Gesundheit
Fasten ist seit 20 Jahren ihr Frühlingsputz für den Körper

Rund 60 Teilnehmer der ökumenischen Fastengruppe begehen einmal ihm Jahr zusammen eine Kur. Von deren positiver Wirkung ist auch Maria Scherrer überzeugt.

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Maria Scherrer nimmt sich während des Fastens mehr Zeit für sich und geniesst die kleinen Dinge.

Maria Scherrer nimmt sich während des Fastens mehr Zeit für sich und geniesst die kleinen Dinge.

Gep

Der Mensch ist von Natur aus darauf ausgerichtet, für eine gewisse Zeit problemlos ohne Nahrung auszukommen. Ein gesunder Mensch kann gut 60 Tage überleben, solange er genügend Wasser, Vitamine und Mineralien zu sich nimmt. Wie viel Fasten aber wirklich gesund ist, darüber gehen die Meinungen stark auseinander.

Eine, die davon überzeugt ist, dass Fasten guttut und die Prozedur ab dem 15. März für fünf Tage durchziehen wird, ist Maria Scherrer. Die 82-Jährige verzichtet seit 20 Jahren einmal jährlich auf jegliche Art von Nahrung und nimmt lediglich Tee und Wasser zu sich. Gemeinsam mit der Fastengruppe Dietikon beschreitet sie ihre Saftkur. «Einmal wegkommen von Essen und abzuschalten, geniesse ich sehr», sagt sie.

Schon ein paar Tage vor Beginn verzichtet die Dietikerin auf Kaffee und Fleisch. Stattdessen isst sie mehr Gemüse. Es sei wichtig, den Körper schon vor der Fastenzeit zu entlasten und nicht radikal umzustellen. Ihr Glück sei es, sowieso nicht gerne Süssigkeiten zu essen.

So falle ihr der Verzicht auf Zucker leicht. Hingegen werde sie das Frühstücken vermissen, so Scherrer. Vor allem in den ersten drei Tagen verspüre sie oft die Lust, eine Scheibe von ihrem selbst gebackenen Vollkornbrot zu essen. Dieses isst sie sonst jeden Morgen zusammen mit Konfitüre, Käse, einem gekochten Ei und Dörrbirnen.

Doch der Verzicht auf Essen ist nicht das Einzige, das sich in der Fastenzeit ändert. Man nehme sich mehr Zeit für sich selbst, so Scherrer. Sie geniesse es, lange Spaziergänge zu machen oder sich in gute Bücher zu vertiefen.

Ausserdem hat in der Fastengruppe Dietikon jeder Teilnehmer die Möglichkeit, sich einer Gruppe anzuschliessen. Scherrer besucht jeweils die Morgenmeditation, die um halb sieben in der reformierten Kirche beginnt. Früh aufzustehen und zu Fuss dorthin zu gehen, sei wunderschön, schwärmt Scherrer. «Die Vögel zwitschern, die ersten Blumen wachsen und niemand ist auf den Strassen unterwegs.»

Ein zusätzlicher Vorteil, sich innerhalb einer Gruppe zu treffen, sei zudem der Austausch untereinander. Man spreche über das eigene Befinden beim gemeinsamen Teetrinken. Einige der Teilnehmer klagten dabei jeweils über Glieder- oder Kopfschmerzen, so Scherrer. Sie selbst habe glücklicherweise noch nie Probleme gehabt.

Scherrer empfiehlt die Kur aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung jedem, der gesundheitlich keine Beschwerden hat. Wer nicht auf alles verzichten wolle, könne auch Basenfasten. Dabei darf man basische Lebensmittel wie Früchte, Gemüse und Nüsse zu sich nehmen. «Besonders für Menschen im Berufsleben eignet sich diese Art des Fastens gut.»

Nach sieben Tagen Tee und Wasser freut sich aber auch Scherrer jeweils wieder auf feste Nahrung. Das Geschmacksempfinden sei dann wieder viel ausgeprägter. In einen Apfel zu beissen, sei ein wahres Erlebnis. Scherrer bereitet sich jeweils am ersten Tag nach dem Fasten einen mageren Fisch zu und beträufelt diesen mit Zitrone.

