FDP
FDP-Arnet: «Der Jugend fehlt eindeutig das Engagement»

Lucas Arnet (FDP) will, dass das Schlieremer Parlament unter seiner Führung lebendig bleibt. Im Interview mit dem Sonntag sprach er über sein Amt, seine Erwartungen sowie den Druck, der auf ihm Last.

Florian Niedermann
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Herr Arnet, Sie wurden vor kurzem im Alter von 29 Jahren zum jüngsten Parlamentspräsidenten in der Geschichte Schlierens gewählt. Was bedeutet Ihnen diese historische Wahl?

Lucas Arnet: Ich mache mir nicht allzu viel aus diesem Fakt. Mich freut es, dass das Parlament eine junge Person gewählt hat. Das war in diesem Fall ich. Aber ich hätte mich auch gefreut, wenn es ein anderes junges Parlamentsmitglied gewesen wäre. Ich hoffe, meine Wahl ist auch ein Ansporn für andere, sich zu engagieren. Sie zeigt, dass die Älteren uns etwas zutrauen und dass wir Verantwortung übernehmen können.

Was unterscheidet Sie von älteren Politikern?

Was mir gegenüber älteren Kolleginnen und Kollegen fehlt, ist die politische Erfahrung. Dafür bringe ich vielleicht auch einmal neue, unkonventionelle Ideen in unser Parlament.

Heisst das, dass es auch unter Ihrer Präsidentschaft zu bedeutenden Änderungen im Parlament kommen wird?

Ich sehe derzeit keinen Anlass, das Parlament umzukrempeln. Das hat schon meine Vorgängerin Béatrice Miller gemacht. Sie war diesbezüglich ein Wirbelwind. Es gab wohl auch einige, denen der Wandel unter ihrer Präsidentschaft zu schnell ging. Ich finde diese Neuerungen noch heute richtig. Aber ich denke nicht, dass ich jetzt auch Dinge am Parlament ändern muss, nur um ihm meinen Stempel aufzudrücken.

Stehen Sie als Vertreter der jüngeren politischen Generation nicht unter einem gewissen Erwartungsdruck, was den Willen zur Veränderung angeht?

Nein. Ich selbst mache mir diesbezüglich keinen Druck, und auch von aussen wurden bisher keinerlei Erwartungen geäussert. Vielleicht auch gerade, weil sich während der letzten Amtsperiode viele grundlegende Dinge geändert haben.

Wie werden Sie während Ihrer Amtszeit das Parlament prägen?

Ich möchte, dass das Parlament unter meiner Führung ein lebendiges Gremium bleibt und weiterhin sachorientiert politisiert.

Mit «ein lebendiges Gremium» meinen Sie ...

Dass wir ab und zu auch ausserhalb der Parlamentssitzungen gemeinsam etwas unternehmen, um einen gegenseitigen Austausch abseits der Politbühne zu ermöglichen. So habe ich mich etwa dafür engagiert, dass wir ein Team am Promi-Turnier des FC Schlieren stellen. Meine Kollegen erklärten mir, dass man das mehrfach versucht habe und nie eine Mannschaft zusammengekommen sei. Dieses Jahr fand sich nun aber ein Team zusammen. Lebendig soll aber auch der politische Teil bleiben, in dem alle Parlamentsmitglieder in den verschiedenen Gremien und an Debatten partizipieren.

Sind im erwähnten Fussballteam in erster Linie Leute Ihres Semesters dabei oder spielen Sie in einem gemischten Team?

Definitiv gemischt. Es hat mich sehr gefreut, wie unsere Mannschaft zusammengestellt ist: Es spielen Parlamentsmitglieder aller Fraktionen, Geschlechter und Altersklassen mit.

Im Parlament nehmen Sie ab sofort die Rolle des Schiedsrichters ein. Wie erklären Sie sich Ihren rasanten politischen Aufstieg?

