Dietikon
FDP Dietikon verleiht keinen Anti-Bürokratie-Preis - aus Mangel an Fällen

Die Freisinnigen suchten vergeblich nach einer Geschichte, die bürokratische Pedanterie in Dietikon aufdecken sollte. Sie fanden keinen Fall, der eine Vergabe des «Gahts-no!-Priis» gerechtfertigt hätte.

Sophie Rüesch
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Die FDP Dietikon wollte mit dem «Gahts-no!-Priis» gegen zuviel Bürokratie in der Verwaltung ankämpfen. (Symbolbild)

Die FDP Dietikon wollte mit dem «Gahts-no!-Priis» gegen zuviel Bürokratie in der Verwaltung ankämpfen. (Symbolbild)

Keystone

Sich für diejenigen einsetzen, die sich engagieren wollen, durch unsinnige Vorschriften aber daran gehindert werden - das war das Ziel der FDP Dietikon, als sie sich entschloss, den sogenannten «Gahts-no!-Priis» ins Limmattal zu holen (Limmattaler Zeitung berichtete). Die Kantonalpartei verleiht den Preis seit drei Jahren an durch unverhältnismässige Vorschriften geplagte Bürger.

Nun sieht es aber ganz danach aus, als sei die Hilfe der FDP Dietikon gar nicht nötig: Bis zum Einsendeschluss am 30. April sei bei Ihnen keine Bürokratie-Episode eingegangen, «bei der man sich genug an den Kopf langen muss», wie Parteipräsident Werner Hogg auf Anfrage sagt. Woran es liegt, dass der Rücklauf so gering ausfiel, kann er sich nicht erklären. Er sei aber «ein bisschen enttäuscht, dass keine Geschichte eingesandt wurde, bei der man sagen muss: ‹Das ist jetzt wirklich das Letzte.›»

Kein Preis für die Stadt

Heisst das, dass die Stadt Dietikon speziell unpedantisch mit Vorschriften vorgeht? Müsste man ihr nun einen Preis verleihen für ihren unkomplizierten Umgang mit ihren Einwohnern? So weit will Hogg dann doch nicht gehen. «Eine ganz weisse Weste hat die Stadt nicht», sagt er. Da sei zum Beispiel die Geschichte, bei der jemand eine Mahnung erhielt, weil er aus Versehen bei einer Rechnung der Stadt einen Franken zu wenig einbezahlt hatte.

Für einen Fall wie diesen kann Hogg jedoch auch Verständnis aufbringen. «Die Stadt muss ja auch konsequent bleiben. Wenn man bei einem Franken ein Auge zudrückt, muss es man es morgen bei zwei und übermorgen bei drei» - und das sei ja auch nicht das Ziel der FDP Dietikon.

Stadtpräsident Otto Müller ist zufrieden, dass seine Partei keine Aufregergeschichte in seiner Verwaltung aufdecken konnte. «Es freut mich natürlich, dass wir nicht überhäuft werden mit Reklamationen, die mit grosser Bürokratie begründet werden», sagt er auf Anfrage. Er sei bestrebt, dass die Verwaltung kundenfreundlich und unbürokratisch arbeite. «Wenn Fehler passieren, soll ein persönliches Gespräch gesucht werden», so Müller.

Wie die Dietiker FDP mit dem Preis nun weiter verfährt, sei vor der Vorstandssitzung am 24. Mai zwar noch nicht entschieden, sagt Hogg. Er äussert aber Bedenken, ihn nur des Prinzips wegen zu verleihen. «Es sollte schon eine Geschichte sein, bei der es nicht nur um ein paar Franken geht», sagt er. Es sei auch nicht die Absicht der FDP, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen.