Sonntagsgespräch
«Eventhalle in Schlieren wäre eine grosse Chance für Zürich»

Die Event-Managerin Ewa Ming attestiert dem Limmattal seit längerem grosses Potenzial für Seminartourismus. Die geplante Event- und Kongresshalle in Schlieren würde ein ganz neues Licht auf die Region werfen, ist sie überzeugt.

Sandro Zimmerli
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Event-Managerin Ewa Ming

Event-Managerin Ewa Ming

Ewa Ming, welche Chance geben Sie der geplanten Event- und Kongresshalle in Schlieren?

Ewa Ming: Ich gebe ihr sehr gute Chancen, wenn gewisse Faktoren zusammenspielen. Das Ganze muss in ein Gesamtkonzept integriert sein.

Welche Faktoren meinen Sie?

Die Eventhalle in Schlieren ist als Midsize-Arena geplant. Das ist genau die Art von Veranstaltungsort, die Firmen und private Kulturveranstalter suchen. Viele Lokalitäten sind entweder zu gross und damit zu teuer, oder sie sind zu klein. Wenn dann eine solche Halle noch in ein gutes Verkehrskonzept eingebunden, also schnell erreichbar ist, dann sind bereits wichtige Voraussetzungen für den Erfolg erfüllt.

Sie haben die Erreichbarkeit und die Grösse der Halle als Erfolgsfaktoren angesprochen. Gibt es weitere Voraussetzungen, damit das Schlieremer Konzept funktioniert?

Die Gesamtausstrahlung muss stimmen. Gemäss den Plänen ist ja auch ein Hotel in unmittelbarer Nähe zur Eventhalle geplant. Gerade im Kongressbusiness ist diese Kombination von Übernachtungsmöglichkeit und Veranstaltungsort gesucht. Ausser einem Hotel direkt neben der Eventhalle ist auch wichtig, dass es in der näheren Umgebung weitere Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Das ist in diesem Fall kein Problem.

Sowohl im Limmattal als auch in Zürich gibt es weitere Übernachtungsmöglichkeiten.

Genau. Gerade Zürich West entwickelt sich diesbezüglich rasant. Wichtig ist, dass das Verhältnis zwischen Kongressteilnehmern und Hotelbetten stimmt. Im Hallenstadion funktioniert das gut, weil es in der Nähe viele Hotels gibt. In der Innenstadt ist es schwieriger, da die Hotels oft ausgebucht sind. Die Eventhalle in Schlieren wäre also eine grosse Chance für Zürich, eine Lücke zu schliessen.

Müsste Zürich gar kein neues Kongresshaus bauen, wenn die Eventhalle in Schlieren realisiert wird?

Ich glaube, es braucht beides. Aber es ist wichtig, dass ein neues zeitgemässeres Kongresshaus entsteht. Wir in der Kongress-Branche wollen, dass Zürich als Kongressort attraktiv bleibt. Die Halle in Schlieren wäre eine Top-Ergänzung zu diesem Angebot. Zumal das Hallenstadion und das Kongresshaus auch nicht immer verfügbar sind.

Die Halle wäre also eine gute Ergänzung zum Angebot in Zürich. Welche Bedeutung hätte sie fürs Limmattal?

Sicher würde sie eine positive Belebung für die Wirtschaft bedeuten. Gerade der Geschäftstourismus würde neue Impulse bekommen. Möglicherweise beeinflusst sie auch die Standortwahl einer Firma, weil die Halle neben einem kulturellen Angebot die Möglichkeit bietet, Meetings abzuhalten. Zudem ist es von Schlieren nicht weit zum Flughafen. Wegen dieser kurzen Distanzen punktet Zürich gegenüber anderen Städten.

Wie könnte das Image der Region von der Halle profitieren?

Wenn dort, wie angedacht, viele kulturelle Veranstaltungen stattfinden, hätte das eine positive Auswirkung auf die Wahrnehmung der Region. Vielen ist immer noch nicht bewusst, wie schnell man im Limmattal im Grünen ist. Die Weinberge in Weiningen beispielsweise liegen praktisch vor der Haustür. Gleichzeitig ist die Region verkehrstechnisch gut gelegen. Kommt nun eine Eventhalle dazu, entsteht ein neues Zentrum. Das ist sicherlich auch für die Identität der Region wichtig. Es zeigt den Leuten, dass im Limmattal etwas läuft und man nicht unbedingt nach Zürich gehen muss.

