Die Sonne strahlte am Samstag hoch über Dietikon. Fast so, als müsste sie sich für den verregneten Sommer in aller Form entschuldigen. Es galt, einiges gutzumachen: Der Familiengarten-Verein und dessen Areal lockten mit einem grossen 50-Jahre-Jubiläumsfest die passionierten Gärtnerinnen und Gärtner der Stadt an. Und so betraten die Besucher eine ganz eigene, blühende Welt. Rein von der Lage her könnte das Gelände auch als «die hängenden Gärten von Dietikon» bezeichnet werden. Eine fast unbezahlbare Idylle — das weiss auch Waldemar Köhli, Präsident des Fest-OKs, der in seiner Rede von einem «kleinen Paradies» sprach. Die versammelten Gäste zeigten sich sichtlich stolz auf die vergangenen 50 Jahre. Angetan war auch Stadtpräsident Otto Müller, der als Ehrengast ebenfalls die friedliche Zusammenarbeit der insgesamt 97 Pächterinnen und Pächter lobte.

Ein Paradies mit Vorschriften

Freilich musste Mario Rogenmoser, Präsident des Vereins, betonen, dass für eine Idylle auch gewisse Vorschriften nötig sind. «Die 50 sind eine spezielle Marke», so der Gartenchef. Die Zeit vergehe schnell und nicht spurlos vorüber. Sind etwa Risse im Paradies erkennbar? Walter Unterfinger sprach lieber von einer Phase des Wechsels. «Eine neue Generation ist auf dem Areal eingezogen», so der langjährige Pächter einer Parzelle. Stand früher die Arbeit im Vordergrund, so sei es heute eher das Vergnügen. Doch dem Wandel der Zeit will er nicht im Wege stehen — auch wenn lieb gewonnene Traditionen, wie etwa das gemeinsame Anstossen auf einen neuen Pächter, immer mehr verschwinden.

Denn nicht zuletzt verbindet die Freude am Gärtnern über verschiedene Grenzen hinweg. Das Jubiläumsfest tat sein Übriges, um dies zu würdigen. Martin Kägi, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit und das Sponsoring, sprach von einer grossen Herausforderung. «Für die Fest-Planung benötigten wir über ein Jahr», erklärt er. Besonders lobte er den Teamgeist, der in dieser Zeit noch stärker wurde; schliesslich mussten vier Ressorts für das Jubiläum Hand in Hand arbeiten.

So wurde den Besuchern an den zwei Festtagen denn auch vieles geboten: Während an den Nachmittagen mit den Kindern besonders die nächste Gärtnergeneration im Mittelpunkt stand, fanden sich abends die Erwachsenen rund um das Festzelt ein, um sich bei Bier und Wein sowie Kartoffelsalat und Wurst zu verköstigen. Dabei schallte das Musikprogramm — vornehmlich Volksmusik, wie am Samstag etwa vom Duo «Die Entertainer» — unüberhörbar über das Gelände.

Und so kam es, dass ein Teil des Dietiker Gemeinderats zu den Klängen der Country-Ballade «Some Broken Hearts Never Mend» in das Fest hereinspazierte. «Die Prominenz kommt», lachte eine der Besucherinnen. Die Parlamentarier kamen gerade von ihrem alljährlichen Ausflug, der sie heuer in den Thurgau führte, wie Gemeinderatspräsidentin Christiane Lutz-Ilg erklärte. Den Besuch am Jubiläumsfest erachtete sie als «willkommenen Abschluss eines perfekten Tages».

Den Sommer wiedergutgemacht

Beschaulich ging es derweil im Kafi-Stübli zu. Nicht nur ältere Semester liessen es sich dort bei einem verlockenden Kuchenangebot gut gehen. Auch Annerös Ungrecht war zugegen und schwärmte vom Fest wie auch von ihrem Rosengarten, der allerdings nicht zum Verein gehört. Dennoch hat sie ein Auge auf die Nachbarschaft. «Im Sommer wurden viele Pflanzen verhagelt, doch mit viel Pflege war nicht alles verloren», weiss Ungrecht.

Dass die vergangenen Wochen alles andere als ideal für die Gartenarbeit waren, mussten auch Angela Hediger und ihre Familie erfahren. Besonders für die Kinder, die im eigenen Schrebergarten lernen können, dass Gemüse nicht im Supermarkt wächst, war das hart. Doch die Familie ist sich einig, dass das sommerliche Wetter an diesen zwei Festtagen den grauen Sommer immerhin ein bisschen vergessen lässt. Optimistisch blickt sie mit den anderen Pächtern in eine neue Zukunft.