Bezirksgericht Dietikon
Familienfehde war Grund für Anzeige - Angeklagter freigesprochen

Ein Bauarbeiter wurde vom Vorwurf der mehrfachen Körperverletzung gegen seinen damals zwei- bis dreijährigen Stiefsohn entlastet. Vor dem Bezirksgericht Dietikon kam heraus, dass hinter der damaligen Anzeige eine langjährige Familienfehde steckt.

Attila Szenogrady
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Limmattaler Zeitung

Die Vorwürfe gegen den heute 23-jährigen Bauarbeiter aus dem Limmattal wogen schwer. So soll der Portugiese zwischen Juni 2010 und Mai 2011 sein damals zwei- bis dreijährigen Stiefsohn wiederholt geschlagen haben. In der Anklage ist von vier Vorfällen die Rede. Dabei soll der Beschuldigte dem Kleinkind jeweils wuchtige Ohrfeigen ins Gesicht verpasst haben. Womit er sich laut Anklage der mehrfachen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Der Strafantrag lautete auf 70 Tagessätze zu 90 Franken sowie auf eine Busse von 3000 Franken.
Am Dienstag stand der Beschuldigte vor dem Bezirksgericht Dietikon und beteuerte seine Unschuld. Fest stand, dass er im Juli 2010 seine Freundin geheiratet hatte. Wobei diese bereits einen eigenen zweijährigen Sohn in die Ehe einbrachte. Dies führte schon bald zu Konflikten mit dem leiblichen Vaters des Kleinkindes. Dieser war es auch, der Strafanzeige gegen den Angeschuldigten einreichte. Ein beim Sohn entdeckter Bluterguss hatte den Anzeigeerstatter dazu bewogen. Darin bestärkte ihn auch seine neue Frau, die als Kronzeugin gegen den Bauarbeiter auftreten wollte.
Langjährige Familienfehde
Vor Gericht kam nun heraus, das hinter der Anzeige offenbar eine langjährige portugiesische Familienfehde steckte. Die komplizierten Abläufe sind heute kaum zu entwirren. So führte die Vermischung eines Nachbarschaftskonflikts mit einem Sorgerechtsstreit um das geschädigte Kind zu einem heillosen Durcheinander und juristischem Hickhack.
«Ich habe keine Ruhe, seit das alles angefangen hat», erklärte auch der Beschuldigte, der sich inzwischen infolge der Angelegenheit von seiner Ehefrau getrennt hat. Obwohl diese ihren Lebensabschnittspartner während der Untersuchung entscheidend entlastet hatte. So wollte sie niemals gesehen haben, dass der Stiefvater ihren Sohn geschlagen hätte.
Die Verteidigung sprach von erheblichen Zweifeln und führte aus, dass kein einziger Zeuge die Schläge direkt gesehen habe. Auch die Frau des leiblichen Vaters habe erste Belastungen relativieren müssen, plädierte sie - mit Erfolg.
Umfassender Freispruch
So kam auch das Dietiker Gericht letztlich zu einem umfassenden Freispruch. So seien die Aussagen der Kronzeugin mit Vorsicht zu würdigen, erklärte die zuständige Einzelrichterin. Zudem habe diese Zeugin nach Hinweis auf die Wahrheitspflicht ihre Aussage nach unten korrigiert.
Nicht zuletzt habe die Kindsmutter des angeblich Geschädigten für den Beschuldigten ausgesagt.
Mit dem Freispruch erhielt der entlastete Bauarbeiter eine Entschädigung von 1800 Franken. Sen Rechtsanwalt bekommt über 3700 Franken