Dietikon
Fehler bei Limmattalbahn-Bau: Die neue Strasse muss ersetzt werden

Wegen grossen Rissen mussten Arbeiter den Asphalt von fertig gebauten Strassen in Dietikon wieder entfernen. Ein Bauunternehmen hatte versagt. Die Steuerzahler kostet der Fehler aber nichts, denn es ist ein Garantiefall.

David Egger
Drucken
Teilen
Eigentlich war die Strasse schon fertig - nun wird sie nochmals neu gemacht.

Eigentlich war die Strasse schon fertig - nun wird sie nochmals neu gemacht.

David Egger

Dietikerinnen und Dietiker trauten vor einigen Tagen ihren Augen kaum: Vor der «Krone» blockierten die Bauarbeiten plötzlich wieder die eigentlich schon fertige Strasse. Mit schwerem Geschütz fuhren die Arbeiter auf, um den tiefschwarzen Asphalt aufzubrechen und zu entfernen. Dann war er weg – nur gut ein Jahr, nachdem er eingebaut worden war. Wo die Auto- und Velofahrer wieder über die Strasse ­fahren konnten und wo sich die Fussgänger eines schönen Fussgänger­streifens erfreuten, war nun wieder ­Baustelle angesagt. Die Vermutung liegt nahe: Hier ist ein Fehler passiert.

«Ja, es war ein Qualitätsmangel», bestätigt auf Anfrage Daniel Issler, der Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn AG. Immerhin: Die Steuerzahler, die 755 Millionen Franken in die Bahn ­investieren, kostet diese Übung nichts. «Der Mangel ist ein Garantiefall. Das verantwortliche Gleisbauunternehmen muss für die Mehrkosten ­aufkommen», sagt Issler. Der ETH-­diplomierte Bauingenieur erklärt auf Anfrage, was vor der «Krone» genau passiert ist.

Die Kurzversion: «Asphalt lebt. ­Risse im Asphalt sind für einen Ingenieur nicht per se be­unruhigend. Aber hier waren sie zu gross. Mit der Zeit hätte das zu immer grösseren Schäden an der Strasse und den Gleisen geführt.»

Es geht darum, die Umgebung vor Erschütterungen zu schützen

Die lange Version: Von Anfang an verfolgten die Planer das Ziel, dass die Limmattalbahn nicht derart scheppern soll, wie es manche Trams auf gewissen Strecken in Zürich und Basel tun – dort spürt man in Altbauten teilweise jedes durchfahrende Tram, weil der Boden bebt. Die Dietikerinnen und Dietiker haben etwas Besseres verdient. Möglichst kein Lärm und möglichst keine Erschütterungen, lautet die Devise.

Deshalb war schon bei der Plangenehmigungsverfügung – das ist sozusagen die Baubewilligung, die der Bund bei Bahnprojekten ausstellt – vorgesehen, dass unter den Asphalt Erschütterungsschutzmatten zu liegen kommen. «Diese Schutzmatten sorgen dafür, dass die Erschütterungen, die die Bahn verursacht, nicht an die umliegenden Liegenschaften weitergegeben wird», erklärt Issler.

Die mangelnde Erfahrung des Bauunternehmens führte zu falschen Mätteli

Nur: So ein Mätteli unter dem ­Bähnli-Asphalt macht den Asphalt-Bau wesentlich komplizierter. Konkret ist dann bei den sogenannten Erschütterungsfugen höchste Präzision und beste Qualität gefragt. Sonst entstehen viel zu grosse Risse, die man nicht mehr ausbessern kann und die mit der Zeit zu noch grösseren Rissen und zur Korrosion der Gleise führen.

«Das Unternehmen hat sich bei den erwähnten Fugen für das falsche Produkt entschieden. Zudem waren die Fugen zu klein», sagt Issler. Gleichzeitig nimmt er das Unternehmen aber auch etwas in Schutz. Denn noch gebe es in der Schweiz wenig Erfahrungen mit solchen Erschütterungsschutzmassnahmen unter einem sogenannten Mischtrassee – ein Trassee also, auf dem sowohl die Bahn als auch Velos und Autos verkehren.

«Im Nachhinein könnte man sagen, das Unternehmen hätte zuerst eine kurze Teststrecke bauen müssen, um mehr Erfahrungen zu sammeln.» So oder so ist für Issler klar: «Das verantwortliche Unternehmen muss das jetzt in Ordnung bringen und dann ist seine Schuldigkeit getan.»

«Zum Glück gilt derzeit noch das Grosskreisel-Verkehrsregime»

Die Limmattalbahn hat die Sache nicht an die grosse Glocke gehängt. Sie informierte zum einen den Runden Tisch, an dem diverse Dietiker Politiker beteiligt sind, zudem gab es ein Schreiben an die Anwohner. Die Verkehrsteilnehmer hingegen staunten zwar, aber verärgerte Anrufe oder dergleichen seien nicht eingegangen, wie Issler sagt. «Letzten Herbst hatten sich aber mehrere Personen bei uns gemeldet, um uns auf die Risse im Strassenbelag hinzuweisen.»

Das Dietiker Volk ist sich schon einiges gewohnt. «Zum Glück gilt derzeit grundsätzlich immer noch das Gross­kreisel-Verkehrsregime, so fallen die zusätzlichen Einschränkungen nicht allzu gross ins Gewicht», sagt Issler.

Betroffen vom Asphalt-Fehlgriff sind mehrere Strassenstücke in ­Dietikon. Neben dem Abschnitt der Zentralstrasse vor der «Krone» (von der Bäckerstrasse bis zur Reppisch­brücke) sind das die Badenerstrasse (von der Reppischbrücke bis zur ­Oetwilerstrasse) sowie die Poststrasse (von der Zürcherstrasse bis zur Bahnhofstrasse). An all diesen Stellen muss der Deckbelag entfernt und neu gemacht werden.

Im Frühling wird das Trassee in der Badenerstrasse grün

Die ersten Arbeiten zum Ersatz des neuen Deckbelags sind Mitte September gestartet. Die letzten Arbeiten sollen bis Mitte Oktober fertig sein. Und nächsten Frühling wird dann unter anderem das Limmattalbahn-Eigen­trassee in der Badenerstrasse begrünt, wie man es von Schlieren her kennt. Das wird dann etwas Abwechslung zu all dem Asphalt bringen.

Übrigens: Beim neuen Abschnitt der Bremgarten-Dietikon-Bahn vom Bahnhof bis kurz vor dem Stadthaus wurden ebenfalls Erschütterungsschutzmatten verbaut. «Nachdem das Problem erkannt wurde, hatte sich das Gleisbauunternehmen dort von Anfang an für das richtige Fugenprodukt ent­schieden und es gibt keine Probleme», sagt ­Issler.

Aktuelle Nachrichten