Nun hat das Limmattal nicht überall das beste Image. Könnte dies nicht gerade ein Grund sein, der die Leute davon abhält, Veranstaltungen in Schlieren zu besuchen oder Kongresse zu organisieren?

Das glaube ich nicht. Das Limmattal entwickelt sich rasant. Mit der Umweltarena in Spreitenbach ist beispielsweise eine neue Eventlocation entstanden, die sich positiv auf die Wahrnehmung der Region auswirkt. Wenn jemand einen internationalen Kongress organisieren will, dann interessiert ihn, wie gut der Ort erschlossen ist und welche anderen Angebote vorhanden sind. Für einen internationalen Organisator zählt Schlieren ohnehin zum Grossraum Zürich.

Sie haben die Umweltarena und Weiningen angesprochen. Reicht das, um Kongressveranstalter anzulocken?

Ja, wenn alle Rahmenbedingungen stimmen. Der Bruno-Weber-Park ist ein weiteres Beispiel. Auch er bietet ein Angebot für ein attraktives Rahmenprogramm. Zusammen mit der Eventhalle bilden solche Orte ein Gesamtpaket.

Solche Rahmenprogramme sind also wichtig, bei der Wahl eines Veranstaltungsortes?

Ja. Aber natürlich nicht bei jeder Art von Veranstaltung. Ein Konzert findet am Abend statt. Die Besucher fahren hin und nach dem Ende wieder nach Hause. Gleiches gilt für viele eintägige Seminare. Bei einem zweitägigen Ärztekongress beispielsweise spielen solche zusätzlichen Angebote eine wichtige Rolle. Von Schlieren aus sind sie in zehn Minuten in Weiningen. Man könnte dort also am Abend nach einem Kongress eine Weindegustation durchführen. Weitere attraktive Angebote liegen vor der Haustür.

Sind diese Angebote ein Standortvorteil für Schlieren?

Ja, das können sie sein. All diese Kongressstädte stehen in Konkurrenz zueinander. Auf internationaler Ebene ist es zuerst wichtig, dass sich ein Land gegen das andere als Veranstaltungsdestination durchsetzt. Danach grenzt man die Suche auf eine Region ein. Montreux kann beispielsweise mit seiner Lage am See punkten. Da kann Schlieren nicht mithalten. Es hat dafür andere Vorzüge. Es ist sehr gut erschlossen. In einer Stunde ist man in Bern, in 30 Minuten in Luzern. Der Flughafen ist in der Nähe. Deshalb ist es wichtig, mit diesen Argumenten nach aussen aufzutreten.

Die Kommunikation spielt folglich eine entscheidende Rolle?

Von alleine füllt sich keine Halle. Wichtig ist ein professioneller Veranstalter. In Schlieren ist das mit X-Tra bereits so angedacht.

Auch auf die Standortförderung würde sich die Eventhalle positiv auswirken.

Auf jeden Fall. Man hätte einen Leuchtturm, der dereinst ein anderes Licht auf eine sich rasant entwickelnde Region werfen könnte. Mit dieser Eventhalle würde Schlieren ein Bedürfnis abdecken. Für Zürich wird es langsam eng.

Wird Zürich allmählich langweilig?

Langweilig ist das falsche Wort. Zürich ist als Kongress-Standort immer noch sehr attraktiv. Vor allem wegen des Images die höchste Lebensqualität weltweit zu bieten. Allerdings sind wir bei den Räumlichkeiten eingeschränkt. Das Kongresshaus lockt niemanden mehr nach Zürich. Vor einigen Jahren hätte niemand einen grösseren Kongress in Island organisiert. Heute zieht Reykjavik mit einem architektonisch speziellen Kongresshaus viele Veranstalter an.

Zürich würde von einer Eventhalle in Schlieren profitieren?

Auf jeden Fall. Diese Meeting Industry generiert viel Geld. Selbst wenn jemand an einen Kongress nach Schlieren kommt, kauft er vielleicht noch in Zürich ein und nutzt die Infrastruktur. Davon profitiert die Wirtschaft.