Denn auf praktisch allen Listen tummeln sich Kinder, Geschwister und Ehepartner der Spitzenkandidaten. Auffällig ist, dass sich die neuen Kandidaten meistens brav an die parteipolitische Präferenz ihrer bereits amtierenden Verwandten halten.

Erziehen politisch aktive Dietiker Eltern ihre Kinder demzufolge besonders geschickt, sodass diese nicht rebellieren, sondern ihnen nacheifern? Und sind Dietiker Familien zudem oft auch gleich noch bereit, sich sozusagen als Familienpackung zu engagieren? Vielleicht. Zumindest legen Studien nahe, dass der «politische Erziehungseffekt» besonders gross ist, wenn mindestens ein Elternteil eine politisch verantwortliche Funktion übernommen hat.

Das ist aber nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Denn auffällig ist auch, dass sich in Dietikon ein Grossteil der neu kandidierenden Verwandtschaft auf den hinteren Listenplätzen versteckt – und es ist ein offenes Geheimnis, dass sich dort untergebrachte Personen generell eher als Listenfüller denn als ernsthaft interessierte Kandidierende sehen.

«Es ist schwierig, Leute für Parlamentslisten zu finden»

Martin Müller, Spitzenkandidat auf der Liste der Demokratischen Partei, gibt denn auch unumwunden zu, dass es im hinteren Bereich der Listen vor allem darum geht, Plätze herauszuholen. Denn für die Partei zählt jede Stimme. «Es ist wahnsinnig schwierig, Leute für Parlamentslisten zu finden», sagt er. «Gerade gut vernetzte Personen haben oft Angst, dass sie tatsächlich gewählt werden – und das wollen sie nicht.» Deshalb rekrutiere praktische jede Partei Kandidierende in den eigenen Familien. Auch Müller selber: Auf der DP-Liste findet sich auch sein 21-jähriger Sohn.

Doch am tiefsten in die Familienkiste gegriffen hat die SP: Auf ihrer Liste finden sich nicht weniger als elf Verwandte von amtierenden oder ehemaligen Ratsmitgliedern. Wobei auch nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Sozialdemokraten die Einzigen sind, die eine 36er-Liste eingereicht haben, auf der keine Person zwei Mal aufgeführt ist.

Damit trotzdem alle Plätze gefüllt werden können, stehen von allen sechs amtierenden und wieder antretenden Gemeinderäten Familienmitglieder bereit: die Frau und eine Tochter von Peter Wettler, die Frau von Sven Koller, der Mann und ein Sohn von Catherine Peer, der Bruder von Rosmarie Joss, der Mann von Esther Sonderegger und ein Sohn und eine Tochter von Anton Kiwic. Ein weiterer Sohn Kiwics hingegen geht auf der Liste der Grünen fremd. Dafür stellen sich auch noch zwei Kinder des ehemaligen Gemeinderats Rolf Steiner zur Verfügung.

SVP will keine Listenfüller, EVP familiär

Kaum Verwandte sind dafür auf der SVP-Liste zu finden: Einzig der Bruder und die Nichte von Stadtrat Roger Brunner (SVP) kandidieren. Man lege Wert darauf, keine Listenfüller zu haben, sagt Präsidentin Astrid Dätwyler. «Wir haben nur Kandidierende, die auch wirklich wollen.»

Recht familiär geht es dafür auf der EVP-Liste zu und her: Die 23-jährige Gemeinderätin Naemi Weinmann – selber Tochter einer ehemaligen EVP-Gemeinderätin – hat ihren Vater mitgebracht, Gemeinderätin Christiane Ilg ihre Tochter und EVP-Präsident Thomas Wirth seine Frau Daniela, die jedoch «mehr als eine Statistin» sei. Daneben finden sich auf der Liste auch Verwandtschaften über die Gemeindegrenze hinaus: Peter Rottensteiner ist der Schwager der Urdorfer EVP-Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner. Mit Nadine Burtscher, Tochter des SVP-Gemeinderats Rochus Burtscher, kandidiert zudem eine der wenigen Personen, deren Familienverbindung parteiübergreifend ist.

In der FDP ist bereits heute eine Familie vertreten: Zwei der drei Söhne von Stadtpräsident Otto Müller sitzen im Parlament, während seine Frau Doris Müller 2002 ebenfalls ins Parlament gewählt wurde, jedoch mit Verweis auf einen Interessenskonflikt ablehnte. Dieses Jahr finden sich dafür auf den hinteren Listenplätzen Sohn und Frau von Gemeinderat Martin Romer und die Frau von Gemeinderat Werner Hogg – der jedoch zugibt, dass man vor allem dringend noch ein paar Frauen gesucht habe.

Familie Joss bei AL und SP

Politischer Familiennachzug ist auch bei der CVP erkennbar, wobei auch hier so die hintersten Plätze gefüllt werden: mit dem Sohn des abtretenden Stadtrats Johannes Felber, dem Sohn des Gemeinderats Max Wiederkehr, dem Bruder des Gemeinderats Roger Studer, und der Schwester, beziehungsweise Tochter der ehemaligen Gemeinderäte Josef Wiederkehr und Pius Meier.

Bei den Grünen sind der Sohn von Fraktionschef Lukas Neff und der Mann von Gemeinderätin Catalina Wolf – Kantonsrat Andreas Wolf – am Start, bei den Grünliberalen das Ehepaar Lo Russo und bei der AL der Bruder von Gemeinderat Ernst Joss – während sein Sohn und seine Tochter bei den Sozialdemokraten zu Hause sind. Keine Verwandtschaften unter Kandidaten finden sich einzig auf der kleinen Liste der EDU, die sich jedoch auch kaum Chancen auf einen Sitz ausrechnen darf.