Knapp 400 Gäste versammeln sich trotz des trüben Wetters auf dem Gelände der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) in Dietikon. Gekommen sind sie für eine Präsentation der besonderen Art. Vor ihnen fährt an diesem Montagabend ein leiser, aber nicht minder kraftvoller Rennbolide. Entwickelt und gebaut wurde er von Studenten des Akademischen Motorsportvereins Zürich (AMZ).

Mit den beiden Elektro-Rennwagen «Eiger» und «Gotthard driverless« wollen die Maschinenbau-, Elektrotechnik- und Robotics-Studierenden der ETH Zürich und der Hochschule Luzern auch dieses Jahr Spitzenresultate erzielen. An der Formula Student, dem weltweit grössten Ingenieurwettbewerb mit mittlerweile rund 500 Teams und zahlreichen internationalen Rennen von Brasilien bis Japan, setzten sie sich letztes Jahr gegen alle anderen Studententeams durch.

Seit letztem September tüftelten die zwei Teams, bestehend aus insgesamt 65 Mitgliedern aus elf verschiedenen Nationen, an den Rennwagen. Das Resultat der vergangenen Monate sind Elektrorennwagen, die von 0 auf 100 in unter zwei Sekunden beschleunigen. «Wir stellen einen Rennwagen von der Skizze bis zur Rennstrecke her», sagt Nirushan Arumugam, CEO des AMZ an der Präsentation in Dietikon. Das Projekt forderte unzählige Arbeitsstunden und einige schlaflose Nächte, erzählt ein anderer Student.

Doch die Strapazen scheinen an der Show wie weggeblasen zu sein. Während des Abends sieht man lauter zufriedene und stolze Studenten. Beim AMZ mitzumachen sei eine grosse Ehre, sagt Lisa Oberosler, CEO des AMZ Driverless. «Das AMZ-Team ist sehr passioniert und hat einen guten Ruf an der ETH.» Der AMZ wurde 2006 von Studenten der ETH Zürich gegründet. Nach drei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren werden seit 2010 rein elektrisch angetriebene Rennwagen gebaut.

Noch schneller um die Kurven

«Eiger» ist bereits das zwölfte Rennauto des AMZ. Was es dieses Jahr speziell macht: Die Ingenieure können das Fahrwerk aktiv ansteuern. Dadurch flitzen die Fahrzeuge noch schneller um die Kurven.

Mit «Gotthard driverless» gehen die Studenten zudem zum zweiten Mal mit einem selbstfahrenden Rennauto an den Start. Die eingebauten Sensoren und Kameras müssen dabei die Wahrnehmung, das Verstehen und das Handeln des Fahrers ersetzen.
«Das Auto wird auf die Strecke gestellt, danach muss es die Route selbst erkennen», sagt Arumugam. Von aussen dürfe man nichts machen, ausser im schlimmsten Fall den Notausknopf betätigen. Die Rennen der Driverless Cars werden auf Zeit und nicht Rad an Rad gefahren. Unfälle sind bisher keine passiert.

Das Rennauto «Eiger» nach seiner Enthüllung auf dem EKZ-Gelände in Dietikon.

Das Rennauto «Eiger» nach seiner Enthüllung auf dem EKZ-Gelände in Dietikon.

An der Präsentation bei der EKZ, einem der Hauptsponsoren des AMZ, steuert der selbstfahrende Bolide wohl selbst, wird jedoch von zwei Studenten geschoben. Die unsichere Wetterlage und Sicherheitsbedenken lassen den Start des Motors nicht zu.

Selbst die Fahrer sind Studenten

Bei den Rennen mit Fahrern sitzen jeweils Studenten am Steuer. Das schreibt das Wettkampfreglement der Formula Student vor. Der AMZ rekrutierte seine Fahrer aus den besten Go-Kart-Fahrern der Schweiz. Die härteste Konkurrenz auf der Rennbahn droht dem Schweizer Team wohl von den Boliden der Holländer und der Deutschen. Wenn man Arumugam nach den Verbesserungsmöglichkeiten der Autos fragt, sagt er: «Die Schwäche unserer Fahrzeuge ist die Zuverlässigkeit, da es noch Prototypen sind und sehr viel Elektrotechnik drinsteckt.» Doch er sei zuversichtlich, dass sie sich auch dieses Jahr an der Spitze halten können. Dem Applaus nach zu urteilen, hoffen die Zuschauer in Dietikon ebenfalls auf einige leise Fahrten zum Sieg.