Dutzende von Handys waren im Februar auf die Schlieremer Rotbuche gerichtet. Zahlreiche Reporter und Schaulustige sind damals trotz eisiger Temperaturen nach Schlieren gekommen, um die Verpflanzung des Baumes mitzuerleben. Mit dabei waren auch Paul Berner und Peter Stutz. Auch sie zoomten mit ihren Kameras auf den Ort des Geschehens. Die beiden gehören der Vereinigung Zürcher Film- und Video-Autoren (VZFA) an. Meist hat jeder ein eigenes Filmprojekt, doch bei diesem Anlass haben sich die beiden Herren zusammengetan. «Eigentlich war es die Idee von Paul, doch ich habe gerne mitgemacht», sagt der Dietiker Peter Stutz.

In seinem eigenen Portfolio befinden sich vor allem Filme aus der Mongolei. Aufnahmen aus Ulaanbaatar, der Wüste und von buddhistischen Festen. Dass der grosse Teil seiner Filme sich im Ausland abspielt, ist naheliegend: Der Dietiker ist ein passionierter Reisender.

Matrose, Pöstler, Reisender

Stutz verfolgte diese Passion bereits in jungen Jahren. «Ich wollte immer reisen und hatte einen grossen Drang wegzugehen», sagt er. Nach seiner Ausbildung zum Matrosen heuerte er bei verschiedenen Schiffen an. So kam er schon von Berufs wegen weitherum. Nachdem er 20 Jahre alt geworden war, nahm er eine Stelle in der Schweiz bei der Post an. Doch es dauerte nicht lange, da genügte es ihm nicht mehr, nur Päckchen wegzuschicken. Er wollte selbst wieder auf Achse sein. Besonders die Mongolei hatte er ins Herz geschlossen. So kam es, dass er nach einigen Reisen seine Frau von der Mongolei in die Schweiz holte.

Seine Frau war es auch, die ihn vor 15 Jahren fragte, was er lieber mache: filmen oder fotografieren? Er wollte schon lange filmen. So schenkte sie ihm seine erste Handkamera. «Ich wollte schon früher filmen, aber die Filmkamera Super 8 lieferte schlechte Qualität und Super 16 war zu teuer», sagt Stutz. «Mit der neuen Kamera machte es Klick.» Sie wurde seine neue Reisebegleitung. Mit ihr dokumentierte er die Abenteuer mit den Rentieren in der Mongolei, die Wanderung durch die Wüste und das Leben einfacher Menschen, die ihm auf seinen Reisen begegneten. «Filmen ist für mich wie ein Reisetagebuch schreiben», sagt er.

In den letzten Jahren veränderte sich die Filmbranche stark. Auch Stutz merkte das: Er verfeinerte seine Technik und kaufte sich eine neue Kamera. «Die Filme werden immer gewaltiger und grösser», sagt Stutz über die momentane Kinoindustrie. Trotzdem fasziniert sie ihn: «Wenn ich nochmals jung wäre, würde ich wohl Film studieren.» Sein nächstes Filmprojekt hat Stutz bereits im Kopf: Er möchte die Adlerjäger im Westen der Mongolei filmen.

Gold am Weihnachtsessen

«Doch die grösste Arbeit ist ja nicht das Filmen, sondern das Schneiden», sagt Stutz. Das Ergebnis dieser Arbeit, die fertig geschnittenen Filme, präsentieren die Mitglieder des VZFA jeweils an den wöchentlichen Treffen in Zürich. Dort wird der Schnitt, Inhalt und Ton der selbstgedrehten Filme beurteilt und besprochen. «Beim Weihnachtsessen Ende Jahr werden jeweils die besten Filme ausgezeichnet», sagt Stutz. Letztes Jahr setzte sich sein Film gegen 28 Konkurrenten durch. Er erhielt die Goldmedaille für seinen Film über die Rentierzüchter.

Ob der Film der Versetzung der Rotbuche in Schlieren wieder einen Podiumsplatz einheimsen wird, weiss noch niemand. Doch eines steht fest: «Wir hatten Spass bei diesem Projekt», sagt Stutz.

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