Cheeky, der Mischling aus australischem Shepherd und Labrador Retriever, ist ein Feinschmecker. Als er während des Spaziergangs mit Frauchen Micky Taube ein Kohlfeld erspäht, will er sich auf das Gemüse stürzen. Ein einziger Ruf von Taube genügt, um ihn davon abzuhalten. Um den Hund tummeln sich noch andere Vierbeiner.

Sie gehören den Mitgliedern des Hundeclubs Weiningen, der einmal die Woche gemeinsam trainiert. «Ein Hund lernt lebenslang», sagt die ausgebildete Hundeinstruktorin. In ein paar wenigen Lektionen könnten Hund und Besitzer nicht alles lernen.

Damit spielt sie auf den Sachkundekurs an, der seit ein paar Jahren für jeden Hundehalter obligatorisch ist. «Für den Sachkundenachweis muss ein Minimum von vier bis sechs Lektionen besucht werden», so Taube. Bis ein Besitzer seinen Hund richtig führen könne, seien aber deutlich mehr Trainingsstunden nötig. Den Wunsch von Hundeverhaltens-Experten wie Taube hat das eidgenössische Parlament am 19. September durchkreuzt.

Der Hundeclub Weiningen beim wöchentlichen Training.

Der Hundeclub Weiningen beim wöchentlichen Training.

Mit der Annahme der Motion des Zürcher Ständerats Ruedi Noser (FDP) beschloss es, das Obligatorium für den Erwerb eines Sachkundenachweises, wie es im aktuellen Tierschutzgesetz verankert ist, aufzuheben. Als Begründung diente eine im März publizierte Evaluation, die unter anderem besagte, dem Obligatorium könne keine objektive Wirkung zugeschrieben werden.

Nun gilt kantonales Gesetz

Das Obligatorium zum Sachkundenachweis trat 2010, als Antwort auf Kampfhund-Skandale wie die Tötung eines sechsjährigen Knaben aus Olten durch drei Pitbull Terrier im Jahr 2005 in Kraft. Wie Taube bedauert auch die Bergdietiker Hundeinstruktorin Daniela Bigi die Aufhebung des Obligatoriums.

Es sei schade, dass man die Trainer nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden habe. Nach der Änderung der Tierschutzverordnung gelten für Hundehalter des Kantons Zürich die Vorschriften des kantonalen Hundegesetzes, das nur Haltern von grossen oder massigen Hunden einen Besuch zum Sachkunde-Kurs vorschreibt. Einige Politiker sähen auch diese Regelung gerne abgeschafft.

So ist im Regierungsrat eine Motion hängig, die nur für Ersthundehalter den Kurs verlangt. Auch der Schlieremer Kantonsrat Pierre Dalcher (SVP) hat zu Beginn des Jahres das Gesetz in einer Anfrage thematisiert, in der er sich nach überprüfbaren Resultaten erkundigte. In der Antwort erwähnte der Regierungsrat, es sei zu früh, die Wirkung abschliessend beurteilen zu können. Dies unter anderem, weil erst rund ein Fünftel der bestehenden Hundepopulation die praktische Hundeausbildung durchlaufen habe.

«Als Schlieren sich daran machte, das Gesetz umzusetzen, wurden wir uns erst des administrativen Aufwands bewusst, den eine korrekte Umsetzung mit sich bringt», so Dalcher, der in Schlieren auch Stadtrat ist. Zudem sei die Verwaltung mit starken Emotionen von Hundehaltern konfrontiert worden. Auch die Gemeinde Geroldswil bestätigt einen erheblichen Mehraufwand, seit die Kurspflicht besteht.

Hundeinstruktorin Elvira Camenzind, die mit ihrem Goldenretriever im Hundeclub Weiningen trainiert, sieht der Änderung des Bundesgesetzes mit Skepsis entgegen. Viele kleine Hunde könnten ohne Ausbildung gefährlich werden, etwa wenn sie andere Tiere oder Menschen beissen. Instruktorin Bigi hofft ihrerseits auf den verantwortungsbewussten Hundehalter, der die Kurse auch ohne gesetzlichen Zwang besuchen wird.