Bergdietikon
Fehlende Vorstandsmitglieder: Die Naturschutzgruppe kämpft um ihr Überleben

Findet der Verein bis Ende 2018 keine neuen Vorstandsmitglieder, wird er nach 36 Jahren aufgelöst

Fabienne Eisenring
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Schnepfenweiher oberhalb Bergdietikon
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 Alle paar Jahre wird jeweils im Herbst eine «Putzete» durchgeführt, um eine Überdüngung des bei Schulklassen beliebten Ausflugsziels zu verhindern.

Schnepfenweiher oberhalb Bergdietikon

David Egger

«Ohne Verstärkung im Vorstand muss der Verein per Ende 2018 aufgelöst werden!» Diese Hiobsbotschaft der Naturschutzgruppe Bergdietikon fanden kürzlich alle Einwohner der Gemeinde auf einem Flyer in ihren Briefkästen vor. Damit der Verein eine Überlebenschance habe, sind bestehende und neue Mitglieder dazu aufgerufen, ihn zu unterstützen – und zwar schnell, heisst es weiter.

Seit über drei Jahrzehnten setzt sich die Naturschutzgruppe für die Pflege und Entwicklung von Naturschutzobjekten sowie die Information zu Naturschutzanliegen in der Gemeinde ein. Nun sieht er einer ungewissen Zukunft entgegen. Dies, seit die beiden Vorstandsmitglieder Antonia Adelsberger und Heinz Lienhard ihren Rücktritt per Ende 2017 ankündeten.

Auch das Präsidium wird aktuell ad interim geführt. Anita Weibel war über 18 Jahre hinweg Präsidentin der Naturschutzgruppe, bis sie 2015 zurücktrat. Es vergingen keine zwei Jahre, da gab auch ihr Nachfolger Christian Bühler diesen Sommer seinen Rücktritt bekannt – infolge interner Uneinigkeiten wegen der Einsprachen einzelner Vorstandsmitglieder gegen das geplante Bikerennen im Rahmen des EKZ-Cups in Bergdietikon. Nun ist Weibel auf ihren alten Posten zurückgekehrt. «Einen Verein nach 36-jährigem Bestehen einfach aufzugeben, das wäre doch zu schade», sagt sie.

Dem stimmt auch Lienhard, seit gut 20 Jahren als Kassier tätig, zu: «Dass ich mit meinem Rücktritt quasi den Verein opfern könnte, würde sehr an mir nagen.» Zu viel Herzblut habe er investiert. Vor zwei Jahren schon wollten Adelsberger und er zurücktreten. Da sich keine Nachfolger meldeten, verlängerten sie ihre Amtsperiode um zwei Jahre. Heute stehen sie wieder vor derselben Entscheidung. «Es kann doch nicht sein, dass wir gezwungen sind, den Verein zu führen, bis wir sterben», sagt Lienhard.

«Einen Verein nach 36-jährigem Bestehen einfach aufzugeben, das wäre doch zu schade.» Anita Weibel, Interimspräsidentin der Naturschutzgruppe Bergdietikon

«Einen Verein nach 36-jährigem Bestehen einfach aufzugeben, das wäre doch zu schade.» Anita Weibel, Interimspräsidentin der Naturschutzgruppe Bergdietikon

Zur Verfügung gestellt

Fusion wäre eine Möglichkeit

Auch Urs Vogel, Vizeammann (SVP) und Präsident der Landschaftskommission von Bergdietikon, meint: «Es wäre sehr schade für die Gemeinde, wenn die Naturschutzgruppe aufgelöst würde.» Denn dann würden Aufgaben, wie etwa die «Putzete» des Schnepfenweihers, die der Verein jahrelang übernommen hat, wieder auf die Gemeinde zurückfallen. Wie genau man in diesem Fall verfahren würde, sei nicht geregelt, sagt Vogel. Für Weibel liegt auch ein Zusammenschluss mit einer anderen Naturschutzgruppe im Bereich des Möglichen. «Doch eine solche Fusion würde recht kompliziert», sagt sie. Beim Natur- und Vogelschutzverein Spreitenbach/Killwangen etwa stehe nämlich ebenfalls ein Präsidentschaftswechsel an.

