Dietikon

FC Dietikon: Ein Verein braucht neue Träume

Mannschaft und Unterstützer feiern nach dem 4:1 gegen Oerlikon/Polizei den grossen Moment.

Mannschaft und Unterstützer feiern nach dem 4:1 gegen Oerlikon/Polizei den grossen Moment.

Nach 48 Jahren Unterbruch wird der FC Dietikon ab kommendem August wieder in der 1. Liga spielen. In der Saison 2012/13 war man noch knapp daran gescheitert, nach der Hausse in den 1980er-Jahren schon zum dritten Mal.

Die Auswirkungen dieses Dämpfers auf die laufende Saison hin waren schwer abzuschätzen. Doch die Mannschaft hat ihn fast trotzig weggesteckt. Die Zahl an schwachen Auftritten lässt sich an wenigen Fingern abzählen. Dietikon hat die Spielzeit mit einem Punkterekord unter Trainer Goran Ivelj abgeschlossen (59) und mit einem Torverhältnis von plus 44 keine Fragen nach der Dominanz aufkommen lassen.

Ivelj ist der Name, der als erster fällt in Verbindung mit diesem Erfolg. Sein Engagement geht weit über die Führung der ersten Mannschaft hinaus. Er treibt fast den ganzen Verein um und kann das mit Resultaten begründen. Seit Iveljs Amtsantritt 2010 ist es stets aufwärtsgegangen. Er hat den schlafenden Riesen geweckt und kann jetzt bereits den zweiten Aufstieg mit Dietikon verbuchen.

Doch auch Ivelj kann nur so gut sein, wie es das Umfeld zulässt. Der Staff ist erstklassig, der nimmermüde Sportchef Pietro Iellamo versucht seinem Trainer nach Möglichkeit alle Wünsche zu erfüllen und landet immer wieder spektakuläre Transfers. Und der Vorstand um Präsident Thomi Roth ist einerseits das nötige Regulativ, damit die Verhältnismässigkeit gewahrt bleibt. Andererseits hat er dank spezieller Gönnerformen die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen, damit der Aufstieg den Gesamtverein nicht gefährdet. An der 1.-Liga-Tauglichkeit von Mannschaft und Verein gibt es nach derzeitigem Stand keine Zweifel.

Mit dem Aufstieg hat der Klub aus dem Bezirkshauptort nach Jahrzehnten der erfolglosen Jagd seine grosse Sehnsucht endlich eingeholt. Doch wie es sich so verhält in Momenten wie diesen: Sie sind bittersüss. Denn plötzlich fehlt ein grosses Ziel, ein Traum. Selbstredend ist das Halten der Klasse eine Herausforderung – aber darüber hinaus? Selbst der forsche Sportchef Iellamo hat bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt, dass die 1. Liga Classic das höchste der Gefühle für den Verein sei.

Ein ambitionierter Ansatz wäre, mehr Eigengewächse aus dem erfolgreichen Nachwuchs in die erste Mannschaft zu integrieren. In der aktuellen Equipe spielt kein einziger Akteur, der seine Juniorenzeit zur Mehrheit im eigenen Verein verbracht hat. Die Integration ist nur über eine gute zweite Mannschaft realistisch. Weil die gegenwärtig lediglich in der 4. Liga spielt, droht ein permanenter Wegzug der gut ausgebildeten eigenen Kräfte. Das sollte sich ein Klub nicht leisten, der so viel in seine Nachwuchsabteilung investiert und über diese etliche Sponsoren gewinnt. Der Verein hat bereits Massnahmen ergriffen: Unter der Leitung der aus Schlieren zurückkehrenden Identifikationsfigur Sefket Hani soll das Reserveteam baldmöglichst in die 3. Liga aufsteigen und später die 2. Liga anvisieren. Dieses Vorhaben ist äusserst ambitioniert, gerade angesichts der eigenen Vergangenheit. Die Geschichte der Reserven ist ähnlich tragisch, wie die des Fanionteams früher war.

Vorderhand soll aber dem Feiern gebührend Platz eingeräumt werden. Denn der Verein musste oft genug Spott und Häme von aussen und innen hinnehmen, wenn die 1. Liga als Zielvorgabe genannt worden war, die Realität aber 3. Liga hiess. Das schönste Geschenk zum Aufstieg kann man sich selbst machen: Am kommenden Sonntag spielt man gegen den Meisterschaftszweiten Seefeld um den neuerlichen Einzug in die Hauptrunde im Schweizer Cup. Dort winkt das grosse Los – und ein Traum in der Form einer Sensation.

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