Schlieren
Finanzamt darf mehr Geld aufnehmen

Der Schlieremer Stadtrat ermächtigt sein Ressort Finanzen und Liegenschaften, langfristiges Fremdkapital von bis zu 120 Millionen Franken aufzunehmen.

Florian Niedermann
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Bis zur Limite von 120 Millionen darf die Behörde Fremdkapital künftig selbstständig beschaffen.

Bis zur Limite von 120 Millionen darf die Behörde Fremdkapital künftig selbstständig beschaffen.

Tom Engler / zvg

Gemäss einem Beschluss von 2014 ist die Finanzabteilung schon heute berechtigt, ohne jeweilige Autorisierung durch den Stadtrat Anleihen in der Höhe von insgesamt 95 Millionen abzuschliessen.

Der Grund für die Erhöhung der Limite: Die Stadt hat gegenwärtig langfristige Schulden von 72 Millionen.

Die Finanzplanung sieht aber einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 48 Millionen bis 2019 vor – ein Grossteil davon entfällt auf Investitionen für das Schulhaus Reitmen.

Eigentlich plante der Stadtrat, bei der Kapitalbeschaffung künftig auch auf Alternativen zu klassischen Darlehen zu setzen.

Als sich aber ein günstiges Geschäft ergab, entschied sich die Finanzabteilung doch für den traditionellen Weg.

«Wir hatten ein sehr gutes Darlehensangebot eines Investors auf dem Tisch und haben zugeschlagen», erklärt Oliver Küng, der Abteilungsleiter Finanzen und Liegenschaften der Stadt Schlieren.

Konkret konnte die Stadt 20 Millionen Fremdkapital aufnehmen, bei dem sich der Schuldzins für eine Laufzeit von 10 Jahren auf
0,4 Prozent beläuft.

Markt erfordert Flexibilität

Seinen Entscheid, die Beschaffungslimite der Finanzabteilung für mittel- und langfristiges Kapital auf 120 Millionen anzuheben, begründete der Stadtrat damit, dass so die Geldaufnahme möglichst flexibel dem Bedarf und der Entwicklung am Kapitalmarkt angepasst werden könne.

Das jüngste aufgenommene Darlehen zeigt, dass es der Stadt zum Vorteil erwachsen kann, wenn die Finanzabteilung bei der Kapitalbeschaffung möglichst schnell und ohne stadträtlichen Beschluss agieren kann: «Das Darlehensangebot des Investors bestand für einige Stunden.

Wir konnten das Geschäft nur abschliessen, weil wir schnell entscheiden konnten», sagt Küng.

Neben der höheren Limite für langfristige Darlehen erhält Küngs Abteilung auch freie Hand, um kurzfristiges Kapital mit einer Rückzahlungslaufzeit von bis zu einem Jahr in der Höhe von maximal 20 Prozent des Fremdkapitals aufnehmen zu können. Diese Darlehen sollen die kurzfristige Liquidität der Stadt sicherstellen.

In seinem Ermächtigungsbeschluss kündigte der Stadtrat eigentlich an, in Zukunft auch über sogenannte Privatplatzierungen Kapital zu beschaffen.

Dabei handelt es sich um Obligationen, die aber im Gegensatz zu vielen anderen Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten während der Laufzeit des Darlehens kaum zusätzlich Aufwand generieren.

Ausserdem muss im Gegensatz zu öffentlichen Anleihen auch kein Prospekt erstellt werden, in dem etwa Risiken und Angaben zur Geschäftstätigkeit beschrieben sind. Diese Veröffentlichungen sind laut Küng immer mit hohen Kosten verbunden.

Margen lösten Suche aus

Doch zumindest vorläufig wird die Stadt nicht auf diese Variante setzen, wie Küng sagt: «Unsere ersten Erfahrungen haben gezeigt, dass sich auf diesem Weg die Marge der Investoren nicht wesentlich drücken lässt.

Dazu spielt bei solchen Geschäften auch ein Zinsänderungsrisiko mit.» Er schliesst aber nicht aus, dass sich die Konditionen in diesem Teil des Kapitalmarkts verbessern, und Privatplatzierungen für die Stadt Schlieren doch noch attraktiv werden könnten.

Dass die Stadt nach Alternativen zu den traditionellen Darlehen suchte, liegt an der gegenwärtigen Situation des Kapitalmarkts: Bei der Prüfung der Darlehensangebote stellte die Finanzabteilung «seit längerem» fest, dass sich die Margen der Investoren bei Darlehensgeschäften wegen der Negativzinsen «deutlich erhöht» haben, wie dem Ermächtigungsbeschluss des Stadtrats zu entnehmen ist.

Deshalb, und um die Kapitalquellen zu diversifizieren, prüften die Behörden zusammen mit verschiedenen Finanzinstituten diverse Alternativen, darunter auch die Privatplatzierung.