Birmensdorf
Es würde die Sanierung massiv verteuern: Wird die Oberstufe unter Denkmalschutz gestellt?

Nach der Primarschule will die Denkmalpflege auch die Oberstufe bei einer Sanierung einschränken.

Florian Niedermann
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Die Schulhäuser Brüelmatt I und II sowie die Turnhalle sollen renoviert, umgebaut und erweitert werden. Doch die Denkmalpflege will sie unter Schutz stellen. Hae

Die Schulhäuser Brüelmatt I und II sowie die Turnhalle sollen renoviert, umgebaut und erweitert werden. Doch die Denkmalpflege will sie unter Schutz stellen. Hae

Tobias Hänni

Nach der Primarschule droht nun auch die zweite Birmensdorfer Schulbehörde in Konflikt mit der kantonalen Denkmalpflege zu geraten: Weil die Sekundarschulgemeinde Birmensdorf-Aesch ihre Oberstufengebäude Brüelmatt I und II umfassend sanieren und ausbauen will, erwägt der Kanton, die Gebäude unter Schutz zu stellen.

Derzeit prüft eine externe Denkmalpflege-Kommission, ob und in welchem Umfang die Schulhäuser, geschützt werden sollen, die der Winterthurer Architekt Ulrich Baumgartner Ende der Siebziger- und Mitte der Neunzigerjahre geschaffen hat.

Gestützt auf ihr Gutachten fällt die Baudirektion bis spätestens im Juni einen Entscheid. Doch laut dem Bauvorstand der Gemeinde Birmensdorf, Bruno Knecht (parteilos), sind die Aussichten düster: «Die Denkmalpflege findet immer Gründe dafür, ein Gebäude unter Schutz zu stellen.» Kommt es dazu, so habe die Schulgemeinde mit «massiven» Mehrkosten zu rechnen, sagt er.

Das Ansinnen, mit dem die Sekundarschulpflege vergangenen Juni an die Baudirektion gelangte, sieht Sanierungs- und Umnutzungsmassnahmen an den beiden Schulhäusern sowie an der Turnhalle vor. Dazu sollen in einem neuen Anbau vier zusätzliche Schulzimmer entstehen. In der Turnhalle, die nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht, ist ein zusätzliches Geschoss geplant; sie soll künftig als Mehrzweck und Aufenthaltsraum genutzt werden. Als Ersatz würde eine neue Doppelturnhalle erstellt. Der Standort stehe allerdings noch nicht fest, sagt Ueli Kobel, den die Schulpflege als Bauherrenberater beigezogen hat.

Mehr Schüler brauchen mehr Platz

Anlass für das Erneuerungsprojekt, das etappenweise umgesetzt werden soll, bilden gemäss seinen Angaben die in die Jahre gekommene Gebäudestruktur, wachsende Schülerzahlen und Vorgaben des Kantons in Bezug auf das Raumprogramm. «Zusammen mit einer Arbeitsgruppe habe ich die Bedürfnisse der Schule für einen Zeithorizont bis 2040 abgeklärt», sagt Kobel. Im Verlauf dieses Jahres will die Sekundarschulpflege nun eine externe Firma mit den weiteren Planungsarbeiten beauftragen.

Doch das Bauprojekt wird wohl unter erschwerten Bedingungen entstehen. Im vergangenen November definierte die Denkmalpflege nämlich einen sogenannt provisorischen Schutzumfang, in dem festgehalten ist, welche Bestandteile der Anlage als schützenswert erachtet werden. Und auf dieser Liste, die der Limmattaler Zeitung vorliegt, sind nicht nur prägende Elemente wie etwa die Profilierung und Farbgebung der Fassade oder die tragenden Wände der Gebäude als schützenswert aufgeführt, sondern auch Einrichtungselemente wie Bodenplättchen, Kleiderhaken und Schirmständer. In dieser ersten Einschätzung steht zudem, dass ein zweites Geschoss in der Turnhalle «nach dem Haus-im-Haus-Prinzip» erstellt werden müsste, damit die Fassade als Ganzes erhalten werden kann. Ein externes Gutachten, das die Gemeinde Birmensdorf in Auftrag gegeben hat, verweist darauf, dass unter Umständen selbst «brandschutztechnisch problematisches» Deckentäfer unter Schutz gestellt werden könnte. Bauvorstand Knecht kann dies nicht verstehen: «Es kann doch nicht sein, dass die Gebäudequalität für die Schüler und die Sicherheit aus denkmalschützerischen Überlegungen in den Hintergrund gedrängt werden.»

Wenig Vertrauen in Verhandlungen

Die Baudirektion bestätigt auf Anfrage, dass der provisorische Schutzumfang neben dem Gutachten der Denkmalpflege-Kommission als Entscheidungsgrundlage für eine allfällige Unterschutzstellung dient. Mehr ist vom Kanton betreffend das Vorhaben der Sekundarschule Birmensdorf-Aesch nicht zu erfahren, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Pressesprecher Markus Pfanner verweist lediglich darauf, dass der zu fällende Entscheid die Basis für anschliessende Gespräche mit der Schulpflege bilde.

Von diesen Verhandlungen verspricht man sich auf dem Birmensdorfer Bauamt wenig. Bauvorstand Knecht verweist auf die Erfahrungen, welche man im Zusammenhang mit dem Schulhaus Reppisch gemacht haben. Die Primarschule Birmensdorf plante ursprünglich, ihr in die Jahre gekommenes Schulhaus abzureissen und durch einen Neubau zu ersetzen. Doch 2012 blies die Schulpflege das Vorhaben ab: Der Kanton stellte aufgrund eines Gutachtens der Denkmalpflege-Kommission in Aussicht, das Gebäude unter Schutz zu stellen. Die Primarschulpflege beugte sich schliesslich und realisiert nun einen Neubau im Gebiet Haldenacher. «Was mich stört, ist diese Absolutheit. Man hat gegenüber der Denkmalpflege als kommunale Behörde kaum Verhandlungsspielraum», so Knecht. Es sei «inakzeptabel», dass die öffentliche Hand gegängelt werde, wenn sie ihren Schulraum dem Wohl der Schüler und den kantonalen Vorgaben entsprechend anpassen wolle.