Limmattal
«Etwas zu essen, brauchen die Menschen immer» - Die Auswirkungen der Coronasituation halten sich in der regionalen Landwirtschaft in Grenzen

Der Alltag gestaltet sich auf den landwirtschaftlichen Betrieben im Limmattal relativ normal. Von den Auswirkungen sind wenige betroffen.

Cynthia Mira
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Andreas Tschanz sieht der Spargelsaison mit Zuversicht entgegen.

Andreas Tschanz sieht der Spargelsaison mit Zuversicht entgegen.

Alex Spichale

Die Lage auf den Limmattaler Bauernhöfen ist trotz der Ausnahmesituation entspannt. Nur einer von sechs angefragten Betrieben hat mit den Auswirkungen der vom Bund verordneten Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zu kämpfen.

Dies erstaunt, weil gerade die Problematik von fehlenden ausländischen Hilfskräften in der Landwirtschaft vermehrt thematisiert wird. So verweist der Schweizer Bauernverband auf die beiden Plattformen Agrix oder Agrarjobs, um neue Ar­beitskräfte für solche offen gebliebenen Stellen zu vermitteln.

In der Region ist das nicht nötig – oder noch nicht. Auch auf dem Hof der Familie Tschanz in Geroldswil nicht, obschon im April die Spargelsaison losgeht. Andreas Tschanz steht einer solch kurzfristigen und schnell eingeführten Arbeitskraft generell eher skeptisch gegenüber.

Die Arbeiten seien vielfältig und würden Kenntnisse erfordern, die nicht von heute auf morgen gelernt werden können. Auf einem solchen Betrieb sei kein Tag wie der andere. «Unser polnischer Vorarbeiter ist seit drei Jahren bei uns und konnte sich das Wissen nun über diese Zeit aneignen», sagt Tschanz.

Es sei so, dass er eine Niederlassungsbewilligung in der Schweiz habe und nicht nur als Saisonarbeiter für kurze Zeit aushelfe. «Er verbringt Zeit in seiner Heimat bei seiner Familie, aber ist ein Teil unseres Betriebes», so Tschanz. Der Spargelsaison sieht er gelassen entgegen. «Wir haben zwei Personen aus der Schweiz, die uns helfen werden.»

Noch seien sie aber unschlüssig, ob auf bleiche Spargeln verzichtet werde. Es würde weniger Aufwand bedeuten, wenn nur die grüne Sorte im Angebot stünde. Der Betrieb laufe aber normal weiter. «Etwas zu essen brauchen die Menschen ja immer, auch wenn eine solche Krise ausnahmsweise die Schweiz erreicht hat.»

Die Produkte werden als Geschenkkörbe verkauft

Für die landwirtschaftlichen Betriebe gibt es zudem die Problematik, dass Restaurants derzeit keinerlei Gemüse und kein Fleisch mehr benötigen. Weiter fallen alle Frischmärkte aus. Für gewöhnlich sind Martin und Barbara Eichenberger mit ihren Hofprodukten aus Bergdietikon an den Märkten in Urdorf und Bremgarten vertreten.

«Es wird ein Problem, wenn die Restaurants kein Fleisch mehr brauchen», sagt Barbara Eichen­berger. Sie seien aber nicht vom Fleischmarkt, der in der Schweiz zusammenbreche, direkt betroffen. Auch komme es zu keinen Lieferengpässen für das Futter der Tiere. Auf ihrem Hof leben Kühe der Rasse Angus. «Wir verwenden für unsere Herde nur hofeigenes Futter», sagt Eichenberger.

Gegen den Einnahmenrückgang, der aus der Schliessung der Frischmärkte resultiert, liessen sie sich etwas einfallen. «Was wir neu anbieten, sind Gemüse- und Früchtekörbe. Wir stellen eine regionale Wundertüte zusammen, die bei uns abgeholt werden kann», so Eichenberger weiter. So könnten die
regionalen Produkte weiterhin angeboten werden. Die Idee stosse auf Anklang. «Wir konnten bereits viele Bestellungen entgegennehmen», sagt sie.

Rund läuft es ebenso auf dem Möhrenhof der Familie Stierli in Urdorf. «Wir haben überhaupt keine Probleme zurzeit und können weiterarbeiten wie bisher», sagt Urs Stierli. Für die Arbeiten auf dem Ackerbau und in der Holzwirtschaft seien sie auf keine fremde Hilfe angewiesen.

«Wir machen alles selber und wenn es Hilfe braucht, dann können wir auf unsere direkten Nachbarn zählen», sagt er. Um sich selber und die Kundinnen und Kunden zu schützen, sei der Hofladen aber geschlossen. «Es war generell eine schlechte Saison.» Für die geringe Ausbeute an Äpfeln lohne sich die Ladenöffnung nicht.

Gästebetreuungen fallen bis auf weiteres aus

Die Ackerbohnensaat steht auf dem Hof von Lukas Weidmann in Schlieren an. «Das wunderbare Wetter lässt mich gut vorankommen. Ich bin mit keinen Problemen konfrontiert und mein Arbeitsalltag gestaltet sich relativ normal», schreibt er auf Anfrage. Er sehe auch Positives an der Krise: «Viele Leute grüssen mich freundlich oder zeigen grösseres Interesse an meiner Arbeit.»

Mit Verlusten muss hingegen die Familie Stalder in Aesch rechnen. Sie hat sich ein zweites Standbein mit ihren Ferienangeboten und Events geschaffen. «Wir haben mit der Nische nun etwas Pech», sagt Monika Stalder. Gebuchte Ferien seien bis zum Sommer alle storniert worden. Während diese Einnahmen wegfallen würden, steige aber der Umsatz im Hofladen.

«Wir haben drei bis vier Mal mehr Kundschaft.» Die Leute würden grosse Einkaufszentren meiden und als Alternative die kleineren Hofläden wählen. Das Problem sei aber das allgemeine Unwissen darüber, wie lange diese Situation noch andauere.