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Fabienne Moser-Frei ist neue Bezirksrichterin: Deutliches Resultat überraschte beide Lager

Die frisch gewählte Fabienne Moser-Frei inmitten ihrer Unterstützer im Restaurant Heimat. Rechts im Bild ihr Vater, alt Bezirksrat Hansjörg Frei.

Die frisch gewählte Fabienne Moser-Frei inmitten ihrer Unterstützer im Restaurant Heimat. Rechts im Bild ihr Vater, alt Bezirksrat Hansjörg Frei.

Fabienne Moser-Frei ist am Sonntag eine kleine Sensation gelungen. Die parteilose Anwärterin für die zusätzliche Richterstelle, die das Bezirksgericht Dietikon wegen chronischer Überlastung zugesprochen bekam, konnte sich am Sonntag klar gegen ihren Konkurrenten Tobias Walthert (GLP) durchsetzen.

In sämtlichen Bezirksgemeinden lag Fabienne Moser-Frei vorne, in den meisten überdeutlich. Am Schluss konnte sie mit 9866 Stimmen mehr als zwei Drittel der Wählenden für sich gewinnen. Walthert, der erfahrenere und zudem offizielle Kandidat der Bezirksparteien, kam mit 4362 Stimmen auf nicht einmal halb so viel. Die Wahlbeteiligung hingegen war tief: Nur rund ein Drittel des Stimmvolks nahm an der Bezirksrichterwahl teil; bei den gestrigen Abstimmungen waren es immerhin um die 45 Prozent.

Dass das Resultat so deutlich ausfallen würde, hat Fabienne Moser-Frei nicht erwartet, wie sie an der am Sonntagabend spontan einberufenen Wahlfeier im Restaurant Heimat in Dietikon sagte. «Ich hätte niemals gedacht, dass ich in sämtlichen Bezirksgemeinden gewinnen würde, und dann noch so deutlich», so die 37-jährige zweifache Mutter aus Weiningen.

Profile wie Tag und Nacht

Die Profile der beiden Kandidaten hätten, abgesehen von ihrem Alter, unterschiedlicher nicht sein können: Er der auswärtige, offizielle Kandidat der Interparteilichen Konferenz (IPK) des Bezirks, mit langjähriger Arbeitserfahrung an Bezirksgerichten, sie die im Limmattal tief verwurzelte Parteilose, die sich ihre juristischen Sporen in der Privatwirtschaft, etwa bei der Fifa oder der Baloise-Versicherung, abverdient hat. Welcher dieser Faktoren ihr letztlich zum Sieg verholfen hat, konnte sie an diesem Abend selbst noch nicht einschätzen. «Ich glaube aber nicht, dass es ein bestimmter Aspekt war, sondern die Kombination von allem.»

«Dass es für mich knapp werden würde, damit habe ich gerechnet.»

Tobias Walthert, GLP-Kandidat

«Dass es für mich knapp werden würde, damit habe ich gerechnet.»

Moser-Frei, die zurzeit nicht berufstätig ist, hat im Limmattal einen intensiven Wahlkampf geführt, war fast täglich auf der Strasse, um für ihre Wahl zu weibeln. Wie viel ihr das alles bringen würde, konnte sie bis zuletzt nicht abschätzen. «Ich hatte schon immer wieder die Hoffnung, dass es für eine Wahl reichen könnte. Gleichzeitig hatte ich Bedenken, ob ich gegen die Übermacht der IPK ankomme.»

Darüber, dass ihr das gelungen ist, zeigte sie sich am Sonntag überglücklich. «Ich bin extrem dankbar für das Vertrauen des Stimmvolks, das mir solch ein verantwortungsvolles Amt zutraut, und ich freue mich darauf, bald mit der Arbeit zu beginnen.» Von ihrer bisherigen Arbeitserfahrung her würden ihr Bereiche wie das Arbeits- oder das Mietrecht am nächsten liegen, doch auch das Strafrecht reize sie sehr. Wann genau sie ihr Amt antreten wird, steht allerdings noch nicht fest.

Wahl eines zusätzlichen Mitglieds des Bezirksgerichts Dietikon

Weniger ausgelassen als in der «Heimat» war die Stimmung im Stürmeierhuus in Schlieren, wo sich Tobias Walthert und seine Unterstützer einfanden. Dass es für ihn knapp werden würde, damit habe er gerechnet, so der 38-Jährige, doch so eine deutliche Niederlage hätte er nicht erwartet. Bis zum Schluss habe er darauf vertraut, dass das Stimmvolk seine fachlichen Qualifikationen erkennen würde.

«Doch offensichtlich fanden die Argumente der Gegnerin mehr Anklang.» Ins selbe Horn blies GLP-Bezirkspräsidentin Sonja Gehrig. «Wir haben einen guten Wahlkampf mit einem fachlich wie menschlich hervorragenden Kandidaten geführt», sagte sie. «Leider hat das nicht gereicht.»

Wir es für ihn nun weitergeht, weiss der dreifache Vater aus Oberrieden noch nicht. Klar ist nur: Ab dem neuen Jahr ist er seine jetzige Stelle als Ersatzrichter am Bezirksgericht Affoltern los. Auch an dieses wurde am Sonntag ein neuer ordentlicher Richter gewählt, wobei eine Ersatzrichterstelle wegfällt – und auch dort schlug ein Parteiloser den Parteikandidaten.

Die herbe Enttäuschung war Walthert, der das Richtertum als seine Berufung bezeichnet, ins Gesicht geschrieben. Als Mitglied der GLP, der als kleine Partei im Bezirksparteien-Nominationsverfahren nur selten ein Richtersitz zusteht, dürften es für ihn schwierig werden, so bald wieder für eine ordentliche Richterstelle kandidieren zu können. Dennoch schlug Walthert am Sonntag versöhnliche Töne an. So gratulierte er nicht nur seiner Konkurrentin Moser-Frei zum «beachtlichen Erfolg», sondern versicherte seinen Unterstützern, dass er die Niederlage bald überwunden haben werde.

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