Wie ein intergalaktisches Raumschiff steht es neben den Gleisen in Schlieren: Mit seinen knalligen Regenbogenfarben zieht das neue Bürohaus Wiesenstrasse im Stadtteil am Rietpark die Blicke der Passanten auf sich. Verantwortlich für die Farbenpracht ist der Zürcher Künstler Kerim Seiler, der als Teil der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) auf dem Schlieremer Gasi-Areal arbeitet. Er hat die ungewöhnliche Fassade in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Slik gestaltet.

Mit der Enthüllung der Fassade wurde das Gebäude gleich gegenüber dem Bahnhof Schlieren gestern kurz vor dem Einzug der ersten Büromieter eingeweiht. Das Gebäude, das den architektonischen Auftakt des von der Firma Halter entwickelten Stadtteils am Rietpark bildet, erstreckt sich auf rund 115 Meter entlang den Gleisen und bietet Geschäftsflächen auf sechs Etagen.

Der Raum als Leinwand

Dass sein Kunstwerk an einen Ort für kommerzielle Zwecke gebunden ist, stört Künstler Seiler wenig. Im Gegenteil: «Gerade im BusinessBereich sind künstlerische Projekte wichtig», sagte er gestern. In der Kunst mache er sowieso keine Unterschiede zwischen öffentlichen Räumen und solchen, die der Kunst vorbehalten seien, sagte er – frei nach seinem Motto «space is my canvas» oder zu Deutsch: Der Raum ist meine Leinwand.

Schon 2012 konnte der Künstler mit «118-11 (Kerims Lampenladen)» ein Projekt für die breite Öffentlichkeit realisieren. Die 250 Meter lange Lichtwand mit ihren Neonröhren zwischen Europaallee und dem Zürcher Hauptbahnhof ist aber nur noch dieses Jahr zu bestaunen.

Seilers Komposition am Schlieremer Bürogebäude nennt sich «Iris» und besteht schlicht aus einzelnen Sonnenstoren. Erst wenn die Sonne die Büroinsassen blendet, werden die farbigen Membranen heruntergefahren und sichtbar. Laut Seiler reflektieren die Storen in stetiger Veränderung das Geschehen im Innern des Gebäudes. So entstehen an der Fassade laufend neue Farbkonstellationen, je nachdem, wer gerade den Sonnenschutz aktiviert hat. Auch im Innern des Gebäudes verändert sich so je nach Tageszeit und Stellwinkel der Storen die Lichtstimmung.

Berlin, Hamburg, Bukarest

Seilers künstlerische Karriere begann mit dem Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Zürich. Daraufhin studierte er «Media Mixtes» an der «Ecole supérieure d’art Visuel Genève» und erweiterte seine Kenntnisse anschliessend durch das Studium für Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seinen Master in Architektur schloss der Künstler schliesslich im Jahr 2011 an der ETH Zürich ab. Allein in den letzten vier Jahren stellte er seine Kunstwerke unter anderem in Berlin, Hamburg, Johannesburg und Bukarest aus.