Als am 8. März 2016 die Polizei in Malters LU eine Indoor-Hanfanlage ausheben wollte, war es zum Eklat gekommen, der schweizweit für Aufsehen sorgte: Die Mutter des Plantage-Besitzers hatte sich erbittert gegen die Absicht der Polizei gewehrt.

17 Stunden hatte sich die 65-Jährige im Haus verbarrikadiert gehabt; dann hatte sie ihre Katze und sich selbst erschossen.

Malters: Hanf-Rentnerin ist tot

Malters: Hanf-Rentnerin ist tot (10. März 2016)

Eine 65-Jährige wehrte sich in Malters mit Waffengewalt gegen eine Hausdurchsuchung. Im Haus findet die Polizei eine Hanfanlage und eine tote Katze.

Gestern stand ihr Sohn vor dem Bezirksgericht Dietikon, beschuldigt, Betäubungsmittel unter anderem angebaut, hergestellt, gelagert, befördert, veräussert und konsumiert zu haben. 49-jährig ist er, sportlich schlank, trägt Jeans und Jeanshemd, hat Gel im Haar. Eine kaufmännische Lehre hatte er abgeschlossen. Was er die folgenden rund 20 Jahre arbeitete, kam vor Gericht nicht zur Sprache.

In Killwangen fing alles an

Die in der Anklageschrift aufgeführten Taten begannen 2012. Irgendwann in jenem Jahr hatte der Mann in Killwangen seine erste Produktionsstätte mit zwischen 100 und 120 Hanfpflanzen mit einem THC-Gehalt von zirka 12 Prozent in Betrieb genommen. Er betrieb sie bis Sommer 2015. Bei einem Kilopreis von rund 6500 Franken erzielte er aus dem Marihuana-Verkauf einen Umsatz in Höhe von 97 500 bis 130 000 Franken.

Doch der Beschuldigte hatte es auf höhere Umsätze abgesehen: Ebenfalls 2012 eröffnete er in Glattfelden eine zweite Indoor-Anlage, im Jahr darauf folgte in Buchs ZH die dritte, ebenfalls 2013 in Dietikon die Nummer vier. Zwei der Anlagen hatte er aufgegeben, als er 2014 in Oetwil eine neue in Betrieb nahm. Im Sommer 2015 nahm er in der mit bis zu 600 Pflanzen grössten seiner Anlagen in Malters die Produktion auf.

Rund 150 Kilogramm produziert

Insgesamt hatte der Indoor-Hanfbauer innert 44 Monaten einen Gesamtumsatz von zwischen 749 000 und 795 000 Franken erzielt. Er hatte rund 150 Kilo Marihuana produziert und davon rund 100 Kilo verkauft gehabt.

Am 8. März 2016 war der Mann in Haft genommen worden. Er war beim Polizeieinsatz in Malters also nicht zugegen. Vor Gericht betonte sein Anwalt gestern, dass – wenn er dort gewesen wäre – er den Suizid seiner Mutter hätte vermeiden können.

Der Beschuldigte nämlich hatte über viele Jahre hinweg ein zwar sehr schwieriges, aber ebenso intensives Verhältnis zur Mutter gehabt. Im Aargau geboren und aufgewachsen, war sie voll und ganz in ihrem Beruf aufgegangen, hatte sich nur wenig um den Sohn gekümmert. Als bei ihr eine schwere psychische Krankheit diagnostiziert wurde, übernahm der Sohn die Vormundschaft und kümmerte sich rührend um die Mutter. Als er schliesslich bei der Behörde vorsprach, um eine Einweisung der Mutter in eine Klinik zu erwirken, sagte diese, er müsse sich einen Anwalt nehmen. «Ich hatte im Aargau bei sieben Anwälten vorgesprochen. Als ich einen gefunden hatte, wusste ich nicht, wie ich die erforderlichen 25 000 Franken aufbringen sollte.»

Heute lebt der Sohn im Kanton Zürich. Das Kurier-Geschäft mit Sitz in Dietikon, das er gegründet hatte, stand mal kurz vor dem Konkurs. Das Geschäft mit psychotropem Hanf sollte die Rettung bringen. Brachte es auch — zumindest vorübergehend. Für seinen Lebensunterhalt habe es, so der Beschuldigte, monatlich rund 5000 Franken abgeworfen.

Jetzt pflanzt er CBD-Hanf

Heute sitzt der Mann auf einem enormen Schuldenberg, den auseinanderzubeineln sich Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher alle Mühe gab. Einerseits hat der Beschuldigte die Eigentumswohnung seiner Mutter im Aargau geerbt – «die hatte sie sich erarbeitet» – deren Wert er heute auf eine Million Franken schätzt. Doch ist sie mit einer Hypothek von 500 000 Franken belastet. Schulden resultieren auch noch aus den Produktions-, Betriebs- und Mietkosten der Indoor-Anlagen. Dazu gesellen sich Darlehen und Alimentenverpflichtungen. «Angesichts der Hypothek und den zu erwartenden Steuern wäre der Verkauf der Wohnung für eine Million Franken auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein», stellte Aeschbacher fest.

Das Kurier-Geschäft läuft immer noch mehr schlecht als recht. Inzwischen betreibt der Beschuldigte wieder eine Hanf-Indoor-Anlage: Diesmal aber pflanzt er CBD-Pflanzen an, die keinerlei psychoaktive Wirkung haben und unter anderem für medizinische Zwecke verwendet werden. «Das Geschäft ist noch nicht angelaufen, aber ich stehe, zwecks Kontrolle, in ständigem Kontakt mit der Kantonspolizei und bin sehr zuversichtlich.»

Urteil erfolgt nächste Woche

Der Staatsanwalt hielt dem Beschuldigten zugute, dass er vollumfänglich geständig ist, betonte aber auch, dass er das Betäubungsmittel-Geschäft mit hoher Beharrlichkeit und Professionalität betrieben hatte. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten; sechs davon unbedingt. Der Verteidiger seinerseits meinte, sein Mandant habe nicht nur aus Egoismus und Geldgier, sondern vor allem aus Verantwortung seiner Mutter gegenüber gehandelt. Strafmindernd müsse auch die lange Verfahrensdauer berücksichtigt werden, während der sich sein Mandant wohl verhalten habe. 12 Monate, bedingt auf zwei Jahre, seien angemessen. Das Bezirksgericht Dietikon eröffnet das Urteil nächste Woche.