Es ist die Rede von den einstigen Dietiker Polizisten «Fleischli» und «Baumann». Oder von Klassenzimmern und Schulhausfotos. Aber auch Bilder von Hagelkörnern vom letzten lokalen Gewitter werden diskutiert: Mit der Gründung der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Dietike wenn» haben neue, alte und ehemalige Dietiker eine Art virtuellen Stammtisch gefunden, um sich über Gemeinsamkeiten auszutauschen. Seit Anfang diesen Jahres platzieren und verfolgen rund 1 800 Facebook-User Beiträge im Netz, die mit Dietikon zu tun haben. Nun wollen sich die Gruppenmitglieder in natura bei einem «Revival-Fest» treffen – oder wieder treffen.

Fest mit dem Stadtpräsidenten

«Seit der Gründung von ‹Du bisch vo Dietike wenn› war immer wieder die Rede davon, sich auch mal persönlich zu begegnen», sagt Vittorio Gallo, der in Dietikon aufgewachsen ist und seit der Gruppengründung aktiv mitpostet. Viele würden sich aus der Schulzeit oder vom Spielplatz her noch kennen. Andere hätten sich durch den virtuellen Austausch auf der Internetseite kennen gelernt. Schon nach kurzer Zeit hat es sich der 41-Jährige auf die Fahne geschrieben, ein Fest für die Gruppenmitglieder von «Du bisch vo Dietike wenn» zu organisieren: Morgen, am 13. September, findet das «Dietiker Revival-Fest» in der Reppischhalle statt. Mindestens 140 Gäste werden gemäss Anmeldungen erwartet. Auch Stadtpräsident Otto Müller werde am Fest teilnehmen und richte sich mit einer Ansprache an die Facebook-Dietiker, verkündet Gallo stolz.

In Erinnerungen schwelgen

Seine Motivation, viel Mühe und Zeit in die Festorganisation zu stecken, liege auf der Hand. «Ich denke oft mit Wehmut an die Vergangenheit in Dietikon zurück – wie so einige aus der Gruppe.» Die meisten Gruppenmitglieder seien nämlich nicht im Teenager-Alter, sondern eher aus seiner Generation, und würden auch ein anderes Dietikon kennen, erklärt der 41-Jährige. «Das Fest ist eine ideale Möglichkeit, in Erinnerungen zu schwelgen», sagt Gallo, der in der Gruppe unter dem Spitznamen «Vitsch» bekannt ist. Es sei immer wieder eine Freude, zu sehen, wie sich die Dietiker auf Facebook vernetzen würden. «Zu verdanken haben wir das der Gründerin der Gruppe, Silvia Junker-Tschümperlin. Ohne sie wäre der Stein nicht ins Rollen gekommen und die Idee zum ‹Revival-Fest› wäre nie entstanden», so Gallo.

Auch Ärger wird abgelassen

Neben alten Erinnerung aus der Jugend oder Kindheit ist auf der Facebook–Seite oft auch die Rede von aktuellen Geschehnissen. So ärgern sich beispielsweise manche über die stetig wachsende Pizzeriadichte oder weitere Veränderungen der letzten Jahre: «Anfangs waren da einige Posts, die teilweise rassistisch waren, weil sich beispielsweise das Ausländerverhältnis in Dietikon verändert hat», sagt der ehemalige Dietiker, der heute in Wil ZH wohnt. Aber dann hätten die Administratoren der Gruppe sofort Spielregeln aufgestellt: «Wir haben Werbung und rassistische Äusserungen strengstens verboten und überwachen jederzeit das Geschehen», sagt Gallo. Wer sich nicht an die Spielregeln halte, müsse damit rechnen, dass sein Beitrag gelöscht werde und ein Gruppenausschluss drohe.

Die Idee, solche Gruppen zu gründen, ist indes nicht neu. Auch andere Limmattaler Gemeinden haben solche Seiten errichtet. Und der Hype lässt staunen: So finden sich auf Facebook beispielsweise gleich zwei Seiten zum Thema «Du bisch vo Schliere wenn». Sie zählen zusammen um die 960 Mitglieder. Aber auch kleinere Gemeinden aus der Region – wie etwa Oberengstringen (266 Mitglieder), Aesch (73 Mitglieder) und Oetwil (26 Mitglieder) – haben sich diesem medialen Trend längst angeschlossen. Das Einzige, was nur die Dietiker mit ihrer Seite erreicht haben, ist, sich auch ausserhalb der «virtuellen Welt» beim «Revival-Fest» zu treffen.

Umfrage: Du bisch vo Dietike, wenn...