Nordumfahrung

Fertig Stau: Doris Leuthard läutet den Ausbau auf sechs Spuren ein

Die Zürcher Nordumfahrung ist chronisch überlastet: Sie soll deshalb bis ins Jahr 2025 von vier auf sechs Spuren ausgebaut werden. Am Montag hat das Bundesamt für Strassen (Astra) die Hauptarbeiten offiziell eröffnet.

Sie sei zwar nicht die längste Röhre der Schweiz, räumte Jürg Röthlisberger gestern, nach einer Woche der Gotthard-Feierlichkeiten, ein. Der Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra) sprach vom Gubristtunnel, der es mit seinen 3250 Metern Länge mit dem neuen Schweizer Rekordtunnel tatsächlich nicht im Ansatz aufnehmen kann. Und dennoch kenne den Gubrist hierzulande jedes Kind, fügte Bundesrätin Doris Leuthard im Informationspavillon in Regensdorf vor den Medien an: Den vielen Staumeldungen sei Dank, die täglich aus dem Radio ertönen.

Doris Leuthard spricht über den langen Leidensweg Weiningens

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Die kommenden Generationen sollen beim Namen Gubrist nicht mehr automatisch an Stau denken müssen. Er ist das Herzstück des Ausbaus der Nordumfahrung Zürich, die mit täglich bis zu 120 000 Fahrzeugen zu den am stärksten frequentierten Autobahnabschnitten des Landes gehört. Nun soll der Bau einer dritten Tunnelröhre diesen «gravierenden Engpass» beseitigen. Davon, so Leuthard, werde letztlich das Strassennetz der ganzen Schweiz profitieren – und auch die umliegenden Gemeinden, die mit einem besseren Verkehrsfluss auf der Nationalstrasse vom Ausweichverkehr entlastet werden. Dafür sollen auch zusätzliche, flankierende Massnahmen in den Gemeinden sorgen: Im Limmattal sind solche in Oetwil, Geroldswil, Weiningen und Unterengstringen geplant.

Doris Leuthard: «Das Projekt hat Auswirkungen auf die ganze A1»

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Kosten: 1,55 Milliarden Franken

Gestern erfolgte nun endlich der offizielle Start der Hauptarbeiten zum Ausbau der 1985 in Betrieb genommenen Nordumfahrung. In den nächsten Jahren werden eine neue Gubriströhre mit drei Fahrstreifen gebaut und die beiden bestehenden vollumfänglich saniert. Der Tunnel selbst ist aber nur ein Teil des 1,55-Milliarden-Projekts: Der ganze rund zehn Kilometer lange Abschnitt zwischen Limmattaler Kreuz und der Verzweigung Zürich Nord wird erneuert und auf je drei Spuren ausgebaut; zuerst ist die Fahrbahn in Richtung St. Gallen dran, dann jene in Richtung Bern.

Doris Leuthard: «Das Projekt hat Auswirkungen auf die ganze A1»

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Hinzu kommen Massnahmen zum Umwelt-, Moor- und Gewässerschutz: «Alles, was wir der Natur wegnehmen, ersetzen wir», sagte Gesamtprojektleiter Ulrich Weidmann während der Baustellenbesichtigung. Das mit Schadstoffen belastete Strassenabwasser, das heute unbehandelt in der Natur landet, wird künftig in drei Anlagen gereinigt. Auf der Überdeckung Katzensee soll zudem neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen entstehen. Auch die Lärmbelastung soll sinken.

Zwei Spuren durchgehend offen

All diese Arbeiten werden erledigt, während in beiden Richtungen zwei Spuren für den Verkehr offen bleiben. In neun Jahren könnten die Hauptarbeiten gemäss Astra erledigt sein: «Wenn alles gut geht», so Astra-Direktor Röthlisberger, soll die offene Strecke auf der Ostseite bis 2020, die dritte Röhre bis 2022 und das durchgehende Sechs-Spur-Regime bis 2025 realisiert sein.

