Urdorf
Fahrlehrer schlägt Alarm: Teslas seien nicht geeignet, um Autofahren zu lernen

Viele Fahrschüler würden das Strassengesetz zu wenig kennen. Dadurch steige das Unfallrisiko, ist ein Urdorfer Fahrlehrer überzeugt.

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«Ich habe immer wieder Teslas, Audis und andere hoch­moderne Autos mit einem blauen ‹L› auf den Strassen ­gesehen. Da ist klar, dass der Beifahrer im Notfall nichts machen kann», sagt Fahrlehrer Robert Jetter.

«Ich habe immer wieder Teslas, Audis und andere hoch­moderne Autos mit einem blauen ‹L› auf den Strassen ­gesehen. Da ist klar, dass der Beifahrer im Notfall nichts machen kann», sagt Fahrlehrer Robert Jetter.

Chris Iseli

Robert Jetter macht sich Sorgen: Der Besitzer einer Fahrschule in Urdorf beobachtet seit mehreren Monaten, dass immer mehr Fahrschüler private Lernfahrten in einem Auto absolvieren, das dafür gar nicht zulässig ist. Konkret: Bei vielen Automatikautos befindet sich die Handbremse gar nicht mehr in der Mitte, sondern links unten neben dem Fahrenden – und ­damit ausser Griffweite der Begleitperson. Diese kann somit in einer brenzligen Situation gar nicht eingreifen und die Bremse betätigen. Gewisse elektronische Handbremsen würden ab Tempo 30 auch gar nicht mehr funktionieren, sagt Fahrlehrer Jetter weiter.

«Ich habe immer wieder Teslas, Audis und andere hochmoderne Autos mit einem blauen «L» auf den Strassen gesehen. Da ist klar, dass der Beifahrer im Notfall nichts machen kann.» Jetter befürchtet, dass das ­Unfallrisiko dadurch steige, und zwar für alle Verkehrsteilnehmenden. «Auf Autobahnen ist das besonders gefährlich.» Er selbst wisse von einem Fall, bei dem nur sehr wenig fehlte, und es wäre zu einem tragischen Unfall gekommen.

Polizei kontrolliert, ob Handbremse erreichbar ist

Auf Anfrage teilt die Kantonspolizei Zürich mit, dass sie keine Statistiken über Lernfahrten mit unzulässigen Automatikwagen führe. Jetters Beobachtungen könne sie deshalb nicht bestätigen. «Wir kontrollieren jedoch die Einhaltung der ­geltenden Gesetze und sanktionieren allfällige Verstösse», sagt Polizei-­Sprecher Ralph Hirt. Er spricht damit auch Artikel 27 der Ver­kehrs­regelverordnung (VRV) an, der insbesondere besagt, dass der Begleiter wenigstens die Handbremse «leicht erreichen können» muss.

Apropos Autobahn: Jetter hat zunehmend feststellen müssen, dass Fahrschüler schon recht früh mit einer Begleitperson die Autobahn befahren – zu früh: «Bevor sie nicht prüfungsreif sind, dürfen sie keine Testfahrten darauf unternehmen.» Die VRV gibt ihm in dieser Hinsicht auch recht. Der Begriff «prüfungsreif» wird darin allerdings nicht explizit definiert, was Jetter bedauert: «Da tun sich rechtliche Spielräume auf.»

Für ihn ist klar: Als prüfungsreif gilt ein Fahrschüler erst, wenn er eine interne Fahrprüfung bestanden hat und für die echte Prüfung beim Strassenverkehrsamt angemeldet worden ist. «Mehrere Schüler haben mir aber schon erzählt, dass sie am Wochenende mit einem Elternteil auf der Autobahn gewesen seien. Und dies nach erst wenigen Fahrstunden mit mir.» Hier sieht Jetter ebenfalls ein grosses Unfallrisiko.

Strassenverkehrsamt will Präzisierungen prüfen

Um die Gefahren auf den ­Strassen zu minimieren, liefert der Urdorfer gleich einen ­Lösungsvorschlag mit: «Zu­sammen mit dem Lernfahr­ausweis sollte das Strassen­verkehrsamt ein Merkblatt mit allen gesetzlichen Bestimmungen verschicken. Vielen Fahrschülern und Eltern ist schlicht nicht bewusst, dass das Gesetz solche Lernfahrten verbietet.» Sie würden glauben, dass ein blaues «L» am Kofferraum ­ausreiche.

Das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich sagt dazu, dass es die Produktion von Flyern nicht mehr als zeitgemäss erachte. Alle relevanten Informationen seien online auf der Website des Strassenverkehrsamts abrufbar. Man werde allerdings prüfen, inwiefern diese Informationen noch präzisiert werden können.