«Cinéma Capitol»

Filme für den Herbst des Lebens

© Tobias Hänni

In Dietikon gibt es nach dem Ende des Seniorenkinos wieder ein Angebot für ältere Filmliebhaber.

Den Anfang macht die «Bäckerei Zürrer». Mit der im Zürcher Langstrassenquartier angesiedelten Tragikomödie aus dem Jahr 1957 lanciert das Dietiker Cinéma Capitol am 9. Februar die Filmreihe «Herbschtzytlose». Die Vorführungen des Oldie-Kinos richten sich laut Kinobetreiber Martin Romer an ein älteres Publikum. Aber nicht nur. «Jeder, der Zeit und Lust hat, kann sich die Filme ansehen», sagt er.

Romer reagiert mit «Herbschtzytlose« auf das kürzliche Ende des Seniorenkinos, das er zusammen mit dem Dietiker Seniorenrat für drei Jahre im Capitol durchgeführt hat. Weil sich der Kinobetreiber und der Rat wegen der Finanzierung nicht einig wurden, beendeten sie die Zusammenarbeit und damit die Filmnachmittage Ende letzten Jahres (die Limmattaler Zeitung berichtete). «Wir hatten sehr schöne Erlebnisse mit den älteren Besuchern», erklärt Romer. Er erinnert sich an eine ältere Dame mit Gehhilfe, die sich auf rührende Art bei ihm und seiner Frau für das Angebot bedankt hatte – keine Selbstverständlichkeit in seiner Branche.

«Das Ende des Seniorenkinos haben viele Besucher bedauert», sagt Romer. Und die ersten Rückmeldungen zum neuen Programm, das er seit einigen Tagen auf der Website des Kinos und mit Flyern bewirbt, seien positiv gewesen. «Auf das Lob müssen nun aber auch Taten folgen.»

Auch neuere Produktionen

Romer rechnet damit, dass jeweils zwischen 50 und 100 Leute die Filme anschauen werden, die ab Februar jeden zweiten Dienstagnachmittag des Monats im Capitol laufen. Dafür möchte er neben Werbung auch eine Kundenkartei anlegen und Besucher direkt über das laufende Programm informieren. «Wenn das gewünscht ist und sie zu Hause kein Internet haben, schicken wir den Leuten das Programm auch gerne per Post zu.»

Das Programm von «Herbschtzytlose» für die kommenden Monate enthält nicht nur Klassiker des Schweizer Films wie die «Bäckerei Zürrer». So finden sich darauf auch Produktionen neueren Datums, etwa die US-Komödie «Marley & Me» von 2009 oder das Schweizer Drama «Stationspiraten» von 2010. Eines haben die Filme laut Romer aber gemeinsam: «Es sind lebensbejahende, oftmals lustige Geschichten.» Er habe schon beim Seniorenkino beobachtet, wie bei dieser Art Filme die Besucher beschwingt aus dem Kinosaal gekommen seien.

Das Kino für ältere Semester hat für den Capitol-Betreiber auch eine soziale Komponente. «Treffpunkte für Senioren sind in der Region rar gesät.» Die Filmnachmittage böten deshalb älteren Menschen neben Unterhaltung auch die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen.

Ergänzung zum Treffpunkt Kino

Das Oldie-Kino soll vorerst für ein Jahr laufen, danach will Romer Bilanz ziehen. Eine schwarze Null schreibe er dank den Sponsoren zwar auch mit wenig Gästen und trotz des niedrigen Eintrittspreises von 9 Franken, sagt er. «Aber ich möchte aus den Sponsorbeiträgen ja das Beste machen und möglichst viele Besucher haben.»

Der Verein Treffpunkt Kino, der im Ciné Capitol jeweils am letzten Dienstag im Monat einen Film zeigt, soll mit dem neuen Programm nicht konkurrenziert werden, sagt Romer. «Der Verein zeigt eher unbekannte Produktionen. Das Oldie-Kino ist deshalb keine Konkurrenz, sondern eine gute Ergänzung.»

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