Limmattal
Ferien- und Gelegenheitsjobs sind rar

Immer weniger Grossfirmen stellen Jugendliche als Aushilfen ein – in Uitikon hat Astrid Lienhard eine Alternative auf die Beine gestellt.

Anina Gepp
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Ferienjobs im Kanton Solothurn werden rar (Symbolbild).

Ferienjobs im Kanton Solothurn werden rar (Symbolbild).

az Solothurner Zeitung (SZ)

Schüler und Studenten, die für die langen Sommerferien einen Job zum Geldverdienen erhalten wollen, müssen viel Geduld und Zeit in die Suche investieren. Die Nachfrage bei Betrieben im Limmattal zeigt, dass viele Grossfirmen keine Ferienjobs mehr anbieten, weil sich die Einarbeitung von Jugendlichen für die kurze Dauer des Arbeitseinsatzes nicht lohnt.

Zweifel Chips in Spreitenbach hat zwar jahrelang Ferienjobs vergeben, bietet diese Sommerferien aber keine mehr an. Die Firma vergibt lediglich noch Temporärjobs, in welchen die Angestellten mehr als nur ein paar Wochen beschäftigt werden.

Die Confiserie Sprüngli stellt ebenfalls keine Studenten ein. «Wir bieten Praktika im Labor an, diese dauern aber mindestens sechs Monate», sagt Sachbearbeiterin Tina Truog. Hinzu komme, dass die Hauptsaison der Produktherstellung nicht im Sommer, sondern an Weihnachten und Ostern erfolge.

Anders handhabt es die Migros: Der Detailhändler vergibt jeden Sommer Ferienjobs an Studenten. In Schlieren und Dietikon sind in den vier Filialen insgesamt fünf Ferienaushilfen im Einsatz. «Ferienaushilfen sind bei uns gängig. Sie entlasten unsere Mitarbeiter, da viele der Festangestellten in die Ferien fahren», so Andreas Reinhart, Mediensprecher der Migros.

Coop hat im Limmattal vier Ferienjobs im Megastore Silbern in Dietikon und einen in der Filiale in Geroldswil vergeben. «Die Verkaufsstellen an der Florastrasse und Brunau in Dietikon sowie das Lilienzentrum in Schlieren hatten keinen Bedarf an einer Aushilfskraft», teilt Mediensprecherin Claudia Burch mit.

Schüler bemühen sich um Jobs

Beim Berufsinformationszentrum in Urdorf (biz) fragten Schüler vor den Ferien nur vereinzelt nach Ferienjobs. Man gebe den Jugendlichen Tipps, wie sie einen Ferienjob finden können, so Richard Hefti, Stellvertretender Leiter des biz Urdorf. «Am besten ist es, direkt bei den einzelnen Betrieben anzufragen.» Hefti vermutet, dass sich das Angebot und die Nachfrage für Ferienjobs in den letzten Jahrzehnten generell verändert hat.

Astrid Lienhart des Elternforums Uitikon gründete aufgrund des geringen Angebots an Ferienjobs im Limmattal die Onlinevermittlungsbörse schuelerjobs-uitikon.ch. Meldeten sich zu Beginn des Projekts vor einem Jahr ziemlich rasch verschiedene Dorfbewohner, die den Jugendlichen einen (Gelegenheits-)Job anbieten wollten, stagnieren die Jobangebote in diesen Sommerferien.

Die Uitiker seien nur schwer zu motivieren, obwohl das Elternforum in jedem Gemeindekurier Werbung für die Jobbörse machte, sagt Lienhart. Das sei schade. Die Schüler seien nach wie vor sehr aktiv und freuten sich über Arbeit. Einige der Schüler würden die Seite fast täglich besuchen, um nach neuen Jobangeboten zu sehen. Kaum eine Stunde daure es jeweils, bis sich ein Jugendlicher auf ein Inserat melde.

Für 12 bis 15 Franken die Stunde gehen die Schüler beispielsweise mit Hunden Gassi, mähen den Rasen oder waschen ein Auto. «Die Rückmeldungen der Uitiker, die einen Jugendlichen beschäftigten, waren durchwegs positiv», so Lienhart. Gewiss gäbe es aber noch viel mehr Dorfbewohner, die einen kleinen Auftrag für Schüler hätten.

Wünsche übersteigen Budget

«Heute vergeben viele Betriebe keine Ferienjobs mehr. Deshalb sind die Schüler über ein Angebot wie das unsere noch so froh», so Lienhart. Dabei seien Ferienjobs wichtig, um Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln. Die Jugendlichen seien heute viel weiter weg von der wirtschaftlichen Realität als noch vor ein paar Jahrzehnten. Durch einen Ferienjob lernten Schüler, was das Leben kostet und was man für seinen Luxus tun muss, so Lienhart. «Gerade in einem reichen Dorf wie Uitikon, wo die materiellen Wünsche der Jugendlichen ihre Erwerbskraft weit übersteigen.» Das Elternforum will das Projekt weiterführen und hofft, dass sich künftig mehr Uitiker melden und den Jugendlichen einen kleinen Job anbieten.

Die Suche nach einem Ferienjob kann sich schwierig gestalten

Hier einige Tipps:

Frühzeitig mit der Suche beginnen, für einen Job in den Herbstferien bereits jetzt;

«Vitamin B»: Verwandte, Bekannte, Nachbarn fragen;

In verschiedenen Läden Gratisinserate aufhängen mit Angaben zur Art der Arbeit und den eigenen Fähigkeiten und Talenten;

Über Internetplattformen für Ferienjobs nach geeigneten Angeboten suchen;

Persönlich bei Firmen und Geschäften vorbeigehen und direkt vor Ort nach Ferienjobs fragen (Schulhäuser, Altersheime, Krankenhäuser, Schwimmbäder, Restaurants, Detailhändler).