Arbeitskleidung
Farben und Warnmuster für Strassenarbeiter

Strassenarbeiter leben gefährlich. Darum hat das Zürcher Strasseninspektorat seinen Mitarbeitern und Fahrzeugen ein neues Outfit verpasst.

Reto Flury
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Schweiz am Sonntag

Wie gefährlich der Strassenunterhalt auf Zürcher Autobahnen ist, zeigt eine Zahl: Pro Jahr werden bis zu 15 robuste Anpralldämpfer mobiler Warntafeln zu Schrott gefahren - weil die Autofahrer telefonieren, SMS schreiben, Sandwich essen oder schlicht träumen. «Das sind 15 potenzielle Schwerstunfälle», sagt Reto Färber, Strasseninspektor der Kantons Zürich.

Denn die Warntafeln, die bei Unterhaltsarbeiten einen Spurabbau anzeigen, sind hinten an Lastwagen angebaut. Sie kommen zum Einsatz, wenn Mitarbeiter des Strassendiensts zum Beispiel Schlaglöcher reparieren, Kanalreinigungen durchführen oder Grasborde mähen. Unfälle können tragisch enden. 2010 wurde auf der A1 ein Strassenarbeiter verletzt, als ein Lastwagen mit Wucht ins Warnsignal prallte. Der Mann schied aus dem Dienst, weil er das Erlebnis nicht verarbeiten konnte.

Neben Unachtsamkeit und Rasertum macht den Arbeitern aber noch ein Drittes das Leben schwer: Autofahrer missbrauchen sie zusehends als Blitzableiter für Frust und Ärger (siehe Kasten). «Unsere Mitarbeiter gelten immer öfter als Störenfriede», sagt Färber. Zum Beispiel wegen Staus vor Baustellen. «Dabei verrichten sie doch nur ihre Arbeit: Sie stellen die Verfügbarkeit der Strassen sicher.»

Besser sichtbar und auffallen

Unfälle, Fastunfälle, Aggressionen: Aus all den Gründen beschloss das Strasseninspektorat zu handeln. Es liess für Kleider und Fahrzeuge ein neues Design entwerfen. Das Ziel: Die Mitarbeiter sollen besser sichtbar werden und im Verkehr auffallen. Färber: «Wir wollen mehr Sicherheit und Identität schaffen.»

Denn dies war ein weiteres Problem: Der Strassenunterhaltsdienst ging optisch fast unter, weil die Autos bunter und das Orange kopiert wurden. Normale Autofahrer können private und staatliche Strassenarbeiter nur schwer auseinanderhalten. Dank neuer Kleider sollen sich seine Mitarbeiter abheben, sagt Färber. «Damit stärken wir auch ihre Autorität im Alltag.» Zum Beispiel wenn sie in den Verkehrsfluss eingreifen müssen.

Das Strasseninspektorat veranstaltete einen zweistufigen Wettbewerb, den das Zürcher Studio CRR gewann. Die Grundfarben sind (Kommunal-)Orange, Blau für Zürich sowie Silbergrau für den scharfen Kontrast. Kostenpunkt für die Entwicklung: rund 120 000 Franken. Das Warnmuster auf den Fahrzeugen ist extra unruhig. Ihre Grundfarbe ist Weiss, um den Kontrast zu den Arbeitern in ihren orangen «Gwändli» zu erhöhen. «Sie arbeiten oft bei kritischen Lichtverhältnissen», begründet Färber. Zum Beispiel nachts, bei Dämmerung oder bei Tunnelportalen, wo die Augen der Autofahrer schnell umschalten müssen.

Reflektieren ist verboten

Hosen, Shirts, und Pullover wurden im letzten Herbst umgerüstet. Die Männer stechen jetzt dank reflektierendem Silberstreifen heraus. Die Fahrzeuge erhalten das neue Outfit, wenn sie neu angeschafft werden. Bis alle umgestaltet sind, kann es darum noch einige Jahre dauern. Ein Umstyling auf einen Schlag wäre zu teuer.

Die Farbkleber an den Fahrzeugen sind ohnehin erst provisorisch. Grund: Sie dürfen nachts nicht leuchten. Gemäss einer Verordnung des Bundes ist das Reflektieren für Polizei, Feuerwehr und
Sanität reserviert. Doch das könnte sich bald ändern. Das Zürcher Strasseninspektorat regte beim Bund an, die Verordnung zu ändern. «Wir stiessen auf offene Ohren», sagt Färber. Vielleicht billigt der Bund den Strasseninspektoraten noch dieses Jahr leuchtende Fahrzeuge zu.

Wenn die reflektierenden Farbmuster aufgeklebt sind, wird man die Lastwagen nachts auf 350 Meter sehen können. «Das sollte reichen, um selbst bei Tempo 120 rechtzeitig zu reagieren», sagt Färber.

Das Design gehört dem Kanton Zürich exklusiv. Das Strasseninspektorat liess es von einem Patentanwalt rechtlich schützen. Aber wenn die Strassendienste anderer Kantone oder Gebietseinheiten des Nationalstrassenunterhalts interessiert sind, wird Zürich die Nutzung erlauben. «Wir achteten darauf, dass man es farblich anpassen und übertragen kann.» Einige Kantone und Gebietseinheiten haben bereits Interesse gezeigt.

Das Echo auf das neue Design sei positiv, sagt Färber. «Unsere Mitarbeiter schätzen, dass man sie besser wahrnimmt.»