Chicago

Es begann mit dem Flug nach Chicago, dann weiter nach Detroit. Dort fanden die Spiele gegen die USA und Rumänien statt. Der Maler Gubmann aus Dietikon und ich schauten uns das Stadion, den Silverdome, vorher von aussen an – läck, riesig!

Wir waren im Holiday Inn, von wo wir mit alten Dreiachser-Bussen zum Stadion fuhren. Wie viele Busse da waren! Man musste sich den Bus merken für die Rückfahrt, damit man nicht am falschen Ort landete.

Wir hatten Plätze hinter dem Tor. Es waren zwar Sitzplätze, aber sind die meiste Zeit gestanden. Gegen die USA erzielte Bregy das Schweizer Tor mit einem Super-Freistoss ins Kreuz. Und gegen Rumänien wars natürlich super: Die Schweiz führte 1:0, dann fiel das 1:1, und dann machte die Schweiz das 2:1, das 3:1 und das 4:1. Wir haben grausam gejohlt.

WM 1994 Sieg gegen Rumänien

WM 1994 Sieg gegen Rumänien

Es hatte einen Siech voll Schweizer da: Ausgewanderte aus den USA und Kanada. Vor dem Stadion fand ich den richtigen Bus gleich. Ein Ortskundiger fuhr in einem Jeep voraus und fuhr total im Ghetto herum. Bis wir wieder im Hotel waren… Andere im Bus regten sich brutal auf, ich sagte: Hey, hey, wir sind doch in den Ferien hier, auf Deutsch gesagt.

Auch Erich Burgener vom Schweizer Trainerstab war in unserem Car. Ab dem bin ich fast verreckt. Der riss Witze und machte Sprüche – ein typischer Walliser.

San Francisco

Dann ging es weiter nach San Francisco zum Spiel gegen Kolumbien. Die Reiseleiterin drückte mir zwei kleine Schweizerfähnchen in die Hand. Ich lief der Strasse entlang, dann kam eine und plötzlich: zack! zack! Sie hatte mir die Fähnchen weggenommen. Sie zeigte uns ihren Ausweis: ein Sheriff. Wir durften keine Fahnen ins Stadion nehmen, nur die amerikanischen Fans. Das war etwas komisch, aber ich sagte: Jä nu, was solls.

Das Spiel war das, wo Sutter eigentlich nicht hätte spielen dürfen, weil er sich einen Zeh gebrochen hatte. Die Schweiz verlor, aber es kam nicht mehr darauf an, weil sie schon weiter war. In Washington traf sie im Achtelfinal auf Spanien. Nachdem wir am Flughafen angekommen waren, sah ich schon von weitem den Mann mit der Tafel, der uns abholte. Er fuhr uns in einem grünen Cadillac, einem Bonzenwagen, ins Hotel. Das heisst: Er brachte uns in ein anderes als zunächst angenommen – ein Bombenhotel mit goldenen Leuchtern, tipptopp.

Nach dem Spiel liefen spanische Fans an uns vorbei. Ich ging auf einen zu, gratulierte ihm zum Sieg und sagte ihm, dass sie gut gespielt hätten. Er fragte mich, ob ich mit ihnen festen will, aber ich musste ja zurück ins Hotel.

Washington und Boston

Von Washington ging es weiter nach Boston, wo wir Nigeria - Italien und Italien - Spanien schauten. In New York sahen wir dann den Super-Match Deutschland - Bulgarien. Letchkov, der in Deutschland spielte, warf die Deutschen mit einem Kopfballtor raus.

Los Angeles

Danach flogen wir nach Los Angeles, wo wir einen Halbfinalmatch sahen, Schweden gegen Brasilien, glaube ich. Im Rose Bowl Stadion schauten wir schliesslich den Final. Es war extrem heiss, sie hatten im Innenraum des Stadions Leitungen mit kleinen Schlitzen, wo Wasser herauskam, zum Kühlen, das war natürlich super. Und dann die Brasilianerinnen! Die standen am Eingang und schmierten jedem ihre Farben ins Gesicht – ich dachte: macht ihr nur.

Dann sah ich das Spiel, das ein bisschen schwach war, bevor einer von oben herab rief: «Hoi Boulanger, bist du auch hier!» Ich sah ihn gar nicht von unten her. Ich glaube, es war einer aus Engstringen.

In diesen fünf Wochen habe ich alles gesehen, was ich sehen wollte. In Detroit in einem griechischen Restaurant hat man mir gleich einen Hirtenstab in die Hand gedrückt und ein Foto gemacht, das habe ich noch zu Hause. Und am Hafen waren Polizisten auf Harleys. Ich fragte einen, ob ich draufsitzen darf und er ein Foto macht – kein Problem. Eines habe ich nicht gemacht in den USA: Hamburger gegessen. Ich nahm lieber ein Steak.