Das Vereinssterben ist vergleichbar mit Darwins Theorie der natürlichen Selektion. Wenn ein Verein Probleme wie Überalterung und passive Mitgliedschaft nicht angeht, wird er aufgelöst. Genau diesen Problemen steht nun die Naturschutzgruppe Bergdietikon gegenüber. Von rund 110 Mitgliedern engagiert sich nur gut ein Zehntel aktiv an den Veranstaltungen und Arbeitseinsätzen in der Gemeinde. Von den vielen älteren Mitgliedern könne man aber nicht verlangen, dass sie draussen strenge körperliche Arbeit leisten, so Weibel.

Aktion mit der Schule geplant

Ihr ist klar, um neue, vor allem jüngere, Mitglieder zu gewinnen, muss der Verein innovativ sein. Dieses Jahr kochten die Vereinsaktivitäten auf Sparflamme. Bisher wurde bloss der jährliche Einsatz im Frühling für die Amphibienbetreuung durchgeführt, bei dem die Vereinsmitglieder Kröten, Fröschen und Molchen über die Strasse im Vorbühl halfen. Im Oktober wird der Verein mit seinen acht Jungmitgliedern das Birdlife-Naturzentrum Neeracherried besuchen.

Selbstverständlich seien auch andere Jugendliche herzlich eingeladen, ergänzt Weibel. Auch unterbreitete die Naturschutzgruppe der Leitung der Schule Bergdietikon jüngst folgende Idee: Ein Mitglied und Imker könnte im nächsten Frühling in der Schule einen Glaskasten aufstellen, durch den die Kinder über längere Zeit das Leben der Bienen beobachten können. Die erste Reaktion vonseiten der Schulleitung sei positiv gewesen, so Weibel.

Der Flyer, den der Verein auch am Neuzuzügermorgen letzten Samstag auflegte, scheint bereits Wirkung zu zeigen. Fünf Anmeldungen sind seither bei Weibel eingegangen. «Die Aussichten sind wesentlich besser, als auch schon», sagt sie. Für die Vorstandsämter interessieren sich zwei Kandidaten, einer davon ist ein Neuzuzüger. Beide werden der nächsten Vorstandssitzung beiwohnen.

Schnepfenweiher: Forstaktion in der Chele ist geplant

Im Jahr 1981 sanierten Bergdietiker Bürger und Schulklassen erstmals den Schnepfenweiher. Daraufhin wurde die Naturschutzgruppe Bergdietikon gegründet. Obwohl der Weiher und die Umgebung in Privathänden liegen, führt der Verein dort alle paar Jahre im Herbst eine «Putzete» durch.

Die Überdüngung durch herabfallendes Laub soll so verhindert werden. «Der Schnepfenweiher ist unser Sorgenkind», sagt die Interimspräsidentin der Naturschutzgruppe, Anita Weibel. Denn die regenarmen letzten Jahre hätten beim stehenden Gewässer ihre Spuren hinterlassen. Zum Schnepfenweiher, «einem Juwel von Bergdietikon», müsse man unbedingt auch in Zukunft Sorge tragen, so Weibel weiter. Vor allem, da er ein beliebtes Ausflugsziel für Kindergarten- und Schulklassen sei. Dieses Jahr werde es jedoch keinen Putzeinsatz geben.

Dafür tut sich rund um den Weiher viel: Auf den kommenden Winter ist eine Forstaktion im Gebiet Chele auf einer Fläche von zirka vier Hektaren geplant. Ziel dabei ist es, im Gebiet, das den Schnepfenweiher und die oberhalb gelegene Lichtung umfasst, den Naturwald zu fördern und wieder Platz für Tiere zu schaffen. Das ganze Waldstück soll aufgelichtet werden, indem ältere Bäume abgeholzt werden. Man sei mit der Abteilung Wald des Kantons Aargau, dem Forstrevier Heitersberg sowie den Grundeigentümern der Landstücke zusammengesessen und habe die Aktion beschlossen, sagt der Bergdietiker Vizeammann Urs Vogel (SVP). Weitere Details werden noch bekannt gegeben. (Fei)