bedürfnis mit Stoffmustern kombinieren können. Die verwendeten Stoffe kauft Meyer mehrheitlich in Thailand ein. «Der westliche Geschmack unterscheidet sich wesentlich vom kambodschanischen, deshalb suchen wir die Stoffe selbst aus», sagt Meyer.

Während Vorhänge in Kambodscha vor allem dem Sichtschutz dienen und deshalb dunkle Farben und dicke Stoffe bevorzugt werden, mögen viele Schweizer ihre Häuser lichtdurchflutet. Kräftige Farbtupfer auf zartem Hintergrund seien im Moment besonders beliebt, sagt Meyer. Nun soll das bestehende Angebot um Kissenbezüge erweitert werden, weshalb Meyers seit Beginn des Projekts im September 2014 bereits zweimal nach Kambodscha gereist sind.

J-Glory ist kein Hilfsprojekt, sondern ein profitorientiertes Unternehmen. Deshalb stammen die Kunden von J-Glory auch aus der Schweiz, wo der Absatzmarkt grösser ist als in Kambodscha. Im Gegensatz zu lokalen Hilfsprojekten im Textilbereich soll das Unternehmen nicht von Spenden abhängig sein.

Bei der Firma J-Glory – die Bezeichnung ist eine Kombination des Namens der Partner-Schneiderei mit dem englischen Wort «join» (sich verbinden) – wird hauptsächlich per E-Mail und auf Englisch kommuniziert. Seitdem ihre Schwester, die seit sechs Jahren als Lehrerin in Kambodscha tätig ist und die Landessprache Khmer fliessend spricht, wieder in Phnom Penh lebt, kann sie als Vermittlerin agieren.

Dies erleichtere die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen von «Glory Uniform Tailor», sagt sie. Ruth Meyer und ihr Mann denken aber auch über den Internetverkauf hinaus und planen die Zusammenarbeit mit einem Geschäft der Umgebung, das die Vorhänge ins Sortiment aufnehmen würde.