«Diesen geniesse ich dann in vollen Zügen.» Es sei wichtig, nicht gleich wieder fettig und kalorienhaltig zu essen. Leichte Kost wie frisches Gemüse sei am bekömmlichsten. Empfehlen könne sie auch gekochte Kartoffeln mit Quark und frischem Bärlauch.

Die Dietikerin ist überzeugt davon, dass ihr das Fasten guttut und es sie jung halte. Genau so wichtig sei es jedoch, sich das ganze Jahr über gesund zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen. Aber auch die positive Einstellung zum Leben sei entscheidend. «Ich gehe jeden Tag mit offenen Augen durch die Welt und entdecke Neues», sagt sie.

Ernährungsberaterin Daniela Schneider erklärt, wieso kurzfristiges Fasten der falsche Ansatz ist, die überschüssigen Pfunde loszuwerden

Ergibt Fasten Sinn?

Daniela Schneider: Beim Fasten geht es mehr um das persönliche Körpergefühl, so ganz im Sinne einer Regeneration von Körper und Seele. Anerkannte Nachweise, dass der Körper therapeutisch «entgiftet oder entschlackt» wird, liegen nicht vor. Fasten macht aber sicher für diejenigen Sinn, die sich gedanklich über die Ernährung und das Wohlbefinden im eigenen Körper besinnen wollen.

Worauf muss ein gesunder Mensch achten , wenn er erstmals fastet?

Der Zeitpunkt sollte genau überlegt sein, da es einige Tage Vorbereitung braucht, zum Beispiel für eine gezielte Darmentleerung. Viele nehmen sich eine Woche Auszeit dafür. Während des Fastens fühlt man sich in den ersten Tagen schwach und müde, es ist empfehlenswert, die Zeit gemütlich anzugehen.

Wer sollte besser nicht Fasten?

Eine vorherige ärztliche Untersuchung ist ratsam, um zu entscheiden, ob eine Fastenwoche durchgeführt werden kann. Kranke Personen, etwa Menschen mit erhöhtem Blutdruck oder Herz-Kreislaufproblemen, aber auch Diabetiker mit Insulintherapie sollten vom Fasten absehen.

Sie sagen Fasten sei sinnvoll, um sich gedanklich besinnen zu wollen. Das heisst, Fasten hat keine Wirkung auf den Darm?

Es geht nicht alleine um den Darm, sondern insgesamt um die Ausscheidung, beziehungsweise Ableitung der schädlichen Stoffwechselprodukte über Darm, Niere und Leber. Die Wirksamkeit lässt sich jedoch nicht nachweisen.

Was passiert während dieser Zeit mit dem Körper?

Der Körper kann Rauschzustände erleben, denn ihm fehlt Energie. Fasten, mit dem Ziel abzunehmen, ist definitiv der falsche Ansatz.

Warum ?

Einige Menschen haben die Überzeugung, dass sie während dem Fasten abnehmen können und dann nach einer Woche wieder das gleiche Ernährungsverhalten wie davor weiterführen können. Dafür ist das Fasten allerdings nicht gedacht. Hingegen kann es als Ausgangslage dienen, die Essgewohnheiten im Allgemeinen anschliessend zu verändern und so das Gewicht Schritt für Schritt zu reduzieren.

Wie wirkt sich ein einwöchiges Fasten auf das Körpergewicht aus?

Durch die Entwässerung des Körpers verliert er an Gewicht. Auch die Fettmasse sowie die Muskelmasse werden in geringem Masse verkleinert. Das reduzierte Gewicht kann vielfach nicht gehalten werden, da anschliessend wie gewohnt weitergegessen wird, anstatt ein vernünftiges Anschlussprogramm aufzunehmen.

Was gibt es für Arten zu Fasten?

Jeder bevorzugt andere Methoden. Im ursprünglichen Sinne sind Genussmittel sowie gewisse Getränke und Nahrungsmittel einzuschränken. Es gibt Saftkuren, bei welchen nebst Gemüse- auch verdünnte Obstsäfte konsumiert werden können. Dies führt sicherlich zu einem angenehmeren Wohlbefinden, da ein wenig Zucker konsumiert wird. Auch Basenkuren sind im Trend. Letztendlich sollte jeder individuell für sich entscheiden.

Interview: Anja Mosbeck