Nachgefragt

Fabian Hauser: «Die Besucher fühlen sich hier im Gleis 21 wohl»

Fabian Hauser leitet den Kulturbetrieb im «Gleis 21».

Fabian Hauser leitet den Kulturbetrieb im «Gleis 21».

Seit bald einem Jahr belebt das «Gleis 21» am Bahnhof Dietikon die lokale Kulturszene. Ab 2020 stehen aber grosse Veränderungen an. Fabian Hauser leitet den Kulturbetrieb und erzählt im Interwiev über Erfahrungen im «Gleis 21».

Seit Anfang Jahr sind Sie Geschäftsführer des Kulturbetriebs im «Gleis 21». Sind Sie mit den ersten zehn Monaten zufrieden?

Fabian Hauser: Ich bin sehr glücklich mit dem bisherigen Kulturbetrieb. Wir konnten ein abwechslungsreiches und qualitativ hochstehendes Programm gestalten. Natürlich gibt es immer noch Potenzial, um gewisse Abläufe zu verbessern. Aber der Betrieb funktioniert.

Wie sieht es mit den Besucherzahlen aus?

Über das ganze Jahr gesehen dürfen wir zufrieden sein. Einzelne Konzerte zogen zwar nur wenig Besucher an, andere liefen dafür sehr gut. Die Kollekte-Konzerte am Donnerstag waren teilweise sehr gut besucht.

Wie kommt das «Gleis 21» bei den Besuchern und den auftretenden Künstlern an?

Uns ist es im Vorstand sehr wichtig, dass Besucher und Künstler zufrieden sind. Wenn sich die Künstler wohl fühlen und sich nur auf ihre Auftritte konzentrieren müssen, liefern sie auf der Bühne ihre volle Leistung ab. Das haben wir geschafft. Sicher auch weil hier im Haus Leute mitarbeiten, die die Künstlerinnen und Künstler gut umsorgen. Wenn sie wieder nach Hause gehen, finden viele, dass es hier sehr toll sei. Das trifft auch auf viele Besucherinnen und Besucher zu. Auch sie fühlen sich wohl. Das ist einer der Grundsteine, um überhaupt einen Begegnungsort zu schaffen, zu dem die Menschen gerne kommen und von dem sie auch anderen erzählen. Ich habe unheimlich Freude daran, dass das «Gleis 21» so gut ankommt, nachdem wir so viel Effort, Ideen und Energie reingesteckt haben.

Was waren bisher Ihre persönlichen Highlights?

Ich finde es immer schwierig, Höhepunkte hervorzuheben, weil ich so vielseitig interessiert bin. Die Benefizgala mit dem Duo Oropax gehört sicher dazu, genau wie der Auftritt von Reeto von Gunten, der an einem Donnerstag fast ausverkauft war. Und natürlich die «Crème de la Slam», das Zehn-Jahr-Jubiläum der Agentur Dreh & Angel. All diese bekannten Slam-Poeten werden in dieser Konstellation wohl kaum wieder zusammen auf der Bühne stehen. Der Anlass war nur möglich, weil wir in der Kleinkunst- und Musikszene so ein grosses Netzwerk haben.

Sie sprechen das Netzwerk an. Wie schwierig ist es, ein so umfassendes Kunstprogramm zusammenzustellen?

Es ist nicht sehr schwierig, an Künstler heranzukommen, wenn man sich selber in der Szene bewegt. Der Markt ist gross, es gibt so viele Künstlerinnen und Künstler in der Schweiz. Wenn ein neues Kulturhaus aufgeht, erhält man schnell Bewerbungen für Auftritte, etwa von Agenturen. Die Frage ist immer: Passt es ins Programm und stimmen die Qualität und die Gagenvorstellungen.

Im Vorfeld der Eröffnung gab es aus dem angrenzenden Altberg­-Quartier Bedenken wegen Lärm und Verkehr. Pflegen Sie einen Austausch zum Quartier oder dem Quartierverein?

Soweit ich es beurteilen kann, haben wir nicht so viele Besucher aus dem Quartier, aber ich bin zufrieden mit dem Kontakt zum Quartierverein. Mit dem Vorstand sind wir alle per Du. Bei Gesprächen im Frühling fanden sie, dass sie das «Gleis 21» nicht negativ wahrnehmen. Seither gab es vereinzelte Lärmklagen. Ich glaube wir hätten mehr Gegenwind, wenn wir weniger achtsam wären. Sollten Probleme aufkommen, müssen wir diese offen diskutieren. Es gibt auch Veranstaltungen, die in Zusammenarbeit entstehen: Wir haben im August mit dem Quartierverein ein Saisonabschlussfest organisiert und 2020 wird der Amateur Fotoclub Dietikon im «Gleis 21» ausstellen.

Wollen Sie dem «Gleis 21» nach ihrem Rücktritt auf Ende Jahr in anderer Tätigkeit erhalten bleiben?

An dieser Frage habe ich lange rumüberlegt. Ich bin nicht so der Stratege. Mich drängt’s dazu, Sachen umzusetzen und operativ tätig zu sein. Das wäre dann entweder ehrenamtlich als Vorstandsmitglied oder angestellt. Am liebsten hätte ich eine Anstellung als künstlerischer und technischer Leiter.

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