Schlieren

Finanzvorsteherin Stiefel: «Das Zentrum lässt sich nicht leise beleben»

Der Salmensaal wurde in eine Weltraumatmosphäre gehüllt.

Der Salmensaal wurde in eine Weltraumatmosphäre gehüllt.

Trotz Gegenwehr von SP, Quartierverein und CVP erzielte die Idee Stadtsaal im Schlieremer Gemeinderat ein Glanzresultat.

Mit überwältigender Mehrheit von 23 zu 6 Stimmen sprach das Schlieremer Gemeindeparlament einen Kredit für den Architekturwettbewerb eines neuen Stadtsaals. Dem eindeutigen Ergebnis von gestern Abend ging jedoch eine rund einstündige Ratsdebatte voran. Darin regte sich vorwiegend aus den Reihen der SP, CVP und des Quartiervereins grosser Widerstand.


Westlich des künftigen Stadtplatzes mit Haltestelle der Limmattalbahn und Flügeldach will der Stadtrat auf dem sogenannten Kulturplatz eine Stadthalle mit total 600 bis 750 Sitzplätzen und einer Tiefgarage mit 90 Parkplätzen erstellen. Dafür beantragte er dem Stadtparlament einen Kredit in der Höhe von knapp 900 000 Franken für die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs. Für das konkrete Projekt geht die Stadt von Investitionen von rund 35 Millionen Franken aus, die zu 100 Prozent von Dritten finanziert werden sollen, sowie knapp 1,2 Millionen jährlichen Folgekosten für die Stadt.


Und genau bei den Kosten orteten viele Parlamentarier das Hauptproblem. Sarah Impusino (CVP) verwies darauf, dass sich die Stadt ein solches Projekt nicht leisten könne: «Warum mietet die Stadt nicht den Saal in der NZZ-Druckerei? Dies würde günstiger kommen.»
Die NZZ-Druckerei komme nicht infrage, erwiderte Hans-Ulrich Etter (SVP) von der befürwortenden Mehrheit der Rechnungsprüfungskommission (RPK), da Abklärungen ergeben hätten, dass man sich dort eher Ärzte- und Pharmakongresse wünsche und ein Catering-Obligatorium bestehe. «Diese Lokalität ist nicht auf Vereinsanlässe ausgerichtet», so Etter. Für ihn stand zudem fest: «Nutzen wir die Chance nicht jetzt, ist ein Stadtsaal im Zentrum auf unbestimmte Zeit vom Tisch.»


Thomas Widmer (Quartierverein), Sprecher der RPK-Minderheit, verwies darauf, dass man nicht grundsätzlich gegen einen Stadtsaal sei. Doch: «Die Bevölkerung hat die Nase voll davon, dass so viel überbaut und somit verdichtet wird.» Walter Jucker (SP) bemerkte, dass mit so viel Geld weitaus Sinnvolleres gemacht werden könne und Boris Steffen (SVP) verwies darauf, dass die Vorlage in seiner Partei umstritten sei. Für die Anbindung des Baus an den motorisierten Individualverkehr und für die Reduktion der Lärmbelastung brauche es im Rahmen des Wettbewerbs noch Lösungen.


«Es ist peinlich»
Dezidiert für das Projekt waren die Freisinnigen und die Grünliberalen. John Daniels (FDP) sah die Notwendigkeit des Saals als nachgewiesen: «Es ist peinlich, wenn ein Bundesrat nach Schlieren kommt und sich in einem Raum für 100 Personen mit 200 Personen unterhalten muss», so Daniels. Ein neuer Stadtsaal sei eine notwendige Bereicherung und werde Strahlkraft über die Stadtgrenzen Schlierens haben, sagte Andreas Kriesi von der GLP.
Jürg Naumann (Quartierverein) stellte einen Rückweisungsantrag mit dem Verweis darauf, dass er sich eine Mantelnutzung wünsche und zusätzliche Räume der Verwaltung im Gebäude untergebracht werden sollten.


Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) konterte Naumanns Antrag trocken: So sei es nicht zu spät, Wünsche anzubringen. «Ob wir eine zusätzliche Mantelnutzung oder Räume der Verwaltung im Stadtsaal unterbringen, erhöht den Kredit für den Architekturwettbewerb nicht», so Stiefel. Mit 25 zu 5 Stimmen wurde Naumanns Antrag abgelehnt.
Zur Lärm-Kritik sagte Stiefel: « Ein Zentrum lässt sich nicht leise beleben. Hier braucht es Mut.» Und einen Stadtsaal gebe es nicht gratis. «Er wird uns Jahr für Jahr Geld kosten.»
Bereits in einem Studienauftrag aus dem Jahr 2005 war vorgesehen, dass das Zentrum mit einer Stadthalle versehen werden sollte. Auch die Arbeitsgruppe «Zentrumsentwicklung» erachtete in ihrem Umsetzungskonzept und in der Machbarkeitsstudie das Bedürfnis als nachgewiesen.


Nun nachdem der Kredit für die Durchführung des Wettbewerbs gesprochen wurde, wird ein detaillierter Projektierungskredit erarbeitet und die Vergabe des Baurechts an den Ersteller erfolgen. Eine Volksabstimmung gäbe es trotzdem noch und zwar für den Innenausbau. Voraussichtlich würde diese Mitte 2019 stattfinden und einen Baubeginn 2020 ermöglichen. Bezugstermin wäre zwei Jahre später.

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