Für Julia Onken ist klar: «Die Geschichte fordert uns immer wieder neu heraus und fordert uns auf, das Steuer für unser Geschick selbst in die Hand zu nehmen.» Gerade jetzt sei dies wieder der Fall – es klopften wichtige Themen an unsere Tür, die dringend bearbeitet werden müssten. Die bekannte Autorin und Publizistin, die von der «NZZ» als «Feminismus-Ikone» betitelt wurde, zählte den Umwelt- und Naturschutz, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie das Seniorendasein auf.

Patentrezepte, räumte Onken dabei auf dem Dietiker Kirchplatz ein, habe sie nicht. Sie wisse aber, welche Denkstrategien in einer Sackgasse enden: «Es soll Schluss sein mit parteipolitischer Ideologie – weder links noch rechts, weder schwarz noch weiss, die Lösungen finden sich in den Zwischentönen.» Dabei müsse man sich das Recht nehmen, selber zu denken, ungewöhnliche Denkpfade zu entdecken, querzudenken und zu streiten.

Den Blick nicht nur auf die anderen richten

Eine wichtige Erkenntnis ist für Onken, dass man sich selber nie aussen vor lassen darf, wenn man sich mit einem gesellschaftspolitischen Thema ernsthaft beschäftigen will. Denn es sei falsch, den Blick ausschliesslich auf andere zu richten. Dies führe zu den in den politischen Diskussionen oft stattfindenden Anklagen gegen Andersdenkende. Dies verhindere ausgewogene Lösungen und vernünftige Kompromisse, sagte Onken.

Indem man sich selber gleichzeitig als mitbestimmenden Akteur und als Verursachendenden einbeziehe, könne dies verhindert werden. Als Beispiel verwies die Rednerin auf die Klimadebatte: «Wie leicht wäre es, Verhaltensweisen anzuklagen, Forderungen und Verbote auszusprechen. Viel entscheidender ist doch die Frage, wie verhalte ich mich?» Auch könne man sich nicht mit Natur- und Umweltschutz beschäftigen, ohne den eigenen Fleischkonsum zu reflektieren. Die Massenhaltung von Tieren sei eine gravierende Belastung für die Natur, sagte die 77-Jährige.

Überalterung ist ein Schatz, kein Problem

In ihrer Rede wehrte sich die Autorin, Publizistin und Unternehmerin auch gegen das grassierende Seniorenbashing: In der Gesellschaft werde das Älterwerden als belastende Hypothek behandelt. «Wenn von drohender Überalterung gesprochen wird, ist das ein Frontalangriff auf das Lebensrecht älterer Menschen.» Mit dem Älterwerden nehme das Wissen zu. «Noch nie in der Menschheitsgeschichte ist so viel Erfahrungswissen, Erfahrungskapital und Weisheit vorhanden gewesen.» Statt dieses Wissen zu missachten, sollte dieses gigantische Kapital nutzbar gemacht werden, forderte Julia Onken.

Meist würden am 1. August Politiker Ansprachen halten, hatte Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) zur Begrüssung auf dem Kirchplatz erklärt. Damit werde aber die Vielfalt der Schweiz nicht abgebildet. Aus diesem Grund habe sich Dietikon bewusst dazu entschieden, eine Person von ausserhalb der Politik ans Rednerpult einzuladen. Dies veranlasst die vielen Festbesucher zu einem spontanen Applaus.

Wie immer war die Dietiker Bundesfeier musikalisch breit umrahmt. Den Auftakt setzte die Stadtmusik Dietikon mit einem Platzkonzert. Danach präsentierte der Feuerwehrverein, der auch für das leibliche Wohl der gut gelaunten Besucherinnen und Besucher besorgt war, ein spannendes Konzertprogramm. Es traten bis in den Abend hinein die Limmattaler Musikanten, die Stadt-Jodler Dietikon, die Schwyzerörgeli-Gruppe Schlieren, die Alphorngruppe Rebberg und die Fäaschtbänkler auf. Der Stadtverein hatte derweil die Türen des Ortsmuseums und der beiden Bunker geöffnet und lud am Abend natürlich zum Höhenfeuer beim Lindenbühl ein.