«Ohne Verstärkung im Vorstand muss der Verein per Ende 2018 aufgelöst werden!» Diese Hiobsbotschaft der Naturschutzgruppe Bergdietikon fanden kürzlich alle Einwohner der Gemeinde auf einem Flyer in ihren Briefkästen vor. Damit der Verein eine Überlebenschance habe, sind bestehende und neue Mitglieder dazu aufgerufen, ihn zu unterstützen – und zwar schnell, heisst es weiter.

Seit über drei Jahrzehnten setzt sich die Naturschutzgruppe für die Pflege und Entwicklung von Naturschutzobjekten sowie die Information zu Naturschutzanliegen in der Gemeinde ein. Nun sieht er einer ungewissen Zukunft entgegen. Dies, seit die beiden Vorstandsmitglieder Antonia Adelsberger und Heinz Lienhard ihren Rücktritt per Ende 2017 ankündeten.

Auch das Präsidium wird aktuell ad interim geführt. Anita Weibel war über 18 Jahre hinweg Präsidentin der Naturschutzgruppe, bis sie 2015 zurücktrat. Es vergingen keine zwei Jahre, da gab auch ihr Nachfolger Christian Bühler diesen Sommer seinen Rücktritt bekannt – infolge interner Uneinigkeiten wegen der Einsprachen einzelner Vorstandsmitglieder gegen das geplante Bikerennen im Rahmen des EKZ-Cups in Bergdietikon. Nun ist Weibel auf ihren alten Posten zurückgekehrt. «Einen Verein nach 36-jährigem Bestehen einfach aufzugeben, das wäre doch zu schade», sagt sie.

Dem stimmt auch Lienhard, seit gut 20 Jahren als Kassier tätig, zu: «Dass ich mit meinem Rücktritt quasi den Verein opfern könnte, würde sehr an mir nagen.» Zu viel Herzblut habe er investiert. Vor zwei Jahren schon wollten Adelsberger und er zurücktreten. Da sich keine Nachfolger meldeten, verlängerten sie ihre Amtsperiode um zwei Jahre. Heute stehen sie wieder vor derselben Entscheidung. «Es kann doch nicht sein, dass wir gezwungen sind, den Verein zu führen, bis wir sterben», sagt Lienhard.

Fusion wäre eine Möglichkeit

Auch Urs Vogel, Vizeammann (SVP) und Präsident der Landschaftskommission von Bergdietikon, meint: «Es wäre sehr schade für die Gemeinde, wenn die Naturschutzgruppe aufgelöst würde.» Denn dann würden Aufgaben, wie etwa die «Putzete» des Schnepfenweihers, die der Verein jahrelang übernommen hat, wieder auf die Gemeinde zurückfallen. Wie genau man in diesem Fall verfahren würde, sei nicht geregelt, sagt Vogel. Für Weibel liegt auch ein Zusammenschluss mit einer anderen Naturschutzgruppe im Bereich des Möglichen. «Doch eine solche Fusion würde recht kompliziert», sagt sie. Beim Natur- und Vogelschutzverein Spreitenbach/Killwangen etwa stehe nämlich ebenfalls ein Präsidentschaftswechsel an.

Das Vereinssterben ist vergleichbar mit Darwins Theorie der natürlichen Selektion. Wenn ein Verein Probleme wie Überalterung und passive Mitgliedschaft nicht angeht, wird er aufgelöst. Genau diesen Problemen steht nun die Naturschutzgruppe Bergdietikon gegenüber. Von rund 110 Mitgliedern engagiert sich nur gut ein Zehntel aktiv an den Veranstaltungen und Arbeitseinsätzen in der Gemeinde. Von den vielen älteren Mitgliedern könne man aber nicht verlangen, dass sie draussen strenge körperliche Arbeit leisten, so Weibel.

Aktion mit der Schule geplant

Ihr ist klar, um neue, vor allem jüngere, Mitglieder zu gewinnen, muss der Verein innovativ sein. Dieses Jahr kochten die Vereinsaktivitäten auf Sparflamme. Bisher wurde bloss der jährliche Einsatz im Frühling für die Amphibienbetreuung durchgeführt, bei dem die Vereinsmitglieder Kröten, Fröschen und Molchen über die Strasse im Vorbühl halfen. Im Oktober wird der Verein mit seinen acht Jungmitgliedern das Birdlife-Naturzentrum Neeracherried besuchen.

Selbstverständlich seien auch andere Jugendliche herzlich eingeladen, ergänzt Weibel. Auch unterbreitete die Naturschutzgruppe der Leitung der Schule Bergdietikon jüngst folgende Idee: Ein Mitglied und Imker könnte im nächsten Frühling in der Schule einen Glaskasten aufstellen, durch den die Kinder über längere Zeit das Leben der Bienen beobachten können. Die erste Reaktion vonseiten der Schulleitung sei positiv gewesen, so Weibel.

Der Flyer, den der Verein auch am Neuzuzügermorgen letzten Samstag auflegte, scheint bereits Wirkung zu zeigen. Fünf Anmeldungen sind seither bei Weibel eingegangen. «Die Aussichten sind wesentlich besser, als auch schon», sagt sie. Für die Vorstandsämter interessieren sich zwei Kandidaten, einer davon ist ein Neuzuzüger. Beide werden der nächsten Vorstandssitzung beiwohnen.