Bergdietikon
Farbliebhaberin Pia Wicki Werffeli lässt ihre Finger malen

Pia Wicki Werffeli stellt ihre Bilder derzeit im Gemeindehaus aus. Sie entstehen alle ganz ohne Pinsel. «Ich brauche den Kontakt zur Leinwand, um ein Bild entstehen zu lassen», so die Malerin.

Maika Schelb
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Die Künstlerin Pia Wicki Werffeli vor einem Bild im Gemeindehaus.

Die Künstlerin Pia Wicki Werffeli vor einem Bild im Gemeindehaus.

Limmattaler Zeitung

Striemen in orange oder schwarz durchziehen milchig-weisse Oberflächen - das haben viele Bilder von Pia Wicki Werffeli, die aktuell im Gemeindehaus in Bergdietikon ausgestellt sind, gemeinsam. Ansonsten erzählt jedes Bild seine eigene Geschichte. Dadurch, dass Wicki viele ihrer Bilder mehrmals übermalt, können die Betrachter den Prozess der Entstehung in Form von durchschimmernden Farben erkennen.

Versteckte Gegenstände im Bild

Aber nicht nur Farben schimmern durch: Bei genauerem Betrachten kann auch ein Faden oder ein Leinenstück entdeckt werden. «Wenn ich einen Gegenstand in das Bild integriere, ist dieser meist mit einer persönlichen Erinnerung verbunden.» So erinnere Wicki das versteckte Leinenstück an den Ort, an dem sie es gekauft habe, oder ein Faden an ein lieb gewonnenes Kleidungsstück.

Die Dominanz der weissen Farbtöne stechen dem Betrachter schnell ins Auge. «Weiss beruhigt. Ein Bild mit knalligen Farben gefällt mir, vor allem nach längerem Betrachten, weniger gut», erklärt die Künstlerin. Manchmal versuche sie es mit einer knalligen Farbe und merke dann, dass dies doch nicht zu ihr passt. «Dann übermale ich das Bild doch wieder mit weiss, wodurch es für mich harmonischer wirkt.»

Mit den Fingern auf der Leinwand

Wickis Werke entstehen ganz ohne Pinsel: «Ich brauche den Kontakt zur Leinwand, um ein Bild entstehen zu lassen», so die Malerin. Also taucht sie ihre Finger und Handflächen kurzerhand in Acryl und Gouache und lässt ihrer Fantasie freien Lauf. Erzwingen will Wicki nichts: «Ich male manchmal auch zwei Monate gar nicht und dann packt es mich auf einmal wieder. Es muss mich etwas inspirieren.» Dies kann durch die Natur oder einen Film, aber auch durch eine Werbung oder ein Magazin geschehen: «Ganz plötzlich faszinieren mich verschiedene Farbkombinationen. Und dann male ich.»

Farben und morderne Kunst haben die Bergdietikerin schon immer fasziniert. Um selber Kunst zu kaufen, hatte die junge Familie früher aber zu wenig Geld. «Da dachte ich, ich male die Bilder doch gleich selber», sagt Wicki.

Und so fing sie vor etwa 20 Jahren mit ersten Papier- und Leinwandversuchen an und hing die Bilder bei ihr zuhause auf. Immer noch hängt sie jedes gemalte Bild erst bei sich auf, bevor sie es verkauft: «Diese Bilder sind ein Teil von mir. Ich muss eine Zeit lang mit ihnen gelebt haben, bevor ich sie wieder weggebe. Ausserdem erhalte ich auf diesem Wege wertvolles Feedback von meiner Familie.»

Die Ausstellung im Gemeindehaus Bergdietikon dauert noch bis zum 17. Dezember. Weitere Infos finden Sie unter www.pia-art.ch