Da verurteilt der Dietiker Richter Bruno Amacker einen in Schlieren gefassten und vom Dietiker Statthalteramt bestraften Aargauer Uber-Pop-Fahrer, nachdem dieser gegen einen Strafbefehl Einsprache erhoben hatte. Und genau 14 Tage, nachdem die Ausübung von Uber-Pop-Fahrten ohne Fahrtenschreiber erstmals im Kanton Zürich von einem Gericht öffentlich als unrecht beurteilt wurde, verkündet Uber am vergangenen Mittwoch, dieses Angebot zu knicken. Kein Schelm, wer glaubt, die beiden Ereignisse verknüpfen zu können. Aber war es wirklich Amackers Urteil, das Uber-Pop in Zürich den Todesstoss versetzte?

«Dieser Fall hat nichts mit unserer Entscheidung zu tun», sagt Uber-Sprecher Ali Azimi. «Wir können nicht einfach einen Hebel umlegen und Uber-Pop ist beendet. Wir haben das länger vorbereitet», sagt Azimi. Die Kommunikationsabteilung in Berlin hat offenbar vor einem Monat von den Plänen erfahren.

Zur Erinnerung: Die Amateure, die bisher für Uber-Pop unterwegs waren, können nun drei Monate unter dem Label Uber-X fahren, für das sonst nur Profis unterwegs sind, die eine Bewilligung für berufsmässigen Personentransport (Code 121 im Führerausweis) haben. Wer danach keine Bewilligung und keinen Fahrtenschreiber im Auto hat, hat keinen Uber-Zugriff mehr. Wer als Hobby oder mit kleinem Pensum für Uber fährt, wird wahrscheinlich aufhören. Einige Limmattaler werden betroffen sein: Gerade in Dietikon, der Fahrweid und Schlieren tummelten sich mehr Fahrer von Uber-Pop als von Uber-X, wie in der App immer wieder zu sehen war.

Um die Umschulung der bisherigen Amateur-Fahrer bewältigen zu können, hat Uber laut Azimi Fahrschulen gewonnen, die den Uber-Fahrern zu vergünstigten Konditionen Unterrichtsstunden anbieten. «Zudem haben wir Rabatte für Fahrtenschreiber ausgehandelt und mit Ärzten abgesprochen, dass sie Termine für die Untersuchungen der Fahrer freihalten. Das bedarf einer intensiven Vorbereitung», führt Azimi weiter aus. Auf diese Weise sei der Wechsel von Uber-Pop zu Uber-X für die Fahrer hoffentlich zumutbar und laufe reibungslos ab.

«Von allen Seiten positiv aufgenommen»

Manche waren wütend, nachdem sie informiert wurden: Schliesslich zahlen sie die Ausbildung, Rabatte hin oder her. Schon letzte Woche verschaffte ein Fahrer seinem Ärger Luft: auf der Google-Rezensionsseite zu Uber Zürich. «Verdammt», meinte er in gebrochenem Schweizerdeutsch dazu, dass er nun die Lizenz 121 machen müsste, «das kostet einen Haufen Geld».

Laut Uber ist das die Ausnahme: «Die Änderung ist von allen Seiten positiv aufgenommen worden», sagt Azimi. Schliesslich waren es die Fahrer, die Uber zum Entscheid bewegten, wie Azimi versichert: «Wir haben von den Fahrern im Raum Zürich verstärkt das Feedback erhalten, dass sie mit Uber Geld verdienen wollen.» Mit Uber-X werden sie das gegenüber Uber-Pop besser können, da die Fahrtpreise höher sind und die Fahrer davon nur noch 25 statt 30 Prozent an den Konzern abgeben. Am Schluss verdient in absoluten Zahlen nicht nur der Fahrer, sondern auch Uber mehr. Das zeigt sich ganz einfach im Uber-Fahrpreisrechner.

In der Deutschschweiz ist Uber-Pop seit Donnerstagmittag nur noch in Basel verfügbar. Ist auch dort Schluss, wenn sich viele Fahrer beschweren, kein Geld zu verdienen? «Für Basel gibt es derzeit keine Pläne», sagt Azimi etwas ausweichend. Schlafende Hunde zu wecken, ist offenbar nicht Ubers Ziel.