Kaufverhalten
«Es werden nicht alle Einkaufsstrukturen überleben»

Als Direktor vom Schweizerischen Verein für Landesplanung weiss Lukas Bühlmann, wie strauchelnde Einkaufszentren attraktiver werden können. Gezielte Mietzinssenkungen wären ein Mittel, um sie vor der Untergang zu bewahren.

Florian Niedermann
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Lukas Bühlmann ist Direktor des Schweizerischen Vereins für Landesplanung.

Lukas Bühlmann ist Direktor des Schweizerischen Vereins für Landesplanung.

zvg

Kleinere Einkaufscenter in den Ortskernen der Region kämpfen gegen den Niedergang. Ist ihre Ära vorbei?

Lukas Bühlmann: Vielleicht ist es tatsächlich so, dass solche Zentren nicht mehr zeitgemäss sind. Das Kaufverhalten hat sich verändert: Viele Konsumenten beziehen ihre Güter heute über das Internet. Dazu nehmen die Verkaufsflächen zu, während die Kaufkraft der Bevölkerung stagniert. Es herrscht ein massiver Verdrängungskampf.

Damit haben aber auch «Tante Emma»-Läden in den Dörfern und die grossen Shopping-Zentren in Spreitenbach oder Glattbrugg zu kämpfen.

Richtig, allerdings haben die grossen Verkaufsstandorte wie das Shoppy Tivoli in Spreitenbach in Bezug auf Infrastruktur und Angebot in den vergangenen Jahren massiv aufgerüstet. Die Shopping-Malls sind ein Freizeit-Treffpunkt für Jugendliche geworden. Gegen diese Konkurrenz können die kleineren Zentren in den Ortskernen kaum bestehen.

Was braucht es also, damit sie dennoch überleben können?

Das Wichtigste ist, ein attraktives und breites Ladenangebot zu haben. Das Schlimmste ist, wenn es zu Leerständen kommt und diese Lokale von Büros, Kebabläden und Nail-Studios übernommen werden. Nehmen sie überhand, vertreibt das die Kunden.

Worauf gründet Ihre Einschätzung?

Wir stellten das auf unserer Geschäftsstelle «Netzwerk Altstadt» fest, die sich mit der Problematik des Lädelisterbens in Dörfern und Städten beschäftigt. Viele Fragestellungen in Bezug auf die Belebung einer Dorfstrasse liessen sich auch auf ein Einkaufszentrum übertragen.

Was konkret würden Sie Inhabern kleiner Einkaufszentren also vorschlagen?

Bei Ladenstrassen in Kleinstädten empfehlen wir, die Negativspirale im Ladenangebot mit sogenannten «Paraläden» zu durchbrechen. Das sind Läden, die zwar keine grossen Renditen erwirtschaften und denen man daher mit sehr tiefen Mieten entgegenkommen muss.

Sie ziehen dafür oft neue Kundschaft an, verkaufen Produkte, die nicht in Shopping-Malls zu finden sind, und beleben so das Gebiet. Damit wird verhindert, dass Ladenlokale leerstehen, was die Attraktivität eines Einkaufsorts stark senkt. Diese Strategie könnte auch in Einkaufszentren viel bewirken.

Können Sie Beispiele für solche «Paraläden» nennen?

Möglich wäre es etwa, eine Galerie, einen gehobeneren Secondhandladen oder ein schönes Kaffee einzumieten.

Es gäbe also Mittel und Wege, um die Attraktivität von kleineren Einkaufscentern zu gewährleisten. Also nochmals die Eingangsfrage: Ist ihre Ära vorbei?

Sagen wir es so: Es werden kaum alle bestehenden Einkaufsstrukturen überleben. Und im Verdrängungskampf haben diese lokalen Zentren einen schweren Stand.