Dietikon

Experten äussern Skepsis gegenüber dem Hochhaus

Die Architekturexperten Werner Huber, Lukas Huggenberger, Georg Mörsch, Thomas Jung, Bernd Scholl und Martin Hofer (v.l.) diskutierten im Rathauskeller in Dietikon auch über das geplante Hochhaus in Dietikon.  David Hunziker

Die Architekturexperten Werner Huber, Lukas Huggenberger, Georg Mörsch, Thomas Jung, Bernd Scholl und Martin Hofer (v.l.) diskutierten im Rathauskeller in Dietikon auch über das geplante Hochhaus in Dietikon. David Hunziker

Am ersten Architekturpodium in Dietikon diskutierten Experten des Fachs über das Hochhaus, das Architekt Lukas Huggenberger für das Neuquartier «Limmatfeld» entworfen hat.

Die Stadt Dietikon eignet sich für die Austragung eines Architekturpodiums derzeit ausgezeichnet. Insbesondere, wenn dabei auch noch über Hochhäuser diskutiert wird. Denn wie jüngst die Stadt Zürich mit dem Prime Tower, wird auch Dietikon bald um ein Hochhaus bereichert: ein 80 Meter hohes Gebäude, das Architekt Lukas Huggenberger für das Neuquartier «Limmatfeld» entworfen hat. Dieser nahm am Podium im Stadtkeller an der Diskussionsrunde teil, an dem auch sein eigenes Bauwerk kritisch beleuchtete wurde.

Eine Runde von Bauexperten

Unter der Leitung des Dietiker Stadtarchitekten Thomas Jung diskutierten neben Huggenberger namhafte Architekturexperten über den strittigen Bautypus: Bernd Scholl, Professor für Raumentwicklung an der ETH, Georg Mörsch, ehemaliger Professor für Denkmalpflege an der ETH, Martin Hofer, Partner beim Beraterunternehmen Wüest und Partner AG und Werner Huber, Redaktor beim Architekturmagazin Hochparterre.

Sämtliche Podiumsteilnehmer distanzierten sich davon, Gegner des Hochhauses zu sein. Eine Mehrheit von ihnen war sich aber darin einig, dass die Hoffnungen, die womöglich da und dort derzeit in das Hochhaus gesteckt werden, unter Schweizer Bedingungen nicht immer angebracht sind. Etwa wenn es um Verdichtung geht. Bernd Scholl betonte: «Eine traditionelle Bauweise erlaubt mindestens gleich viel Verdichtung wie ein Hochhaus. Nur kommen bei letzterem unzählige Probleme hinzu.» Ausserdem sei die Nutzungsdichte in der Schweiz sowieso vorgegeben, fügte Martin Hofer an. Bei Lukas Huggenbergers «Limmatfeld»-Bau etwa erzwingt diese Regelung den Bau eines freien Platzes zur Kompensation.

Obwohl kein Gegner, zeigte sich Martin Hofer doch zumindest als scharfer Skeptiker des Hochhauses. Abgesehen davon, dass in seinen Augen fast nur schlechte Hochhäuser gebaut würden, scheint ihm das Wohnen in der Höhe generell fremd zu sein: «Es ist lebensfeindlich und unsinnlich. Aus der Höhe sieht man keine Menschen mehr, nur noch Ameisen.» Als Gegenmodell schlug er eine «moderne Altstattdichte» vor. «Für die Menschen bedeutet die Altstadt immer noch am meisten Lebensqualität und das bei einer Dichte, die doppelt so hoch ist wie beim Prime Tower.»

Auch Georg Mörsch zeigte wenig Sympathie für das momentan höchste Gebäude der Schweiz. «Der Prime Tower nimmt keinen Bezug zu seiner Umgebung, das ist unstädtisch.» Auch für ihn ist ein solches Gebäude kein effektives Mittel zur Verdichtung des Stadtraums.

Als einziger in der Runde relativierte Lukas Huggenberger die Ansicht, das Hochhaus könne zur Verdichtung nicht eingesetzt werden: «Sie setzen in dieser Diskussion immer die derzeitigen baurechtlichen Bedingungen in der Schweiz voraus», betont er. «Das muss man aber nicht tun.»

Im konkreten Fall könne dann, so Lukas Huggenberger, eine Gruppe von Hochhäusern den städteplanerischen Druck auf das einzelne Gebäude verringern. Auch Werner Huber betonte, dass die Einbettung des Gebäudes wichtig sei: «Der Prime Tower ist ein Solitär, als solcher aber gut platziert. Anders sieht es beim Mobimo Tower aus, der steht nun einfach etwas verloren da.» Werner Huber nannte zwei gute Zürcher Gegenbeispiele aus den Sechzigerjahren: ein Hochhaus an der Sihlporte und eines am Schanzengraben. «Diese Gebäude sind wirkungsvoll, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.»

Dialog mit der Kirche im Dorf

Ob sich nun Lukas Huggenbergers geplanter Bau in Dietikon in den Vordergrund dränge, waren sich die Kommentatoren aus dem Publikum noch nicht sicher. Ein Herr stellte die Frage nach dem Verhältnis zur tatsächlichen und wohl auch sprichwörtlichen «Kirche im Dorf». Ein Dialog mit der Kirche und damit dem Stadtzentrum Dietikons sei unter anderem die Funktion des neuen Hochhauses, antwortete ihm Lukas Huggenberger. «Das Gebäude soll auch als Zeichen wirken und dem neuen Quartier so eine Identität verleihen.»

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