Das politische Interesse wurde mir mit auf den Weg gegeben. Wir hatten in unserer Familie einen SP-Block und einen FDP-Block. Da wurde viel diskutiert. Zunächst war ich Mitglied des Wahlbüros. 2010 fragte mich die FDP zum wiederholten Male an, ob ich nicht für das Parlament kandidieren wolle. Ich wurde mit einem sehr guten Resultat gewählt. Das lag wohl vor allem an meinem Namen. Mein Grossvater, meine Tante und meine Eltern haben alle in Schlieren politisiert. Ich bin mir bewusst, dass mir die Wähler da Vorschusslorbeeren gegeben haben. Die guten Resultate bei der Wahl zum ersten Vizepräsidenten und nun zum Parlamentspräsidenten zeigten aber, dass meine Arbeit im Parlament geschätzt wird.

Setzten Sie sich nicht auch selbst dabei unter Druck, diesen Erwartungen gerecht zu werden ?

Ich spürte sicher eine gewisse Verpflichtung dazu, mich politisch aktiv einzusetzen. Das sollten zwar alle gewählten Parlamentsmitglieder tun, aber es war in meinem Fall wohl eine spezielle Erwartungshaltung, die da auf mir lastete.

Heute wird oft moniert, dass sich die jüngere Generation nicht mehr für Politik interessiere. Sehen Sie das auch so?

Leider ist es nicht nur das fehlende politische Interesse, sondern vielmehr das fehlende ausserberufliche Engagement allgemein. Sobald ein zusätzliches Engagement gefordert ist, stösst man oft auf taube Ohren. Das ist im Vereinsleben genauso wie in der Politik.

Welche Gründe sehen Sie dafür im Bereich der Politik?

Einerseits sind viele politische Themen dem Leben der Jugendlichen naturgemäss sehr fern. Hinzu kommt eine politische Frustration. Manche denken, dass ihre Stimme sowieso nichts ändert. Auch sind Sammelvorlagen, wie sie etwa für den 17. Juni anstehen, nicht gerade förderlich. Wenn so viele kommunale, kantonale und nationale Vorlagen zur Abstimmung gelangen, schreckt das viele potenzielle Wähler ab.

Was müsste sich ändern, damit sich junge Menschen wieder vermehrt in der Politik engagieren?

Ich glaube nicht, dass es dafür ein Patentrezept gibt. Entscheidend ist aber, dass die ältere Garde den jungen politisch interessierten Leuten signalisiert, dass man sie ernst nimmt und sie etwas bewegen können. Wenn man sieht, dass einem die ältere Generation zuhört und offen ist für neue Ideen, dann ist das sicher eine gute Voraussetzung dafür, dass das Interesse an der Politik generell wieder wächst.

Wie wurden Sie in der Classe politique empfangen?

Ich habe mich im Schlieremer Parlament von Anfang an willkommen gefühlt. Man war mir und den anderen Jungen gegenüber stets offen und hat uns ernst genommen. In Schlieren herrscht eine politische Kultur, in der es nicht darauf ankommt, von wem eine Idee auf den Tisch gebracht wird. Egal, ob von Jung oder Alt, von links oder rechts – eine gute Idee findet meist breite Unterstützung. Das schätze ich sehr.

Gerade in Verkehrsfragen sind sich der Stadtrat und das Parlament oft uneinig. Wie werden Sie als Parlamentspräsident mit dieser Situation umgehen?

Es wäre problematisch, die Haltung des Parlaments zu verallgemeinern. Als Präsident ist es mir wichtig, dass das Parlament eine Diskussionsplattform bildet. Themen sollen kontrovers diskutiert werden können. Ich sehe meine Aufgabe darin, dafür zu sorgen, dass sachbezogen und im Rahmen der Geschäftsordnung diskutiert wird und es nicht zu persönlichen Attacken gegen einzelne Personen kommt. Im Idealfall resultiert aus diesen Debatten ein Konsens, der die beste Lösung für Schlieren ist.