Die Nachspielzeit war bereits angebrochen. Die Schlieremer Anhänger sehnten den Abpfiff herbei. Doch sie mussten noch zweimal den Atem anhalten. Der für Lachen/Altendorf eingewechselte Stephan Niedecken kam im Schlieremer Strafraum zu einem Kopfball, doch Schlierens Torwart Jérôme Vollenweider fing den Ball ab. Zwei Minuten später. Wieder Niedecken, wieder per Kopf. Doch diesmal konnte er den Ball nicht drücken, auch diese Chance liessen die Gäste ungenutzt.

Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter die Partie ab, und die Schlieremer brachen an diesem Samstagnachmittag in Jubel aus. Die Erleichterung über den Sieg im Startspiel der neuen 2.-Liga-Saison war den Limmattalern anzumerken. «Wir haben zu Beginn etwas Glück gehabt», resümierte Schlierens Trainer Gianni Petrone. Tatsächlich waren die Gäste besser in die Partie gestartet. Nach fünf Minuten kamen sie durch David Dimitriev zu einer ersten guten Chance, doch dessen Kopfball flog am Tor vorbei. Dann tauchte der stark aufspielende Luca Mattia im Schlieremer Strafraum auf, traf jedoch den Ball nicht richtig. Nach etwas mehr als 20 Minuten kamen auch die Limmattaler zum ersten Abschluss. Eros Pajazitis Ablenker mit der Hacke verfehlte das Tor aber deutlich.

Es folgten Torchancen auf beiden Seiten, wobei Lachen/Altendorf noch immer ein leichtes Übergewicht hatte. Das zeigte sich nach einer knappen halben Stunde, als Dimitriev innert einer Minute gleich zwei Chancen vergab. Mit ein paar Minuten Verspätung folgte die Antwort der Schlieremer. Pajaziti kam im Strafraum mit einem herrlichen Drehschuss zum Abschluss, und der Ball lag plötzlich im Netz. Doch der Schiedsrichter hatte das Spiel wegen einer Abseitsposition unterbrochen.

Eine Minute später durften die Schlieremer dann doch jubeln. Manuel «Carlos» Coelho zog von halb rechts einfach mal ab, Carlo Marty, der Goalie von Lachen/Altendorf, musste den Ball passieren lassen – 1:0 für Schlieren. Angesichts der Chancenverhältnisse bis zu diesem Zeitpunkt war dies eine eher schmeichelhafte Führung für die Limmattaler. Lachen/Altendorf versuchte, sofort zu reagieren und kam gleich im Anschluss zur nächsten Chance. Doch Dimitriev setzte seinen Kopfball abermals übers Schlieremer Gehäuse. So blieb es zur Pause bei der Führung für die Limmattaler.

Die zweite Hälfte war geprägt von viel Kampf und Krampf. Die Schlieremer versuchten nun in erster Linie, den Ball möglichst weit weg vom eigenen Tor fernzuhalten, und beschränkten sich aufs Kontern. Eine Taktik, welche die Gäste phasenweise entnervte. So zum Beispiel beim Zweikampf zwischen dem Schlieremer Eric Arekhandia und Arif Duraku, bei dem beide einander beharkten, bis letzterer seinen Gegenspieler ziemlich rüde von den Beinen holte. Oder als Torschütze Coelho allein auf Torhüter Marty zustürmte und dann zu Boden ging, worauf Marty dem Schlieremer Stürmer Schauspielerei vorwarf und sich beim Schiedsrichter lautstark beschwerte, bis Coelho schliesslich verwarnt wurde – wegen einer Schwalbe.

Viele Unterbrüche

Insgesamt sechs Spieler sahen in der zweiten Halbzeit die gelbe Karte, je drei Akteure beider Teams wurden verwarnt. Das Spiel blieb trotzdem grösstenteils fair – mit dem besseren Ende für Schlieren. «Wir sind heute die effizientere Mannschaft gewesen», meinte Petrone. «Gerade in der Schlussphase haben wir grossen Willen gezeigt.»

Verkörpert wurde dieser Wille unter anderem durch Elio Scialdone. Der rechte Aussenverteidiger zeigte eine starke Leistung, gewann viele Zweikämpfe und unterband dadurch eine Menge Angriffe der Gäste. «Wir wussten, dass es schwer werden würde, aber wir haben an uns geglaubt», so Scialdone. «Allerdings brauchen wir auch noch etwas Zeit, wir sind sozusagen eine neue Mannschaft.»

Das bestätigte auch Petrone. «Wir hatten einen grossen Umbruch», sagte der Trainer der Schlieremer, bei denen insgesamt 19 neue Spieler integriert werden mussten.«Und wir sind noch lange nicht eingespielt. Umso wichtiger war es, dass wir Willen und Ehrgeiz gezeigt haben.» Das ist auch das Ziel für den Dienstag. Dann haben die Schlieremer zu Hause gegen Stäfa bereits ihre nächste Partie. «Alle Mannschaften haben das Problem, dass sie auch unter der Woche spielen», sagte Petrone. «Für uns ist das Ziel klar: Wir wollen Stäfa bezwingen.»