Referat

Ex-Wikileaker wagt in Uitikon den Blick in die digitale Zukunft

Daniel Domscheit-Berg im Üdiker-Huus.

Daniel Domscheit-Berg im Üdiker-Huus.

Der Netzaktivist Daniel Domscheit-Berg erläuterte im Üdiker-Huus Herausforderungen und Chancen der digitalen Revolution. Neben dem Internet stehen für ihn auch fahrerlose Transportfahrzeuge und 3-D-Drucker im Fokus.

Zu ihrem jährlich stattfindenden Referatsanlass gelang der Stiftung Uitikon dieses Jahr eine echte Sensation: Mit Daniel Domscheit-Berg, der zusammen mit Julian Assange die Enthüllungsplattform «Wikileaks» aufbaute, konnte ein international bekannter Redner gewonnen werden. Vor sechs Jahren hat Domscheit-Berg nach einem Streit mit Assange die Organisation verlassen. Danach sorgte der IT-Fachmann mit der eigenen Plattform «Openleaks» für Aufsehen und trat 2012 medienwirksam der Brandenburger Piratenpartei bei (zwei Jahre später trat er wieder aus). Doch noch immer ist er vor allem seiner Vergangenheit bei Wikileaks wegen gefragt.

Das zeigte sich auch am Freitag bei seinem Auftritt im Üdiker-Huus, wo quasi nur von dieser Plattform die Rede war. Wohl nicht zuletzt, weil die Website gerade ihr Zehn-Jahre-Jubiläum feiert. Vor einem grossen Publikum schürte auch Stiftungsrat Markus Bösiger in seiner Einleitung die hohe Erwartungshaltung. Er hoffte, wenn auch mit einem Augenzwinkern, dass Domscheit-Berg an diesem Abend die nahe Zukunft beschreiben wird.

Seitenhieb gegen Assange

Einen Seitenhieb gegen seinen früheren Weggefährten Assange konnte sich Domscheit-Berg zu Beginn nicht verkneifen: «Wenn Sie mich fragen, sind die neusten Meldungen von Wikileaks nur heisse Luft», sagte er, bevor er zum eigentlichen Thema überleitete – der digitalen Revolution. Zur Veranschaulichung zog er den Netzverkehr grosser Webplattformen herbei: Hinter ihm, auf Grossleinwand, zeigten Zähler an, wie die Klicks von Twitter, Facebook, Youtube und Co. innert weniger Momente ins Unermessliche steigen.

Mit diesen Zahlen zog Domscheit-Berg das Publikum sofort in seinen Bann. Er gab sich als Verkünder einer Zukunft, der er selbst fragend entgegenblickt – deren Möglichkeiten er aber im gleichen Atemzug lobt. Er wird veranschaulichen, was wir im Grunde schon wissen: Was mit Johannes Gutenbergs Buchdruck begann, nämlich das Wissen in das breite Volk zu bringen, mache das Internet heute in noch vor kurzen unvorstellbaren Dimensionen.

Was wird aus den «Büezern»?

Neben dem Internet stehen bei Domscheit-Berg auch andere neue Technologien im Fokus. Die Gesellschaft werde grundlegend umgewälzt, so der Informatiker. Als Beispiel führt er einen amerikanischen LKW-Fahrer ins Feld. «Das fahrerlose Transportfahrzeug kommt. Was passiert aber mit den rund acht Millionen LKW-Fahrern in den Staaten?» Ganze Wirtschaftszweige würden etwa auch wegen 3-D-Druckern verschwinden, die bald in der Lage sein werden, verschiedenste Produkte im Alleingang herzustellen. «Deshalb hat die Schweiz mit der Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen einen wertvollen Akzent gesetzt.» Markus Bösiger wird nach dem Referat sagen, dass im Wissen der genannten Fakten wohl einige Anwesende für das Grundeinkommen gestimmt hätten.

Die Fragen an diesem Abend bleiben nicht aus. «Was passiert mit den Menschen, die mit Computern zu tun haben?», will ein älterer Herr wissen. Bei seinen Vorträgen werde er oft mit solchen Ängsten konfrontiert, antwortete Domscheit-Berg. In seinen Antworten reagiert er mit Verständnis für diese Ängste, aber auch mit der Botschaft, dass man sich der digitalen Revolution stellen müsse.

Meistgesehen

Artboard 1