Der Brand in Solothurn, der Ende November sieben Menschen – darunter auch Kinder – das Leben gekostet hat, zeigt es einmal mehr: Im Notfall sollten alle Betroffenen wissen, was zu tun ist. Das haben sich die Jugendlichen an der letztjährigen  Dietiker Jugendses sion auch gesagt. Von all den besprochenen Wünschen und Vorstössen favorisierten die Jugendlichen klar die Frage, was die Stadt von konkreten Rettungsübungen in der Schule halte. Damit das Anliegen auch politische Wirksamkeit erlangte, reichte es der Dietiker Gemeinderat Markus Erni (SVP) stellvertretend für die Jungen offiziell als Postulat beim Stadtrat ein. Die Jugendlichen wollten konkret wissen, ob es nicht sinnvoll wäre, wenn jemand aus der Feuerwehr allen Schülerinnen und Schülern der 4. Primarstufe sowie der 1. Sekundarstufe eine Theorielek tion erteilen könnte, und ob es nebst dem theoretischen Wissen alle drei Jahre eine Praxisübung geben könnte, in welcher eine echte Situation inszeniert wird.

Abläufe müssen klar sein

In der Antwort des Stadtrates, die nun vorliegt, heisst es, die Schulpflege habe eine schulinterne Projektgruppe beauftragt, ein Krisenkonzept für die Schule Dietikon zu entwickeln. Das Konzept diene zur Klärung der Abläufe aus gesamtschulischer Sicht. «Es soll allen Verantwortlichen als Handlungsin strument zur professionellen Notfall- und Krisenbewältigung dienen», heisst es wörtlich.

Zudem begrüsst die Schule die Durchführung einer Theorielektion durch die Feuerwehr. Auch die Idee eines Praxisteils gefällt ihr. «Ein praktischer Teil – wie handle ich im Notfall –, kombiniert mit Theorie, hätte für die Schule einen  positiven Effekt und würde präventiv  wirken.» Wie aus der Antwort aber weiter hervorgeht, hat die Feuerwehr Dietikon auf die Anfrage der Schule nicht ähnlich begeistert reagiert. Die Erteilung von  Theorielektionen durch die Feuerwehr sei nicht leistbar, so die Rückmeldung. Die Ausbildung der Lehrpersonen und Schul verantwortlichen habe Priorität.

«Wenn wir jeder Schulklasse in Dietikon eine Theoriestunde geben möchten, dann sind wir noch in einem Jahr nicht fertig», sagt Roger Wiederkehr, Stabschef der  Feuerwehr Dietikon, auf Anfrage. «Mit Rauch zu üben, kommt ebenfalls nicht  infrage, weil die Panik an der Schule zu gross sein könnte und eine Verletzungs gefahr besteht», so der Stabschef weiter. Für wichtiger hält er es aber, dass die Lehrpersonen direkt von der Feuerwehr geschult werden. «Sie sind die, die die  ersten zehn Minuten mit den Schülern  alleine sind, bis die Feuerwehr vor Ort ist. Es ist wichtig, dass sie wissen, was zu tun ist.»

Aus der Antwort auf das Postulat geht weiter hervor, dass die Ausbildungen der Lehrpersonen und Schüler «möglichst praxisnah» erfolgen sollten, aber «auf eine realitätsbezogene Alarmübung» verzichtet wird.

«Ein krasses Versäumnis»

Gemeinderat Markus Erni zeigt sich grundsätzlich zufrieden mit der Antwort auf das Postulat. Er sei aber schon etwas erstaunt, dass offensichtlich vor dem Postulat noch kein Sicherheitskonzept betreffend Brandfall an Schulen vorgelegen habe. «Ich bin sogar etwas erschrocken und ich halte es für ein krasses Versäumnis», so Erni.

Wichtig sei für Erni aber vor allem die Antwort der Jugendlichen, die an der Sitzung, an welcher der Gemeinderat das Postulat behandelt, anwesend sein werden. «Ich habe die Frage schliesslich stellvertretend in ihrem Namen eingereicht, es ist ja nicht meine Idee.» Die Tatsache, dass die heutige Jugend sich eines so wichtigen Themas angenommen hat und sich überhaupt politisch aktiv zeigt, freut ihn. «Den Jungen gebührt Dank, dass sie mit ihrem Postulat auf eine wichtige Lücke im Sicherheitskonzept der Schule Dietikon aufmerksam gemacht haben.»

Gemäss der Antwort auf das Postulat ist vorgesehen, dass die Vernehmlassung zum Krisenkonzept bis Ende 2018 abgeschlossen sein soll. Im März 2019 sollen erste Einführungsveranstaltungen stattfinden. Die definitive Einführung des Krisenkonzepts ist für das Schuljahr 2019/2020 vorgesehen.