Herr Aepli, mit Skepsis verfolgte die Schweiz die Übernahme von einheimischen Firmen wie Syngenta oder Swissport durch chinesische Unternehmen. Mit dem neuen Asia Desk im Startup-Space wird der Zugang zum Schweizer Markt noch einfacher.

Felix Aepli: Die Schlieremer Standortförderung wie auch die Unternehmen verzeichneten in den letzten Jahren eine grössere Nachfrage aus dem asiatischen Raum. Asien interessiert sich für die Schweiz und damit auch für Schlieren. Diesem Umstand tragen wir mit dem Asia Desk Rechnung. Die Aufregung in der Schweiz wegen der zahlreichen Übernahmen ist aus meiner Sicht unberechtigt oder zumindest übertrieben. Niemand findet eine Übernahme durch ein deutsches Unternehmen stossend, oder kritisiert, wenn Schweizer Investoren im Ausland eine Firma kaufen. Es ist ein Fakt, dass asiatische Unternehmen auf dem hiesigen Markt auftreten. Daher muss sich eine Standortförderung für diese Entwicklung interessieren.

Wie sieht die Arbeit des Asia Desks denn genau aus?

De facto handelt es sich um einen virtuellen Desk, hinter dem Menschen mit Asien-Erfahrung arbeiten. In erster Linie handelt es sich um eine Triage-Stelle, welche den Weizen von der Spreu trennt. Viele Anfragen aus Asien sind nur wenig seriös. Erst gilt es mit dem nötigen Vorwissen abzuklären, welche Angebote ernstzunehmen sind. Am Anfang werde vorwiegend ich selbst diese Funktion übernehmen. Weiter bieten wir interessierten Unternehmen aus Asien Hilfe an, wie sie sich bei uns in der Schweiz zurechtfinden können. Dies gilt übrigens auch in umgekehrte Richtung.

Damit ist auch die Überwindung von Sprachbarrieren gemeint?

Genau. Die Überwindung von kulturellen Barrieren ist jedoch weit höher zu gewichen. Wir verweisen die Interessenten an die richtigen Leute und Stellen weiter. Die Abwicklung von Abklärungen wird jedoch nicht von uns übernommen. Weil wir nur eine Vermittlerrolle übernehmen, ist das Angebot auch kostenlos.

Besonders für den Schlieremer Bio-Technopark dürfte der asiatsche Markt interessant sein?

Nicht nur. Für alle Branchen kann der Schritt nach Asien ein Vorteil sein. In den Medien werden lediglich die grossen Übernahmen thematisiert. Doch geschieht auch viel auf Ebene der mittelgrossen Unternehmen aus der Schweiz und Asien. In Schlieren gibt es viele solche Unternehmen, für die der asiatische Markt sehr interessant ist. Sei dies im Rahmen der Eröffnung von neuen Niederlassungen oder beim Erschliessen eines neuen Absatzmarktes.

Sie arbeiteten während 20 Jahren in Schanghai, Hong Kong und Singapur. Worauf müssen sich Schweizer Unternehmen bei einer Expansion nach Asien gefasst machen?

Entscheidend ist, Vertrauen zu finden und Vertrauen zu schaffen. Dies gilt gleichermassen für den Schweizer in Asien und den Asiaten in der Schweiz. Obwohl wir Grundwerte wie schnelles, hartes Arbeiten und den Willen, etwas aufzubauen, teilen, fehlt ein gewisses Vertrauen. Man muss sich also Zeit für den Aufbau lassen.

Sie sprechen im Zusammenhang mit dem Aufbau des Asia Desks von einer Pionierleistung Schlierens.

Auf Bundes- und Kantonsebene gibt es vergleichbare Angebote, welche eine Schnittstelle zwischen den beiden Märkten bilden. Hinzu kommen verschiedene Handelskammern, die auf diesem Gebiet tätig sind. Auf kommunaler Ebene ist mir jedoch kein vergleichbares Angebot bekannt.

Wie viel lässt sich die Stadt dieses Angebot kosten?

Die Standortförderung und der Verein Start Smart Schlieren erstellten für 7000 Franken die Plattform, also die Website. Nun ist der Beitrag der Stadt getan.

Wenn die Stadt Schlieren und die Unternehmen, welche die Leistungen in Anspruch nehmen, nicht bezahlen, wer kommt denn für Ihren Lohn auf?

Für die Umsetzung dieser Triage erhalte ich in der Tat kein Geld von der Stadt. Die durch das Angebot folgenden Dienstleistungen wie etwa verschiedene Mandate, die ich und andere Anbieter wahrnehmen, sollen dazu führen, dass sich das Angebot selbsttragend finanzieren lässt.