Ein Satz ins Kraut und festklammern - nach drei Minuten Helikopterflug müssen wir auf dem Alzasca-Pass hoch über dem Maggia-Tal aussteigen. Platz zum Landen ist oben auf dem schmalen Grat keiner, also wird gesprungen. Bloss nicht links oder rechts nach unten schauen, bloss gut festhalten am nächstbesten Ärmel oder Rucksack eines Mitfliegers, während der Wind der Rotoren einem in die Knie zwingt.

Zivilschutzkommandant Dani Wenger nimmt das illustre Grüppchen in Empfang; darunter Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Heinz Illi, Thomas Winkelmann, Leiter Sicherheits- und Gesundheitsabteilung, Toni Huber von der Koordinationsstelle Arbeitseinsätze im Berggebiet (KAB) und Enrico Briner, Präsident der SAC Sektion Locarno. Sie alle wollen das Werk des Zivilschutzes Dietikon begutachten. Oder besser: beschreiten.

Der Helikopter wird betankt

Der Heli wird betankt

Wie die toten Fliegen

Es geht nach unten, den stotzigen Weg der SAC-Hütte Alzasca auf 1734 Meter über Meer entgegen. Hier oben haben zwei Gruppen à zehn Zivilschützer je eine Woche lang gekrampft; gepickelt, geschaufelt, überwucherte Stellen gelichtet, Geröll zur Seite gewuchtet, Markierungen erneuert. Alles in Handarbeit, manches erst nach einem zweistündigen Aufstieg, alles in insgesamt zweihundert Mannstagen. Wie die toten Fliegen seien sie abends in der Hütte gelegen. «Da war keiner mehr nach zehn Uhr auf den Beinen», sagt Wenger und lacht.

Der Einsatz hat sich gelohnt: Man muss den Kopf zwar bei jedem Schritt bei der Sache haben, aber der Weg ist sicher, die Steine trittfest und wo Gras wächst, haben die Zivilschützer Stufen in den Hang gehauen. Flott geht es nach unten. Wenger erklärt in kurzen Pausen, was wo getan, wo ein Weg verlegt, wo ein Problem behoben werden musste. Da bleibt nebst dem Zuhören Zeit, zu fotografieren, Beeren zu pflücken und das Panorama zu geniessen; die Sonne scheint ganz prächtig, ein T-Shirt reicht trotz der Höhe völlig aus.

Helikopterflug auf den Alzasca-Pass

Abflug auf den Pass

Teambildung in der Höhe

Die Idee, mit seinen Kaderleuten in die Berge zu gehen, ist bei Wenger vor über einem Jahr entstanden: «Hier können wir einen Dienst zugunsten der Gemeinschaft leisten und gleichzeitig das Team stärken.» Beim Stadtrat ist Wenger mit seiner Idee auf offene Ohren gestossen. «Die Männer können etwas Sinnvolles tun und sitzen nicht nur ihre Dienstzeit ab», sagt Stadtrat Heinz Illi. Und auch der Kanton, der solche Einsätze bewilligen muss, war einverstanden. Vermittelt wurde den Dietikern die Tessiner Arbeitsstelle schliesslich von Toni Huber vom KAB. Der SAC hat für Kost und Logis gesorgt und die Kosten für die Helikopterflüge übernommen, die Stadt Dietikon Sold und Transportkosten, und der Bund die Arbeitgeber entschädigt.

Helikopterflug auf den Alzasca-Pass

Traumhafte Aussicht aus dem Helikopter

Hinter der nächsten Kuppe taucht der Lago di Sascola auf, ein kleiner Bergsee. Daneben liegen gelangweilt ein paar Schafe in der Kuhle, zwischen den Gesteinsbrocken kaum zu sehen, und blöken harmlos vor sich hin. Doch der Schein trügt. Die gefrässigen Grasfresser haben den Zivilschützern einen ordentlichen Schreck eingejagt: Des nächtens haben sie sich über die Materialsäcke hergemacht, die Lederhandschuhe herausgezerrt und jedem Finger einzeln die Kuppe abgefressen. «Wir haben zwei Wochen lang mit Velohandschuhen gearbeitet», sagt Wenger.

Polenta und Ochsenschwanz

Nach einer Stunde Wanderschaft leuchten uns die Zivilschützer die letzten Meter. In ihren orangefarbenen Leibchen stehen sie vor der SAC-Hütte und warten. Das Ziel ist nah, zum Glück. Das morgendliche Kaffeemanko rächt sich; vergeblich hatte man im Zug nach Bellinzona auf das Verpflegungswägeli gewartet. Und die Energie der Eimalzin-Häppchen, die Thomas Winkelmann beim Lago di Sascola verteilt hat, ist längst verpufft. Ermattet sinkt das Grüppchen auf die Bänke, auf den Tischen wird gerade das Mittagessen aufgetischt. Polenta mit Ochsenschwanz, Wursträdli, Tomatenschnitze, Käse aus allerlei Milch.

Panorama SAC-Hütte

Das Panorama bei der SAC-Hütte

Beim Zmittag fliegen die Sprüche zwischen den Zivilschützern hin und her, ein eingeschworenes Trüppchen hat sich hier gebildet. Von toten Fliegen keine Spur, im Gegenteil. «Es war einfach der Hammer hier oben, die Aussicht, der See, die Stimmung», sagt Hanspeter Mauch, Gruppenführer Betreuung. Trotzdem seien sie alle froh, wieder nach Hause zu kommen. «Es war eine sehr anstrengende Zeit.» Kaum hat er das gesagt, knattert der Helikopter heran, schnell, schnell springen die Männer hinein, ein letztes Winken, und schon sind sie verschwunden.