Noch kein fester Terminplan besteht hingegen für die Überdeckung und den Autobahnanschluss Weiningen. Dafür muss das Astra auf Geheiss des Bundesgerichts noch einmal ein neues Projekt vorlegen. Doch nachdem der Rechtskampf der Limmattaler Gemeinde um eine Überdeckung des Westportals das Projekt um Jahre verzögert hatte, wird diese Unsicherheit den allgemeinen Ausbau nun nicht mehr tangieren, so Röthlisberger. Selbst wenn im Rahmen der noch ausstehenden öffentlichen Auflage weitere Einsprachen gemacht werden können: «Das Projekt Kapazitätserweiterung Nordumfahrung läuft völlig losgelöst vom Projekt Überdeckung Weiningen – im Extremfall könnten wir die dritte Röhre schon vor diesem in Betrieb nehmen.»

Für den Bau dieser neuen Röhre wird der Gubrist temporär sogar zum Bahnhof. Um die Unmengen von Gestein vom Gubrist wegzutransportieren, wird auf der Ostseite nämlich ein dreigleisiger Verladebahnhof angelegt. «Auf den ersten Blick eine verrückte Sache», räumte Verkehrsministerin Leuthard ein. Doch wenn die rund 700 000 Kubikmeter Ausbruchmaterial per Bahn befördert werden, könne man sich rund 160 000 Lastwagenfahrten sparen. Die dritte Röhre wird mit einer Fahrbahnbreite von 11 Metern grösser als die beiden bisherigen mit ihren 7,5 Meter breiten Fahrspuren. In ihr wird der Verkehr dereinst dreispurig in Richtung Bern und Basel fliessen, während man auf drei der vier Spuren der bisherigen Röhren nach St.Gallen gelangt.

Regierungsrätin Carmen Walker Späh verspricht sich viel von der ausgebauten Nordumfahrung. «Heute ist ein grosser Tag für Zürich», sagte sie anlässlich des Baustarts. Denn schnelle, zuverlässige Verbindungen seien für die Zürcher Wirtschaft «absolut zentral». Heute aber verursachten die vielen Staus am Gubrist – 2014 wurden knapp 6000 Staustunden gezählt – volkswirtschaftliche Kosten in Millionenhöhe. «Verkehrswege müssen zeitlich kalkulierbar sein», so die Volkswirtschaftsdirektorin.

Mobilitätsbedürfnis steigt weiter

Vom Ausbau der Zürcher Nordumfahrung erhofft Walker Späh sich auch eine höhere Lebensqualität in Dörfern wie Weiningen, Ober- oder Unterengstringen, die heute unter dem Ausweichverkehr leiden. Denn eines sei klar: Auch wenn in den kommenden Jahren der grösste Teil des zunehmenden Verkehrsaufkommens mit dem öffentlichen Verkehr bewältigt werden soll, werde der Strassenverkehr nicht weniger. Zudem finde auch der öffentliche Verkehr mehrheitlich auf der Strasse statt.

Auch der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger zeigte sich glücklich mit dem Projekt. Die Stadt Zürich sei schon mit der Eröffnung der Westumfahrung massiv vom Durchgangsverkehr entlastet worden. «Doch mit den weiteren rund 70 000 Bewohnerinnen und Bewohnern, die wir in den nächsten Jahren erwarten, wird auch das Mobilitätsbedürfnis nicht kleiner.»

Wer mehr über das Ausbauprojekt, den Verlauf der Arbeiten oder die allgemeine Verkehrsentwicklung in der Schweiz wissen will, kann im Infopavillon an der Affolternstrasse in Regensdorf vorbeischauen. Er ist mittwochs (14 bis 20.30 Uhr) und samstags (9 bis 13 Uhr) offen. Am 12. Juli findet zudem eine Informationsveranstaltung in Weiningen zum Thema Halbanschluss statt.

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