Normalerweise ist ein Hotelaufenthalt etwas Schönes. Nicht so für die Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Dietiker Steinackerstrasse. Nach einem Grossbrand am Wochenende leben diese immer noch im Hotel. Dies war gestern von der Livit AG, welche für die Vermietung der Wohnungen verantwortlich ist, zu erfahren.

Nachdem der Brand in der Nacht auf Samstag ausbracht, musste ein Grossaufgebot von Feuerwehr und Ambulanz ausrücken. Das Feuer brach im Keller des Mehrfamilienhauses aus. 14 Menschen mussten teilweise per Feuerwehrleiter evakuiert werden. Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt. Wie am Montag von den Bewohnern zu erfahren war, mussten mehrere Personen, darunter eine Asthmatikerin, im Spital wegen Rauchvergiftungen behandelt werden. Gemäss einer ersten Meldung der Kantonspolizei können die Wohnungen nicht mehr bewohnt werden, weil die technische Infrastruktur des Hauses zerstört wurde. Ob die Haustechnik tatsächlich Schaden genommen hat, wird zurzeit von Experten untersucht.

Zweiter Schlag für Bewohner

Nach dem Brand wurden die Bewohner von der Stadt Dietikon für zwei Nächte in einem Hotel in Geroldswil untergebracht. «Nachdem die Stadt die Notsituation der Bewohner überbrückt hat, übergeben wir die Verantwortung zurück an die Verwaltung», sagt Sicherheitsvorstand Heinz Illi. Somit sei die Livit AG für die Unterbringung verantwortlich, wenn eine Rückkehr in die Wohnräume weiterhin nicht zumutbar sei. Für die Mieter ist der Brand schon der zweite Schicksalsschlag in Folge. So wurde ihnen nämlich vor zwei Wochen auf Juni 2017 gekündigt, weil das Gebäude nächstes Jahr totalsaniert wird.

Die Mieter zeigten sich nach dem Brand unzufrieden mit dem Vorgehen des Eigentümers. «Man sagte uns am Montag, wir sollen die Wohnungen noch am selben Abend wieder beziehen, denn Hotelzimmer für die sechs Hausparteien seien nicht im Budget des Eigentümers», sagt der Sohn eines Mieterpaars. Dieser Entscheid sei willkürlich, die Elektriker hätten zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht alle Schäden untersucht. Erst, als mehrere Bewohner protestiert hätten, seien ihnen zwei weitere Hotelnächte auf Verwaltungskosten eingeräumt worden. Livit-Mediensprecherin Marietta Hersche betont auf Anfrage, die Sicherheit der Bewohner stehe an oberster Stelle. Momentan werde das Gebäude gründlich gereinigt. Experten würden zudem jede Wohnung inspizieren und erst dann zur Freigabe erklären, wenn eine Rückkehr den Mietern zumutbar sei. So lange garantiere der Eigentümer eine Hotelunterkunft. Dass die Situation für die Mieter eine grosse Belastung darstelle, verstehe man als Hausverwaltung sehr gut, so Hersche. Livit bemühe sich, so gut wie möglich zwischen der Eigentümerin und den Mietern zu vermitteln.

Die Kündigungen seien leider unvermeidlich gewesen, so Hersche, da die Totalsanierungen der Wohnungen nicht im bewohnten Zustand durchführbar wäre. Man bemühe sich aber, den Mietern in anderen Livit-Objekten schnellstmöglich eine Wohnung zu verschaffen.